Meine Meinung: Kilian Flaig ist für Städtefahnen auf der Kaiserbrücke

Kilian Flaig

Seit Wochen gibt es Streit in der Stadt um die Fahnen, die an der Kaiserbrücke über die KaJo hängen. Zum Papstbesuch hatte das Garten- und Tiefbauamt die Brücke neu geschmückt - mit den Fahnen der Lähnder, mit denen Freiburg Städtepartnerschaften hat. Seitdem hing dort eine Iranflagge. Die CDU beschwerte sich, Unbekannte stahlen die Flagge, der Freundeskreis Tel Aviv (!) fordert, sie wieder aufzuhängen - und die Linksjugend hängte kurzerhand eine selbstgemachte Isfahanfahne auf den Mast. Jetzt will die Stadt wieder Staatsfahnen aufhängen. Kilian Flaig von der Linksjugend würde lieber Fahnen der Städte über der Dreisam wehen sehen:


Die Fraktionen der CDU und der Unabhängigen Listen (UL³) einer Meinung – eine ungewöhnliche Konstellation im Freiburger Gemeinderat. Möglich gemacht wurde dies vom Streit, der von der Badischen Zeitung treffend Freiburger Flaggenfarce getauft worden ist und der nun bald sein noch offenes Ende finden soll.

Alles begonnen hatte mit der Forderung des CDU-Stadtrates Daniel Sander, die Iran-Flagge an der Kaiserbrücke abzuhängen. Sie befand sich dort neben den Flaggen der Herkunftsländer aller Partnerstädte Freiburgs.

Zu recht hatte Sander die iranische Regierung für deren Demokratiefeindlichkeit, Drohungen gegen Israel und militaristische Außenpolitik kritisiert, – interessanterweise interessiert sich Sander wenig für die Demokratiedefizite der Ukraine oder die Kriegsdrohungen der USA, zwei Länder, deren Flaggen ebenso an der Kaiserbrücke hängen. Aber deshalb die Flagge abhängen, die in diesem Kontext doch für die Städtepartnerschaft und nicht für das dortige Regime steht?

Es geht bei einer Städtepartnerschaft nicht vorrangig um die große Politik, sondern um den kulturellen Austausch und den Kontakt zwischen den Menschen. Im Besonderen gilt dies für die Partnerschaft mit Isfahan, denn diese ruht im politischen Bereich. So hatten wir im Studentenwohnheim letzten Sommer einige Austauschstudenten und Studentinnen aus dem Iran zu Gast. Leider viel zu kurz, dennoch eine gute Sache, finde ich.

Trotzdem musste Sanders Argumentation jemanden überzeugt haben. In der Nacht, die auf den Bericht der BZ über Sanders Forderung folgte, entwendeten Unbekannte die Flagge. Nachdem die Stadt nach über eine Woche immer noch keine Anzeichen gezeigt hatte, die Flagge zu ersetzen, beschlossen wir als Linksjugend selbst ein Zeichen für die Städtepartnerschaft zu setzen. Wir malten das Wappen Isfahans auf ein Tuch und hängten es an den Platz des alten Fahnenmastes. Einen Tag später war zu lesen, dass auch der Freundeskreis Tel-Aviv, der eine Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und der israelischen Metropole anstrebt und dem auch Daniel Sander angehört, forderte, die Iran-Flagge wieder aufzuhängen. Von dieser Haltung war Sander enttäuscht und kündigte an, er werde die Arbeit des Vorstandes nun kritisch beobachten.

Es sah also alles nach verhärteten Fronten aus, als die CDU sich unerwartet zu einem neuen Vorschlag durchringen konnte. Man solle die Länderflaggen abhängen und stattdessen die Flaggen der Partnerstädte selbst dort aufziehen. Vielleicht hatte die CDU unsere Aktion richtig interpretiert und sich davon überzeugen lassen. So sieht es jedenfalls die UL³, die laut Pressemitteilung mit Vergnügen zur Kenntnis nahm, dass die CDU die Idee der Linksjugend aufgreife, und sich gleichzeitig selbst dem Vorschlag anschloss.

Wie auch immer, es wäre in meinen Augen ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis der Auseinandersetzung, wenn die CDU sich gemeinsam mit der UL³ und anderen durchsetzen und die Flaggen der Partnerstädte gehisst würden.

Damit wäre klar, dass es dabei um die Freundschaft zwischen Menschen aus den jeweiligen Städten geht, und nicht um die Solidarisierung mit irgendwelchen Regierungen. Profitiert hätte von der Freiburger Flaggenfarce so ironischerweise ausgerechnet die Städtepartnerschaft zwischen Isfahan und Freiburg.

Zur Person

Kilian Flaig ist 24 Jahre alt, studiert Geschichte im Hauptfach an der Uni Freiburg und ist Mitglied der Freiburger Linksjugend sowie des Kreisvorstandes der Linken Freiburg.

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