Meine Meinung: Lasst uns gemeinsam ein freies WLAN für Freiburg aufbauen

Birger Brunswiek

Freiburg soll ein Stadt-WLAN bekommen. Dessen Betrieb soll an die Werbetafeln in der Stadt gekoppelt werden; wahrscheinlichster Anbieter: die Wall AG. Birger Brunswiek vom Chaos Computer Club Freiburg findet, dass sinnvolle Alternativen ignoriert werden - und ruft zum gemeinsamen Aufbau eines freien Netzes in Freiburg auf:


In der Freiburger Innenstadt soll nach Plänen der Stadt ein kostenfreies WLAN aufgebaut werden. Der Plan ist, den Betrieb des WLANs mit dem Betrieb der in der Stadt verteilten Werbetafeln zu koppeln. Eine entsprechende Ausschreibung soll am Dienstag im Gemeinderat abgestimmt werden und  ist so gestaltet, dass eigentlich nur die Wall AG als "Partner" in Frage kommt.


Ich halte das für eine schlechte Idee: Erfahrungen aus Berlin zeigen, wie das bald auch in Freiburg ablaufen könnte: Man muss eine App herunterladen und installieren, sich mit Namen und E-Mailadresse anmelden, der Internetzugang ist zeitlich und technisch stark eingeschränkt und mit all den Datenschutzbedenken will ich gar nicht erst anfangen. Wenn ich Internet haben möchte, gehe ich doch nicht zum nächstbesten Werbevermarkter. Das kann ja nicht gut gehen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das Projekt ähnlich erfolgreich wird, wie die diversen Blue Spots in der Innenstadt.

Dabei geht es auch anders: Weimar hat vorgemacht, dass man mit Unterstützung der Stadt effizient ein offenes und dezentrales Freifunk-Netzwerk aufbauen kann. Dieses wäre nicht-kommerziell, uneingeschränkt, offen für jede und jeden und technisch State of the Art.

Der Chaos Computer Club Freiburg geht hier mit guten Beispiel voran und nimmt am Dienstagabend die ersten Freifunk-Router am Siegesdenkmal in Betrieb. Wenn andere diesem Beispiel folgen, entsteht ein dezentrales Netzwerk von miteinander kommunizierenden WLAN-Routern, die weite Teile der Stadt abdecken können. Schließt nun jemand in dem Netzwerk den Router an einen Internetzugang an, so können alle anderen indirekt ebenfalls ins Internet. Auf diese Weise kann man ganze Häuserreihen und Städte über wenige Zugänge online bringen. Alle können mitsurfen und das ohne Einschränkung auf Email und Web.

Wer helfen möchte, das Netzwerk zu vergrößern, kann beim CCCFr einen entsprechend präparierten Router für 20 Euro erwerben, den man nur noch an die Steckdose (und wahlweise ans Internet) anschließen muss und schon ist das Freiburger Freifunk-Netz wieder ein bisschen größer geworden.

Manche mögen sich jetzt wundern, wie das mit der immer wieder zu hörenden Störerhaftung ist. Werde ich nicht belangt, wenn jemand über meinen Anschluss etwas Illegales macht? Das sollte nicht so sein. Schließlich ist jeder für seine eigenen Taten verantwortlich. Wenn ich mit dem Fahrrad eines Freundes jemanden umfahre, ist er ja auch nicht Mittäter. Dennoch gibt es hier leider eine rechtliche Grauzone. In Freifunknetzen wird das durch sogenannte Tunnel umgangen. Die Freifunk-Router bauen eine verschlüsselte Verbindung zum Freifunk-Server auf, welcher den Datenverkehr dann ins Internet schickt. Die Betreiber des Freifunk-Servers übernehmen somit das Haftungsrisiko, sodass sich die Unterstützer mit ihren Freifunk-Routern auf dem Balkon keine Gedanken um die Störerhaftung machen müssen.

Wenn genug Leute mitmachen haben wir in null Komma nichts die ganze Stadt vernetzt. Wenn die Stadt uns dabei unterstützt, geht's sogar noch schneller. Ich denke, dass technische und gesellschaftliche Argumente über die Zukunft des Freiburger WLANs entscheiden sollten, und nicht nur finanzielle Verlockungen und der beste Werbevertrag. Daher liebe Stadt, überleg dir das doch noch einmal.  

Zur Person

Birger Brunswiek, 34, kam vor einigen Jahren über viele Umwege, unter anderem über Neuseeland - in einer Zeit als es dort gefühlt noch mehr Schafe als Touristen gab - aus dem Norden der Republik nach Freiburg. Er ist Informatiker und engagiert sich in der Freizeit für verschiedene Themen rund um den Chaos Computer Club.

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