Meine Meinung: Ich hasse die Radfahrer in Freiburg

Marissa Müller

Radfahrer genießen eigentlich einen ziemlich guten Ruf- vor allem in der Ökostadt Freiburg. Sie verpesten die Luft nicht und Stau ist auf einem Drahtesel ein Fremdwort. Warum unsere Autorin Marissa die Radfahrer trotzdem hasst, erklärt sie hier.

Wenn man als Fußgänger in Freiburg unterwegs ist, ist es manchmal nicht leicht, einfach gemütlich durch die Gegend zu spazieren. Denn etwas ist in Freiburg immer da, und zwar auch im tiefsten Winter und selbst bei sintflutartigem Regen: Die Spezies des gemeinen Radfahrers. Rücksichtslos und ohne Augen im Kopf fährt er einfach über alles, was ihm in den Weg kommt. Fußgänger wie ich ziehen dabei eigentlich immer den Kürzeren.


Ja ja schon klar, Fahrradfahren fördert die Gesundheit, ist gut für die Umwelt und entlastet die Verkehrswege der Stadt. Aber eines muss ich hier klarstellen: In der Fahrradstadt schlechthin sind die Radfahrer einfach eine extrem nervtötende Angelegenheit – zumindest, wenn man sich mit zwei Beinen fortbewegt und keinen Hightech-Sattel oder wahlweise einen mit Blümchen-Überzug unter sich hat.

Als Fußgänger lebt man gefährlich

Wenn ich mich auf meinem täglichen Weg von der Bahnhofsbrücke Richtung Unibibliothek befinde, dann bete ich stets, dass ich nicht Opfer des gemeinen Radfahrers werde. Gerade laufe ich gemütlich, noch mit einem Kaffee in der Hand, die Bahnhofsbrücke runter. Zack – schießt von hinten kommend schon ein Harakiri-Rad an mir vorbei und beschert mir bereits morgens einen Fast-Herzinfarkt und einen Kaffeefleck auf der Jacke.

Aber das Schlimmste erwartet mich, wenn ich zwischen Theater und Unibibliothek versuche, in Richtung KG I zu laufen. Denn da kommen sie nämlich von allen Seiten. Wer hier als Fußgänger nicht aufpasst, liegt definitiv entweder unter zwei Rädern oder darf sich das empörte Geschimpfe des Radvolks anhören.

Radfahrer scheinen in Freiburg mehr Rechte zu haben, als alle anderen

Auch die Überquerung eines Zebrastreifens ist in Freiburg eine gefährliche Angelegenheit. Die Autos bleiben artig stehen. Doch wer jetzt denkt, unversehrt über die Straße zu kommen, hat die Rechnung ohne die Radfahrer gemacht. Die Straßenverkehrsordnung wird von ihnen einfach mal dezent vergessen. In der Fußgängerzone absteigen und schieben? Nö, das ist für unsere lieben Radfahrer viel zu umständlich. Auch vor Gehwegen wird nicht Halt gemacht. Gefahren wird überall und getreu dem Motto: "Alle weg, ich komme!".

Nach der Uni noch schnell in die Bibliothek und ein paar Bücher für die Hausarbeit ausleihen? Könnte zu einem Problem werden. Zuerst muss ich mir einen Weg durch die riesige Fahrradkolonne vor der UB bahnen. Bevor ich dort überhaupt ankomme, bin ich mit meiner Tasche schon an einem Fahrradkorb hängengeblieben. Es fällt um. Direkt auf das nächste. Und auf das übernächste. Domino Day! Schnell weg hier, bevor die Radfahrermeute kommt und mich mit Heugabeln verfolgt.

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