Meine Meinung: Ohne Algorithmen waren Facebook und Instagram viel besser

Gina Kutkat

Früher war zwar nicht alles besser – aber es gab keine Algorithmen. Die sorgen dafür, dass in sozialen Medien das angeblich Relevanteste angezeigt wird. Das langweilt Fudder-Redakteurin Gina Kutkat.

Alte Beiträge kleben lange in der Timeline

Ich habe heute mehrmals Facebook aufgerufen und immer wurde mir dasselbe Foto als Erstes in meinen Feed gespült: Der Arbeitsplatz eines entfernten Kollegen, für die Fasnet dekoriert. Fünf Tage alt klebt es in meiner Timeline wie Kaugummi. Gestern ging es mir ähnlich: Die Bilder eines Neugeborenen, vier Tage alt – das Baby und die Fotos. Seit Facebook im Januar den Algorithmus wieder verändert hat, werden mir angeblich vermehrt Posts von Freunden angezeigt. Je mehr ich mit jemandem online interagiere, desto häufiger sollen mir Beiträge dieser Person angezeigt werden. Das hört sich theoretisch gut an, ist aber praktisch gar nicht so.

Denn ich sehe vor allem viele alte Beiträge: mittwochs Partyfotos vom Wochenende und samstags "I hate monday"-Posts. Außerdem habe ich nicht das Gefühl, dass mir Beiträge von Leuten angezeigt werden, die mich wirklich interessieren. Und Posts von engen Freunden verschwinden scheinbar ganz. Mich nervt das – und deshalb fordere ich die Chronologie der sozialen Netzwerke zurück.

Ich mochte es schon immer, wenn Sachen chronologisch sind: Lebensläufe, Live-Ticker, Plattensammlungen – oder Timelines. Es war doch viel einfacher, übersichtlicher und logischer, das angezeigt zu bekommen, was als Letztes passiert ist. War ich einen Tag lang nicht online, konnte ich anhand meines Feeds nachvollziehen, was ich verpasst hatte – oder eben nicht. Videos wechselten sich mit Fotos, Beiträgen und News ab, alles war simpel sortiert. Ich hatte Spaß auf Facebook und Instagram, jetzt langweile ich mich. Weil man nicht immer auf den Zeitstempel schaut, haben die algorithmischen Posts auch schon oft zu Verwirrungen geführt.

Die wirklich aktuellen Beiträge muss man regelrecht suchen

"Warst du unter der Woche feiern?", fragt meine Cousine. "Nee, wieso?""Facebook sagt, du warst im Waldsee". Ja, am vergangenen Samstag.

Öffne ich Instagram, ist das erste Foto, das bei mir auftaucht, mehr als 24 Stunden alt, es zeigt zwei Verkleidete auf dem Rosenmontagsumzug in Freiburg. Es folgen Posts unterschiedlichen Alters: zwölf Minuten (von Snowboarder Iouri Podladtchikov), 18 Stunden (eine Bloggerin aus Berlin), 23 Stunden (die Panpot DJs), zwei Tage (Yogalehrer Jared McCann). Am ältesten ist ein Post von BBC News: Er zeigt Bilder aus dem verschneiten Paris vergangene Woche. Mittlerweile herrschen dort 10 Grad Celsius. Die wirklich aktuellen Beiträge muss man regelrecht suchen. Was dazu kommt: Es dauert 99 Fotos, bis ich auf einen Post von einer Person stoße, mit der ich im echten Leben befreundet bin.

Schon klar, die Algorithmen von Facebook, Twitter und Co. sollen eigentlich nur unser Online-Leben besser machen. Aber erinnert ihr euch noch an die Zeit, in der man bei Facebook scrollen konnte, bis man dort ankam, wo man schon einmal war? Ich möchte dahin zurück.