Uni Freiburg

Meine Meinung: Für Studium Generale hat jeder Zeit

Lisa Göllert

So schnell wie möglich den Bachelor durchziehen: Für so etwas wie die Veranstaltungen des Studium Generale ist da keine Zeit. fudder-Autorin Lisa Göllert entlarvt die drei bekanntesten Ausreden und plädiert dafür, sich Zeit zu nehmen.

Studium Generale ist ein Angebot der Uni Freiburg und bietet Einzelvorträge, Vortragsreihen, Lesungen und Konzerte aus unterschiedlichen Fachbereichen an.

Studium Generale ist mehr als eine Veranstaltungsreihe an der Uni – es ist eine Lebens- und Lerneinstellung. Horizont erweitern, sich außerhalb des eigenen Studiums weiterbilden, neue Hobbys und Sprachen austesten: Zeit und Chancen nutzen, die man vielleicht nach dem Studium nie wieder hat.

Ich bin sicherlich nicht die Erste, die sich für das Prinzip des Studium Generale ausspricht. Auch wenn Mama und Papa immer sagten, die Unizeit wäre die freieste Zeit des Lebens und es altbekannt ist, über den Tellerrand während der Unizeit zu blicken, wieso tun es dann nicht noch mehr Studierende?

Die niemals endende Jagd nach ETCS

Warum findet man uns dann so häufig schon morgens um acht in der UB – fast festgeklebt, schnell den Kaffee runterziehend, auf der niemals endenden Jagd nach ETCS? Ich will damit nicht sagen, dass man nicht für die Uni lernen soll – es sollte aber auch ein Leben außerhalb des Studiums geben.

Und natürlich ist es das System der Uni, das mit Klausuren und mit gefühlt tausend gleichzeitigen Abgabeterminen für Hausarbeiten, Essays oder Übungsblättern Druck macht. Aber davon sollten wir uns nicht entmutigen lassen!

"Wollen wir unser Dasein wirklich im Glaskasten fristen?"

Denn die zentrale Frage, die wir uns stellen sollten, ist doch: Wie wollen wir die Zeit während unseres Studiums nutzen? Wollen wir unser Dasein wirklich im Glaskasten fristen und unseren Horizont auf einen Mikrokosmos verkleinern, obwohl oder gerade weil wir uns den ganzen Tag theoretischen Stoff reintrichtern?

Ihr denkt jetzt vielleicht: Ich komme schon beim Studium kaum hinterher, wie soll ich mir dann noch Zeit für sowas wie Studium Generale nehmen? Wenn ihr mich fragt: Ausreden!

Ich habe keine Zeit!

Keine Zeit während Klausurenphasen? Okay. Aber das ganze Semester keine Zeit für Freizeit? Fakt ist: Zeit hat man immer – wenn man es will! Es ist alles nur eine Frage der Prioritätensetzung. Das versuchte man uns schon in der Schule beizubringen. Arbeit kann aber nicht immer Priorität haben: Es ist richtig, sich auf sein Studium zu konzentrieren – aber Mut zur Pause! Man kann nicht den ganzen Tag nur lernen, irgendwann ist die Konzentrationsfähigkeit vorbei.

Und dann bleibt immer noch genügend Zeit, abends ein neues Hobby zu testen. Und Studium Generale heißt nicht zwingend, jeden Abend intellektuelle Veranstaltungen zu besuchen. Es kann schlichtweg auch bedeuten, dass man sich entscheidet, weniger Univeranstaltungen zu belegen, weil man sich bereits zeitlich überfordert fühlt.

Ich will lieber "was mit meinen Freunden unternehmen!

Wenn man den ganzen Tag über in der Uni war oder gelernt hat, ist es total verständlich, dass man abends etwas mit seinen Freunden unternehmen will – sei es auch nur ein Bier trinken, anstelle von Sprachkursen oder Vorträgen. Und da ist auch gar nichts falsch dran. Aber vielleicht könnt ihr zusammen als Gruppe etwas zusammen finden, auf das ihr alle Lust habt. Gibt es ein universitäres Thema, von dem ihr vielleicht alle bisher noch nicht viel wisst, aber gerne mehr erfahren würdet? Oder wolltet ihr alle schon einmal eine bestimmte Sportart testen?

Was bringt mir das?

Wie häufig ertappen wir uns dabei, uns bei Aktivitäten die Frage zu stellen: Was bringt mir das jetzt gerade? Abgesehen davon, dass nicht alles immer einen rationalen Nutzen haben muss, sehen wir diesen häufig auch nicht direkt. Sicher ist aber: Neue Hobbys bringen dir Abwechslung im Alltag, neue Perspektiven und du findest sicherlich auch Seiten an dir, die dir privat als auch beruflich weiterhelfen können. Wichtig ist aber, dass man sich überlegt, für wen man die Aktivität macht: Denn im besten Fall machst du es für dich und nicht für den Lebenslauf oder für zukünftige Chefs.

Studium Generale beginnt im Kleinen

Die Uni macht es uns häufig echt nicht leicht, über den Tellerrand zu blicken – zumindest, wenn man dem Studienverlaufsplan folgen will. Sicher ist es unrealistisch, sich für das nächste Semester zu viele Freizeitaktivitäten vorzunehmen. Aber Studium Generale ist ein großer Begriff und kann auch eine kleinere, weniger zeitaufwendige Aktivität sein. Von daher stresst euch nicht, wenn ihr es jetzt nicht unterkriegt – Horizonterweiterung kann auch mal auf dem Sofa mit einem Buch oder einer neuen Serie stattfinden!

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