Meine Meinung: Game of Thrones zu lesen lohnt sich nicht

Sarah Wenzel

"Ich liebe Game of Thrones", sagt fudder-Autorin Sarah Wenzel. Und weil sie Daenerys Targaryen und Tyrion Lannister so liebt, hat sie nun die Game-of-Thrones-Bücher gelesen - weil Bücher ja bekanntlich immer noch besser sind als die Filmadaptionen. Warum Sarah die Bücher dann aber überhaupt nicht mochte:



Game of Thrones rocks. Ein fantastisches Epos, eingebettet in die Welt von Westeros, Blut fließt, in beinahe jeder Folge fallen die Hüllen, Drachen rösten böse Hexer bei lebendigem Leibe. Fans auf der ganzen Welt fiebern der nächsten Episode entgegen und Lehrer, die die Bücher gelesen haben bevor es cool war, erpressen ihre Klassen mit Spoilern.


GoT hat alles, was in jedem Fantasy- und Superheldenfilm wieder und wieder durchgekaut wird und das Material immer wieder zu Kassenschlagern macht: einen edlen Helden, einen hin- und hergerissenen Antihelden, die Bösen, natürlich in der Überzahl, mit einer Vielzahl ungelüfteter, düsterer Geheimnisse, und eine Handlung mit unerwarteten Wendungen, die den Zuschauer abwechselnd jubelnd und am Boden zerstört zurücklassen.

Gemäß der vielzitierten Weisheit, der zufolge das Buch immer besser ist als die Filmadaption, müssten die Bücher den Leser also rückwärts von den Füßen reißen und auf eine Berg- und Talfahrt der Emotionen entführen, auf der er zwischen Lachen und Weinen kaum mehr unterscheiden kann.

Sie tun es nicht.

George R.R. Martins Trilogie beginnt zwar vielversprechend, doch die Langeweile setzt bereits nach den ersten paar Seiten ein. Was auf dem Bildschirm scharfe Dialoge, schnelle, verwundene Handlungen und atemberaubende Landschaften sind, wird im Buch zu Überraschungsangriffen, die sich drei Seiten im Voraus ankündigen und Dialogen, die, unterbrochen durch die  permanente Reflektion der Charaktere, den Leser dazu bringen, die Seite verzweifelt nach Anführungszeichen abzusuchen.

Detaillierte Beschreibungen von Waffen, Wappen, Wölfen, Pferden, Gebäuden, Kleidung und Landschaften sorgen dafür, dass man schon am Aussehen erkennen kann, wer zu welchem Haus gehört. Voraussetzung dafür wäre, sich an die Namen und Beziehungen der herrschenden Häuser, deren Geschichte und die Regierungsstrategien der einzelnen Herrscher zu erinnern.

Leider schaltet  das Gehirn jedoch spätestens nach dem dritten Bannergeschworenen des Hauses, das in altem Zwist mit einer Herrscherdynastie aus mythischen Zeiten liegt, in den Selbstverteidigungsmodus. Und man blättert wieder nach hinten, um im Impressum nachzulesen, mit wem der eben ermordete Charakter jetzt eigentlich verwandt war.

Gott sei Dank gibt es da immer noch Eiszombies und Drachen, um uns in die sichere Realität von Westeros zurückzuholen, und uns glauben zu machen, dass die Welt doch ganz einfach ist, mit den bösen Bösen ganz weit weg im Norden. Bis der Charakter, den wir bisher für den Hauptcharakter hielten, getötet wird, und klar wird, dass wir uns wohl oder übel durch die nächsten 200 Seiten kämpfen müssen, um überhaupt zu erfahren, von wem. Und frag bloß nicht nach dem Warum!

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  [Foto: picture alliance / dpa]