Meine Meinung: Lasst Uber doch einfach mal machen!

Konstantin Görlich

Uber - die App zur Vermittlung von Fahrdiensten - ist jetzt bundesweit verboten worden. Die klassichen Taxibetriebe jubeln, unser Autor Konstantin Görlich nicht. Er meint: Lasst Uber doch erstmal machen. Ein Rant.



Etwas verändert sich - verbietet es! Diesen urdeutschen konservativen Reflex bekommt zur Zeit der milliardenschwere amerikanische Fahrdienstvermittler Uber zu spüren, der auch in Deutschland Fuß fassen will. Mit Kartell-artiger Geschlossenheit macht die Taxi-Lobby Front gegen die unliebsame Konkurrenz. Dabei könnte Uber frischen Wind in das veraltete, erstarrte Geschäftsmodell der Droschkenkutscherei bringen. Wenn man es denn nur machen ließe.


Da ist zum einen das Versicherungsargument: Wenn ein Privatfahrer mit seinem privat versicherten Auto Uber-Fahrten anbietet, zahlt seine Versicherung im Zweifelsfall eher nicht. Stimmt zwar, aber das weiß auch Uber. Darum sind zumindest in den USA solche Fahrten extra versichert - wie beim herkömmlichen Taxi. Das kann man wissen, wenn man es bei uber.com nachliest, aber dann wäre ja das schöne Argument kaputt. Warum sollte Uber keine solche Ausfallversicherung für deutsche UberX-Fahrer anbieten? Eben.

Überhaupt: Die Fahrer. Das andere große Argument ist der angeblich Zuverlässigkeit und Sicherheit verheißende Personenbeförderungsschein. Ein echtes deutsches Bürokratie-Urgestein, das die persönliche und gesundheitliche Eignung zur Personenbeförderung sicherstellen soll, gewürzt mit noch etwas Ortskunde. Und es klingt nicht viel anders, als die Hintergrundüberprüfung, die Uber macht und verlangt. Die Details dazu gibt es ebenfalls auf deren Website nachzulesen. Mein Eindruck zumindest ist: Wer als Uber-Fahrer akzeptiert wird, schafft auch den Führerschein zur Fahrgastbeförderung. Navigationssystem statt Ortskenntnis nutzen vermutlich ohnehin alle.

So gut wie jede Taxifahrt, die ich bisher nicht vermeiden konnte, war auf die eine oder andere Weise haarsträubend: Nachts mit 130 Sachen über die Bahnhofsachse? Nimm das Taxi! SMS-schreibend im Schlingerkurs über die Autobahn? Nimm das Taxi! Dank Ortskenntnis eine schnellere, aber längere, also teurere Strecke? Nimm das Taxi! Undefinierbare Gerüche, verschlissene Sitze und uralte Mercedes-Klassiker mit bedenklicher Straßenlage? Nimm das Taxi! Offen rassistische Äußerungen über Fahrer mit Migrationshintergrund? Nimm das Taxi! Viele Erlebnisse wären nach Uber-Standards nicht möglich gewesen und sie wären auch nicht an der Tagesordnung, weil es ein anonymes Feedback- und Bewertungssystem gibt.

Ganz zu schweigen von der zeitgemäßen Handhabung, die Uber mit seiner App bietet: Ich muss keine Hotline anrufen und mich, falls überhaupt jemand drangeht, anpampen lassen, wie absurd es doch sei, um diese Zeit in diesem Stadtteil weniger als eine Stunde warten zu wollen. Und Uber ist immer Haustür zu Haustür: Keine dunklen Gassen auf dem Weg zu den Taxistandorten, keine Warterei und Winkerei am Straßenrand. Bezahlt wird bargeldlos über die App, das ist bequem, sicher und transparent.

Aber nein, das staatlicherseits geschützte Geschäftsmodell verteidigt seinen teils staubigen, teils dubiosen und bisweilen lebensgefährlichen Status Quo, ohne auch nur einen Millimeter Innovationsbereitschaft zu zeigen. Mit den Apps von mytaxi oder taxi.eu kann man in Freiburg jedenfalls keine Fahrt bekommen. Oder anders gesagt: Über diese Kanäle bekommen die Taxifahrer keine neuen Kunden. Beinahe überflüssig zu erwähnen, daß ja auch die Taxifahrer selbst Uber nutzen könnten. Stattdessen gibt es Online-Bestellmöglichkeiten wie auf taxi-freiburg.de, die ein schlechter Witz sind: Erst wird dem Kunden erklärt, warum E-Mail an und für sich schlecht ist, und dann folgen allen Ernstes die Öffnungszeiten des Onlineformulars.

Warum gibt es den Streit überhaupt? Wenig überraschend: Es geht ums Geld! Von dem allerdings viel zu wenig bei den Fahrern ankommt, deren Aufregung ist verständlich. Erst vor weniger als einem Jahr hat die Stadtverwaltung die Taxipreise zuletzt erhöht - auf Antrag der Taxivereinigung. Die Unternehmensgewinne müssen allen Klagerufen zum Trotz erheblich sein, denn Uber ist nicht nur günstiger, sondern hat - als ziemlich coole Reaktion auf das Verbot - seine Preise in Deutschland nochmal um 30% gesenkt. Und macht vermutlich trotzdem noch Gewinn.

Eine Öffnung des Marktes täte allen Beteiligten gut: Den klassischen Taxis erschlössen sich neue Kundenkreise, Uber bediente außerdem die Segmente darüber und darunter - und es entstünden neue Jobs. Wenn man Uber doch erstmal einfach machen ließe. Alles, was es dazu bräuchte, wäre etwas guter Wille und eine Reform im Personenbeförderungsrecht, die die Gesetzeslage an die Realität anpasst. Denn ursprünglich sollten die Regelungen einmal die Fahrgäste schützen - und nicht die Gewinne der Taxi-Lobby.

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