Meine Meinung: Game of Thrones ist gewaltverherrlichender Bullshit

Elena Stenzel

Serienfans frohlocken: Die siebte Staffel Game of Thrones läuft seit Montag. Unsere Autorin sagt: Es ist doch kein Vergnügen, sich Massenmorde und Vergewaltigungen anzuschauen. Warum sie mit der Serie nichts anfangen kann.

"Winter is coming", brummt Jon Snow in die Kamera und guckt toternst drein. Mein weiblicher Freundekreis himmelt ihn und dieses Halbpferd Khal Drogo an. Bloß ich nicht. Denn: Ich kann Game of Thrones nicht ausstehen. Es ergibt für mich einfach keinen Sinn, warum eine Serie, deren gesamte Besetzung alle halbe Staffel wegstirbt, so erfolgreich ist.


Sex sells, schon klar. Dass das allein ausreicht, verwundert mich aber. Und wenn dabei nicht so extrem viel Blut und Gewalt im Spiel wäre, könnte ich sogar drüber lachen - kann ich aber nicht. Denn für mich ist es keine Entspannung und schon gar kein Vergnügen mir Massenmorde, Vergewaltigungen und Hinrichtungen im Fernsehen anzusehen.

Ich will keinen Sex zwischen Geschwistern sehen

Exzessive Gewalt brauche ich nicht. Das gibt es schrecklicherweise in der Realität, das muss ich mir nicht noch in meiner Freizeit antun. Ich will keinen Sex zwischen Geschwistern sehen, ich will keine orgastischen Mordorgien sehen und ich will auch keine sexuell motivierte Gewalt sehen.

Ich kann es nicht verstehen, dass andere Menschen sich so etwas zur Bespaßung reinziehen. Das sind keine historischen Begebenheiten, die gezeigt werden, und sie dienen auch nicht einem höheren Zweck wie Aufklärung oder Prävention. Nein, es geht allein um Unterhaltung und Voyeurismus. Und das ist nicht okay.

Die Nacktszenen sind doch auch öde

Und dann noch etwas zu den Nacktszenen: Die sind auch nur so semi-aufregend. Full frontal Nudity? Von Wegen! Da lugt halt mal hier, mal da ein blankes Brüstchen im Halbdunkeln hervor. Im prüden Amerika ist das vielleicht revolutionär. Aber wieso wird das im Erfinderland des FKK als etwas Besonderes angesehen? Wenn ich die Länge einer Game of Thrones-Folge am Dietenbachsee rumliege, bekomme ich mehr nackte Haut zu Gesicht als in einer ganzen Staffel Game of Thrones.

Abgesehen davon könnte das ganze Spektakel ja wenigstens gut gespielt sein. Ich weiß, das sind begabte, ausgebildete Schauspieler. Kit Harrington (John Snow) in "Testament of Youth" - ohne Locken und Bart kaum wiederzuerkennen - fand ich sehr überzeugend. Dass Richard Madden (Robb Stark) mehr kann als sich bestialisch ermorden zu lassen, ist mir auch klar.

Die Darsteller starren apathisch vor sich hin

Umso unverständlicher, dass ihnen dermaßen schlechtes Spiel abverlangt wird. Die Sätze sind starre, pathetische Lufthülsen. Entweder stieren die Darsteller apathisch vor sich hin oder kneifen grimmig die Augenbrauen zusammen - deshalb sind die Gagen so gigantisch, das ist Schmerzensgeld für die Schauspieler! Überhaupt kann sich die Serie nicht entscheiden, ob sie Fantasiespektakel oder Historiendrama sein möchte. Erst sah alles nach Mittelalter aus, dann tauchte der erste Drache auf - "Die Wanderhure" meets Mittelerde.

Was soll diese komplizierte Handlung?

Die vielen Handlungsstränge, die vielen und vor allem ständig neuen Figuren, machen es dem Zuschauer außerdem nicht leicht. Dabei ist es doch eigentlich Sinn einer Serie, dass der Zuschauer mit den Figuren mitlebt, sich im Idealfall sogar mit ihnen identifiziert.

Bei Game of Thrones spricht ja schon derselbe Synchronsprecher mehrere Figuren, weil die so schnell wegsterben, dass die deutschen Synchronsprecher ausgehen. Ich brauche ein Begleit-Booklet, das mir die Beziehungen und Verwandtschaften der einzelnen Charaktere erklärt. Da blickt doch niemand wirklich durch. Vielleicht ist das ja der Reiz der Serie. Mir ist das aber zuviel. Eines steht also fest: Auch bei der 7.Staffel werde ich nicht mit dabei sein.

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