Meine Meinung: Freiburger, feiert doch bitte Fasnet!

Der Anonyme Narr

Heute ist Schmutzige Dunschtig, die heiße Phase der Fasnet beginnt. Während im Umland seit 11:11 Uhr - ach was, seit Wochen - auf der Straße gefeiert wird, stürmen Narren in Freiburg erst um 16:45 Uhr das Rathaus. Und selbst dabei kommt so richtiges Fasnet-Flair eigentlich nicht auf. Ein enttäuschter anonymer Narr fordert: Freiburg, krieg doch bitte zur Fasnet mal de Stock us 'em Fidle!



Fasnet ist ein Fest, das Freiburg spaltet. Und das kotzt mich an. Die zugezogenen Studenten schimpfen immer über die Einsamkeit in der Stadt, aber meiden, dissen und hassen das gemeinschaftlichste Fest, das die südbadische Kultur zu bieten hat: die Fasnacht.


Ich vermute, da stecken überhebliches Hipstertum und falsche Coolness dahinter. Dabei gibt es doch so viele großartige Kostüme (warum nicht als Grumpy Cat, Einhorn oder Panda gehen?), und was könnte cooler sein, als Menschen zu begegnen?

Egal, wie sehr sich die Freiburger Zünfte engagieren: So richtig kommt das Fasnets-Gefühl in der Stadt nicht auf. In den Läden gibt es keine Dekorationen, eigentlich coole Clubs und Bars hängen stolz “Für Hästräger verboten!”-Schilder auf, Arbeitgeber verbieten Arbeitnehmern, am Schmutzige einen lustigen Hut (bevorzugtes Wort ist eigentlich ‘Narrekapp’) aufzusetzen. Das ist Fasnets-Boykott. Die Fasnet wird als Bauernkultur abgetan, und man lästert in Hochdeutsch darüber, wenn ein Hästräger klirrend an einem vorbeiläuft.

Immerhin ist der Rosenmontag in Freiburg ganz okay. Der Umzug ist schön organisiert und am Straßenrand stehen Wiehremer Bildungsbürger (leider unkostümiert) neben Haslacher Ghettokids (immerhin mit Sprühfarbe in den Haaren und irgendwelcher Farbe im Gesicht) und langen nach Gutzele. Der Zug ist echt ein Highlight, und wenigstens dauert die Straßenfasnacht danach meistens fast eine halbe Stunde.

Wie gut, dass sich manche Wirte erbarmen und eine Rosenmontagssause anbieten - aber meist dann wohl doch aus kommerzieller, nicht kultureller Motivation. Dabei ist die Fasnet doch ureigenstes badisch-alemannisches Kulturgut, und nicht zwangsläufig wie der Ballermann. Und warum macht eigentlich niemand eine Hipster-taugliche Fasnetsparty? Wo ist die badische Lebensfreude?

Freiburg sollte was von den Rheinländern lernen: Da feiern alt, jung, arm und reich gemeinsam. Nachbarn lernen sich kennen und singen Lieder. Irgendwann küsst man dann fremde Menschen in der Kneipe und freut sich der Welt.

Ich wünsche mir für die Fasnet mehr Miteinander, mehr Ausgelassenheit, mehr Stock-aus-dem-Arsch (Stock us 'em Fidle!), mehr Weinschorle, mehr Schenkele, weniger Augenrollen vor Hästrägern, mehr südbadisches Selbstverständnis. Liebe zu Stadt und Region beinhaltet meiner Meinung nach auch Liebe zur Tradition - und da gehört die Fasnet einfach dazu. Und jetzt alle: Narri! Narro!



Zur Person

Unser enttäuschter anonymer Narr ist 31 Jahre alt und ein Bobbele mit Elztal-Verwandschaft. Am Freitag geht er auf den Kripoball, am Samstag auf den Ball Verqueer und am Montag auf den Umzug. Und er wünscht allen fudder-Leserinnen und -Lesern eine glückselige Fasnet!

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[Symbolbild: © Eugenio Marongiu - Fotolia.com]