Meine Meinung: Hände weg vom Smartphone – Babys brauchen Blickkontakt

Liv Krusche

Immer wieder sieht man in der Stadt Mütter und Väter, die sich lieber mit ihrem Smartphone beschäftigen als mit ihrem Kind. Unsere Autorin ist selbst Mutter und findet: Hände weg vom Smartphone – Babys brauchen den Blickkontakt.

Man befindet sich in einem Gespräch, diskutiert, erzählt oder argumentiert für die eigene Meinung - doch das Gegenüber weicht Blicken aus, sieht an einem vorbei, meidet den Blickkontakt. Unwillkürlich stellt sich ein Gefühl des Unbehagens, der Unsicherheit ein. Liegt es an mir? Oder ist mein Gegenüber einfach schüchtern? Oder etwa gelangweilt? Vielleicht auch einfach nur abgelenkt. Es fühlt sich auf jeden Fall komisch an.


Jeder kennt die Situation. Unter Erwachsenen ist das Aufs-Handy-Starren im Gespräch größtenteils geächtet.Trotzdem sieht man immer wieder Mütter und Väter auf Spielplätzen und an Kinderwägen mit Smartphones in der Hand. Oder Babys im Kinderwagen oder Tragetuch mit dem Blick nach vorne gerichtet. Alles diese Situationen machen es dem Baby unmöglich, über Blickkontakt mit seinen Bezugspersonen zu kommunizieren.

Blickkontakt schafft Nähe

Durch Blickkontakt wird Nähe geschaffen und Interesse gezeigt, das Abwenden des Blickes signalisiert jedoch Desinteresse. Neugeborene Babys sind kurzsichtig und haben nur über 20 cm Distanz ein klares Blickfeld, was dem Abstand der Brust der Mutter und ihren Augen entspricht. Das ist auch der Abstand, den Erwachsene intuitiv einnehmen, um mit einem Baby zu interagieren.

Recht schnell erweitert sich jedoch das Blickfeld des Kindes. Sie sind unglaublich neugierig und wollen alles erkunden und erforschen. Trotzdem sind Babys Reizen gegenüber sehr empfindlich, da alles neu und fremd für sie erscheint. Zu viele Reize setzten ein Kleinkind, nach einer Studie von Forschern der Dundee Universität in Schottland, einem gewaltigen Stress aus, wodurch sich ihre Herzfrequenz erhöht. Der Blickkontakt zu ihren Eltern scheint ihnen hingegen Sicherheit zu geben und sie zu beruhigen. Auch eine Untersuchung von knapp 3.000 Eltern-Kind-Paaren ergab, dass Kinder, denen Blickkontakt gewährt wird, schneller einschlafen können.

Die Mutter-Kind-Bindung ist enorm wichtig

"Soziale Interaktion in den ersten Lebensjahren ist extrem wichtig für die Entwicklung des Gehirns", berichtet die britische Psychologin Suzanne Zeedyk. Wenn man die gesamtgesellschaftliche Entwicklung betrachtet, sind Mütter oftmals allein mit ihren Kindern. Die Familie ist zu weit weg, Freunde haben wenig Zeit. So ist es ihnen nicht zu verübeln, dass sie soziale Kontakte über Medien suchen. Die Ruhe-Zeit des Stillens wird oftmals dafür verwendet, zu chatten oder Fern zu schauen. Dabei sind gerade diese Still-Momente sehr wichtig für die Mutter-Kind Bindung und keineswegs nur eine reine Nahrungsaufnahme.

Das Stillen vermittelt dem Kind ein Nähe- und Geborgenheitsgefühl, was widersprüchlich zum ausgestrahlten Gefühl des Desinteresses steht, das vom Aufs-Handy-Schauen ausgeht. Das Baby muss ständig um die Aufmerksamkeit seiner Bezugsperson kämpfen. Dabei ist das Gesicht der Bezugsperson dem Baby ein Spiegel, sieht es die Freude im Blick der Mutter, lernt es, seine eigene Freude wahrzunehmen und zu empfinden.

Vertrauen bildet die Grundlage für die Entwicklung

Prof. Gerald Hüther, deutscher Neurobiologe, meint, die vertrauensvolle Beziehung bilde eine Grundlage für die gesamte Entwicklung. Gelingt sie nicht, hat das Baby große Probleme sich in der neuen Welt sicher zu fühlen. Die Ablenkung der Eltern durch die Medien- klingelnde Smartphones, quatschende Fernsehapparate und eingehende E-Mails- erschweren die Entwicklung des Feingefühls, das notwendig ist um die zarten Signale eines Babys zu empfangen und sich so auf seine Bedürfnisse einzulassen. Dieses fehlende Gefühl für das eigene Kind kann später für beide Seiten den Umgang mit schwierigen Situationen erschweren.

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