Meine Meinung: Kevin Kühnert ist spitze

Fabian Thomas

Mit seinen "No-Groko"-Veranstaltungen erregt der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert zur Zeit viel Aufsehen. Mit seiner Energie inspiriert er fudder-Mitarbeiter Fabian Thomas dazu, wieder politischer zu werden.

Seit Dienstag dürfen die SPD Mitglieder über eine Neuauflage der Großen Koalition abstimmen. Der Parteitag war dafür. Der ganze Parteitag? Nein! Eine Gruppe von Jusos um den unbeugsamen Kevin Kühnert hört nicht auf, Widerstand zu leisten. In Jeans und Pulli reist der Politikstudent durch Deutschland und erregt mit seinen "No-Groko"-Veranstaltungen viel Aufsehen.


Damit tut Kevin Kühnert gerade mehr für unsere Demokratie als die letzten zehn Weihnachtsansprachen des Bundespräsidenten zusammen. Er setzt sich für die Belange unserer Generation ein, die in der Politik momentan oft ignoriert werden. Denn was springt im Koalitionsvertrag wirklich für uns raus? Eine Bildungsreform? Ein Digitalministerium? Oder gar Pläne, wie der Planet die nächsten 100 Jahre noch überleben könnte?

Gesunder Energieschub für die Politik

Leider nein. Dafür gibt es jetzt einen sympathischen Heimatminister und bis zu 622 Euro mehr im Jahr - wenn man über 65 ist. Forscher des Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) berechneten, dass es vor allem die Älteren sind, die von dem neuen Koalitionsvertrag profitieren.

Natürlich gibt es gute Gründe, warum wir trotzdem eine Große Koalition brauchen - unter anderem, dass von einem wichtigen Land wie Deutschland eine handlungsfähige Regierung erwartet wird.

Doch auch, wenn man Kühnerts Ziele nicht unterstützt: Ich finde, dass er der Politik einen gesunden Energieschub verpasst. Seine Kampagne beweist, dass auch junge Politiker in Deutschland richtig Einfluss haben können. Und das wird auch Zeit. In Deutschland müssen junge Politiker und Politikerinnen erst die jahrelange "Ochsentour" durchlaufen, bevor sie an Ämter kommen: Andrea Nahles wurde schon 1997 – noch vor Martin Schulz und Sigmar Gabriel – in den SPD-Vorstand gewählt. Doch erst heute, nach über 20 Jahren politischer Arbeit, gilt sie als politische "Nachwuchshoffnung".

"Kühnerts Kampagne inspiriert mich dazu, wieder genauer hinzuschauen, was in der Politik eigentlich geschieht."

Die gut besuchten Veranstaltung der NoGroko-Tournee zeigen außerdem, dass es Redebedarf gibt. Nicht nur bei SPD-Rentnern, sondern gerade auch bei jungen Leuten. Vielen reicht die "Spiegelstrich-Politik", wie Kühnert sie genannt hat, nicht mehr aus. Das ist die Politik, die sich nur mit kleinen Themen beschäftigt. Doch wie hoch genau der Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung sein soll, das interessiert die Millenials nicht. Kühnert fordert, dass die Politik sich größeren Fragen zuwendet. Ein paar Visionen zu Themen wie Ungleichheit, Klimawandel oder Migration könnten wir wirklich gebrauchen. Schließlich ist es unsere Generation, die sich in Zukunft damit beschäftigen muss.

Kühnerts Kampagne inspiriert mich dazu, wieder genauer hinzuschauen, was in der Politik eigentlich geschieht. Das ist vielleicht auch gerade deshalb wichtig, da wir alle etwas individualistisch geworden sind. Wir verbringen viel Zeit in der Bib oder auf Instagram, aber haben nicht mehr so sehr den Anspruch zu kritisieren. Dabei wäre es nötig!

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