Meine Meinung: Mit der App Peeple kannst Du Menschen bewerten - so what?!

Marlene Resch

Mit der App Peeple soll man Menschen bewerten können. Der Aufschrei der Internetgemeinde ist riesig. Dabei ist das doch nur eine logische Weiterführung, findet Marlene Resch:



Die App „Peeple“ soll eine Bewertung aller Menschen ermöglichen, deren Handynummer man besitzt. Auf einer Skala von eins bis fünf, in den Kategorien beruflich, romantisch und persönlich, sollen Nutzer ab November Sterne für ihre Mitmenschen verteilen können. Mitmachen kann jeder, der einen Facebook-Account besitzt und über 21 Jahre alt ist.


Als ein „Yelp für Menschen“ beschreiben die zwei kanadischen Peeple-Gründerinnen Julia Cordray und Nicole McCullough ihre App. Obwohl „Peeple“ bisher nicht auf dem Markt ist, wird die App im Internet bereits heftig zerrissen. Einige der Bezeichnungen: „digitaler Krebs“, „Menschenverachtung“ und „Mobbing-Plattform“.

Menschen online bewerten? Geht schon lange!

Natürlich erscheint eine App zum Bewerten von Menschen reflexartig makaber: Doch ist der Gedanke daran wirklich soweit entfernt von unserem momentanen Handeln? Gegenstände bewerten wir auf Amazon und Co. schon lange. Wir lassen uns durch Algorithmen Empfehlungen berechnen, die unsere Interessen optimal auf unsere Konsumbedürfnisse anpassen.

Aber nicht nur Waren, auch Dienstleistung bewerten wir ständig: Das Restaurant aus dem Urlaub, der Arzt, die Mitfahrgelegenheit - längst liegen Ruf und Karriere des Einzelnen auch in den Händen der Internetnutzer. Menschenbewertung im Internet geht nicht erst mit Peeple. Sie wird bereits täglich praktiziert.

Dass Peeple nun mit den Kategorien „Persönliches“ und „Romantisches“ in einen neuen, privaten Lebensbereich vordringt, ist auch nur bedingt richtig. Wir kennen Datingplattformen und Tinder – Liebe und Beziehung sind schon lange kein Bereich mehr, der abseits des Internets stattfindet. Nach links oder rechts zu wischen, entspricht zwar keinem gehässigen Kommentar – ist aber auch ein Statement. Die Facebook-Freundschaft, das Liken und Kommentieren sind ebenso eine ständige Bewertung von Anderen.

Bewertungen wären egal – müsste nicht immer alles perfekt sein

Das heißt nicht, dass man Peeple gut finden muss. Menschen unter dem Slogan „Character is Destiny“ zu bewerten, klingt wie eine pauschalisierende Farce. Allein juristisch ist das Ganze in Deutschland dank Persönlichkeitsrechten wie dem Schutz vor übler Nachrede und dem Datenschutz wohl kaum zulässig. Gerade die fehlende Möglichkeit, die Bewertungen zu löschen, ist bedenklich.

Trotzdem ist die Aufregung um die neue App Heuchlerei! Peeple ist eine logische Reaktion auf die bisherige Bewertungskultur und Anspruchshaltung meiner Generation: Der Perfektionismus und der Drang, immer das Beste haben zu wollen, breiten sich in alle Lebensbereiche aus. Das beste Auto, das beste Handy, das beste Café und nun eben auch die besten Menschen - der beste Babysitter, der beste Arzt, der beste Partner. In einer Gesellschaft, in man alles online bewertet, war die Erfindung von Peeple nur eine Frage der Zeit.

Das positive Bild bleibt

Doch plötzlich wehrt sich die Internetgemeinde gegen den Bewertungswahn. Liegt das daran, dass Peeple die makellose Selbstdarstellung im Internet gefährdet? Oder muss erst etwas so Überzogenes wie Peeple daherkommen, damit die Menschen die Auswirkung des Internets begreifen?

Einen Effekt hat der ganze Aufruhr immerhin. Die Erfinderin Cordray sieht sich durch den massiven Druck gezwungen, zurückzurudern: Sie möchte jetzt eine „positive“ App, bei der Menschen den Bewertungen über sich selbst vor der Veröffentlichung zustimmen müssen. Wir können uns also weiterhin im Internet so zeigen, wie wir gerne wären – durchweg positiv.

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[Foto: Astarot/Fotolia.com, Montage: fudders Photoshop-Praktikant]