Meine Meinung: Männer, hört endlich auf zu jammern!

Corinna Mühlbeyer

Endlich einmal wieder "richtig" Mann sein! Das wünschen sich einer aktuellen Umfrage zu Folge zwei Drittel aller Männer und sprechen sich damit gegen die Gleichberechtigung aus. Ein Plädoyer von fudder-Autorin Corinna Mühlbeyer für alle Frauen, die in diesen Zeiten stark sein müssen.



Der verunsicherte Mann, benachteiligt durch die Gleichstellung der Frau. Sollten nun alle Frauen dieser Welt dem ratlosen Mann die Wange streicheln und ihn beruhigend an ihr üppiges Dekolleté drücken?


Das Institut für Demoskopie Allensbach hat bei einer Umfrage unter knapp 1000 Männern zwischen 18 und 65 Jahren herausgefunden, dass 64 Prozent dieser Männer die Gleichstellung der Frau satt haben. Auch wenn die Gleichberechtigung der Geschlechter noch längst nicht zu Gunsten der Frauen stattgefunden hat – vor allem nicht in den Köpfen dieser Männer. Warum sich die Befragten gegen gleichberechtigte Rollenbilder wehren: Beruf und Haushalt unter einen Hut zu bekommen, überfordere viele Männer.

Männer wollen nicht tauschen

Was Frauen also im Zuge der Gleichberechtigung bereits seit Jahren leisten, um sich beruflich zu verwirklichen, ist für diese Sorte Mann nicht tragbar. Ja sogar benachteiligt fühlen sich diese Männer in der Frauen-Rolle - sechs Prozent laut der Umfrage. Amüsant. Erklärt auch, warum 96 Prozent der Befragten ganz gerne Männer sind und nicht mit einer Frau tauschen wollen.

Mal ehrlich: Unzumutbar sind solche Statistiken für die meisten Frauen. Denn trotz einigen gesetzlichen Änderungen im Sinne der Gleichberechtigung, sieht der Alltag dann doch anders aus: Frauen bekommen weniger Lohn als Männer, beweist etwa das statistische Bundesamt. Frauen müssen sich nach wie vor rechtfertigen, wollen sie keine Kinder, keine Mutter und eben auch keine Hausfrau sein.

Auch ich bekenne: mein großer Traum ist es nicht in ein paar Jahren mit zwei Kindern den Haushalt zu schmeißen. Und ehrlich gesagt finde ich nicht alle Kinder süß. Möchte ich dennoch mal beides, Job und Kind, gibt es kaum staatliche Betreuungsangebote für berufstätige Mütter. Schon meine Mutter hat vor bald 30 Jahren damit zu kämpfen, bisher hat sich leider kaum etwas geändert. Bis auf die Einführung des Betreuungsgeldes.

Mehr als die Häfte aller Frauen sind unzufrieden

Das Heraustreten der Frauen aus traditionellen Geschlechterrollen fürchten jene Männer aber nicht grundlos. Der Konkurrenzdruck wird größer und Frauen sind in männlich-dominierenden Chef-Etagen vertreten, in der Politik oder noch schlimmer: starke Frauen gibt es in den eigenen vier Wänden.

Anstatt diese Erfahrung also positiv zu Gunsten der Frauen zu verändern, fallen die befragten Männer in ein tiefes Loch. Anstatt sich für die Partnerin, die Tochter oder eben alle Frauen überhaupt einzusetzen, wollen sie sich mit diesem Thema nicht länger beschäftigen. Weg mit der Gleichberechtigung!, heißt es dann. Lieber die Frauen benachteiligen und selbst nichts in solch ein Schlamassel geraten. Da fühlt man sich ja wirklich schnell mal überfordert.

Aber genau das heißt es eben, „richtig“ Mann zu sein. Wer das zukünftig nicht versteht, wird es schwer haben: Über die Hälfte der Frauen sind laut einer weiteren Allensbach-Studie nämlich unzufrieden mit dem derzeitigen Stand der Gleichberechtigung. Das wundert leider überhaupt nicht.

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[Foto: dpa]