Meine Meinung: Liebe Generation Sicherheit, wag’ doch mal was!

Leonie Sayer

Es scheint, als würden alle nur noch nach der Sicherheit im Leben streben. Als hätten sie Angst vor Lücken im Lebenslauf. Fudder-Autorin Leonie Sayer, 20, plädiert für mehr Mut und Unangepasstheit.

Wir alle haben sie, wenn wir jung und unbeschwert sind und eine völlig objektive Wahrnehmung haben: Träume, an denen wir festhalten. Visionen, die wir verwirklichen wollen. Vorstellungen, wie wir unser Leben möglichst frei und bunt gestalten wollen. Sehnsüchte nach kühner Waghalsigkeit. Utopie ist hier kein Fremdwort.


Doch wenn wir älter werden, haben wir das Gefühl, den Pfad der Vernunft gehen zu müssen. Wir sehnen uns nach Halt, Orientierung und Sicherheit. Dieses Gefühl kommt nicht von ungefähr: Früh wird uns das Gefühl gegeben, dass wir möglichst anpassungsfähig sein sollen. Beispielsweise nahm ich während meiner Schulzeit oft wahr, dass die Individualität des Einzelnen nicht gerne gesehen wird: Statt die eigene Meinung wiederzugeben sollten wir lieber die pro/contra Listen des Lehrers auswendig lernen.

Wenig hinterfragen, keine Querdenker sein

Was uns dabei suggeriert wurde: Wir sollen wenig hinterfragen. Wir sollen keine Querdenker sein und keinen Widerstand leisten. Also, warum sollen wir was riskieren? Wir wollen doch keine Fehler machen, nichts verlieren.

Als ich vor zwei Jahren das Abitur machte, hatte ich das Gefühl, inmitten von Realisten und Selbstverwirklichern zu stehen. Junge Erwachsene, die die Freiheit errungen und nun der Devise des zwanglosen Lebens folgten. Ich spürte, wie viele die innere Sehnsucht nach Wagnis vorantrieb: Die einen wollten reisen gehen, andere wollten erst mal entspannen und wiederum andere stellten mit einem Schmunzeln fest, dass sie noch überhaupt keine Ahnung haben in welche Richtung sie sich orientieren wollen. Rückblickend stelle ich fest, dass die Wenigsten meiner Generation dieser inneren Intuition gefolgt sind.

Vergessen wir zwischen all’ den Erwartungen nicht uns selbst?

Über die Jahre wachsen die Erwartungen. "Wie, du willst Philosophie studieren? Um dann Taxifahrer zu werden?", fragen die Eltern. Der Druck der Gesellschaft und auch an einem selbst wächst. Möglichst früh beginnen zu studieren, raten sie uns. Am besten Jura oder BWL, oder doch das Duale Studium, damit der Berufseinstieg möglichst nahtlos ist. Danach dann am besten ohne Umwege in die Arbeitswelt eintauchen.

Doch vergessen wir dabei nicht etwas? Vergessen wir zwischen all’ den Erwartungen, Pflichten, Forderungen und Zwängen nach Strebsamkeit nicht uns selbst? Steht hinter diesem Weg, den die Gesellschaft als "den sicheren" deklariert, am Ende wirklich die eigene Erfülltheit und Selbstverwirklichung?

Wagemutig sein und der eigenen Sicherheit trotzen

Stärke zu beweisen im Streben nach persönlicher und individueller Entwicklung bei Beibehaltung der eigenen Ideale ist manchmal leichter gesagt als getan. Wagemutig sein und der Sicherheit trotzen um stattdessen das tun, was einen glücklich macht, kann schon einiges an Mut erfordern. Ganz gleich, ob das trotz Abitur der Ausbildungsweg ist, der Traum vom Beruf des Autors oder das Kunstgeschichts-Studium. Trau dich!

Das Plädoyer lautet: Lasst uns unser inneres Glück als oberste Priorität im Leben setzen. Lasst uns naiv sein. Lasst uns keine Angst davor haben, Fehler zu machen. Denn wir sind nicht das, was Lehrer, Eltern oder Vorgesetzte von uns erwarten. Wir sind, wer wir zu sein beschlossen haben.

Eines Tages wirst du begreifen, dass du nicht ewig Zeit hast, die Dinge zu tun, die du immer tun wolltest. Tu sie jetzt! Sei verrückt, unbeschwert, glücklich und getrieben vom Wahnsinn der Zeit. Denn was ist schon Sicherheit, wenn du dafür die Freiheit aufgeben musst?

Mehr dazu: