Meine Meinung: Männer, lasst uns auf dem Heimweg verdammt nochmal in Ruhe!

fudder-Redaktion

Die Angst auf dem Nachhauseweg nach einer Party kennt jede Frau. Unsere Autorin, die anonym bleiben möchte, wurde von einem Typen verfolgt – und schreibt ihm und allen Typen, die sich daran aufgeilen, Mädels Angst einzujagen: Fuck you!

Du gräbst mich schon im Club dämlich an. Mit irgendeinem dummen Anmachspruch. Ich schüttele den Kopf und drehe mich weg. Du rückst mir nicht von der Pelle. Ich bringe den Move, den wirklich jedes Mädchen kennt: Beim Tanzen mit einer Freundin den Platz tauschen.


Trotzdem bleibst Du den ganzen Abend in meiner Nähe. Und ich registriere es den ganzen Abend lang, fühle mich unwohl. Ärgere mich: Was denkst Du Dir eigentlich? Ich habe keinen Bock, mich erklären zu müssen. Ich habe Dir deutlich gezeigt, dass ich von Dir kleinem ekligen, halbglatzigen Enddreißiger nichts will. Muss man es Dir echt erst ins Gesicht schreien? Denn Du kannst mir nicht erzählen, dass Du es nicht raffst. Du findest es einfach nur geil, mich zu verunsichern. Fuck you!

Du folgst mir

Als ich irgendwann den Club am Rand der Innenstadt verlasse, folgst Du mir. Mit dem Club hat das Ganze übrigens nichts zu tun: So etwas passiert jeden Abend, in jedem Club, in jeder Stadt. Jede Frau, die ich kenne, kann ein Dutzend solcher Geschichten erzählen.

Dann schließt Du, während ich draußen mein Rad aufschließe, auch Deins auf. Ich schaue nochmal aufs Handy, lasse mir viel Zeit. Du Dir auch. Es ist klar: Du wartest auf mich. Das verunsichert mich, macht mich ängstlich – und wütend. Ich überlege, wieder rein zu gehen. Darauf zu hoffen, dass Du später weg bist. Oder mir Hilfe zu holen. Aber für was eigentlich?

Angst und Wut – auf so Typen wie Dich

Dass Du mich ängstigst, macht mich so wütend, dass ich beschließe: Von Dir lasse ich mich nicht einschränken. Ich fahre los. Du hinter mir her. Je länger der Weg dauert, desto nervöser werde ich. Versuche, mein Handy rauszukramen, suche die Nummer meines Freundes. Dann liegt der Bahnhof hinter uns, kaum noch Leute auf der Straße. Soll ich da vorne wirklich in meine Straße einbiegen? Dann weißt Du, wo ich wohne. Du bist immer noch hinter mir, ich höre es. Mein Herz schlägt bis zum Hals, mir ist schlecht.

Ich radle schneller und schneller, biege in meine Straße, habe das Handy in der Hand, drehe mich kurz um. Du bist weg. Ich biege so schnell wie möglich in meine Einfahrt ein. An der Haustür schaue ich mich um, es ist dunkel. Das ist der Moment, vor dem mich schon eine Freundin – aus eigener Erfahrung – gewarnt hat: Beim Türaufschließen ins Haus gedrängt werden. Kaum eine Chance. Scheiße. Aber dann bin ich drin, allein.

Dir Pisser geht vermutlich einer ab

Später kann ich lange nicht einschlafen, weil meine Gedanken rasen, mein Herz auch – und weil ich so verdammt wütend bin, auf so Arschlöcher wie Dich! Mich kotzt an, dass Du mir den Abend verdorben hast. Dass ich mich wegen Dir aufrege, und das nicht nur in dieser Nacht. Dass Du es geschafft hast, mir Angst zu machen. Und vor allem: Dass Du das vermutlich sehr genau weißt, und Dir darauf einer abgeht, Du kleiner Pisser.



Solche oder so ähnliche Situationen erleben Mädchen und Frauen täglich. Nachhausweg-Angst kennt Jede. Und das sich nicht erst seit den Sexualmorden Ende vergangenen Jahres in Freiburg und Endingen. Selbstverteidigungskurse sollen helfen, oder Apps. Apps, die Dir ein Sicherheitsgefühl geben sollen – wie abartig ist es eigentlich, dass das nötig ist? Und was braucht es, damit sich der Scheiß mal ändert?

Der französische Filmemacher Maxime Gaudet hat im März 2016 einen eindrücklichen Kurzfilm über die Angst von Frauen auf dem Heimweg gedreht:



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