Meine Meinung: Freiburg, sogar Lörrach genehmigt jetzt Technopartys!

Tamara Keller

Der Gemeinderat in Lörrach hat beschlossen, dass dort pro Jahr je zwei Technopartys an drei verschiedenen Locations stattfinden dürfen. Warum klappt so etwas in Freiburg nicht? Fragt fudder-Autorin Tamara Keller.

Es ist ein kleiner Schritt. Aber es ist ein Anfang, denn es ist ein Aufeinanderzugehen: Je zwei Technopartys im Jahr erlaubt der Lörracher Gemeinderat an drei verschiedenen Orten zwischen Lörrach und Brombach: Unter der Autobahnbrücke, in der Hugenmatt und bei der Textilfabrik Lauffenmühle.


Mit dieser Geste hat Lörrach aber einen großen Schritt mehr getan als Freiburg. Denn Lörrach zeigt sich bereit, Kompromisse einzugehen. Das Signal, welches die Stadt sendet: Wir nehmen die Anliegen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ernst. Wir versuchen, ihnen Raum zu geben in einer Gesellschaft, die immer mehr altert. Wir haben Vertrauen. Die Stadt Freiburg handhabt die Situation restriktiver.

Eine spontane Party ist nahezu Utopie

Das Lautstärkeproblem ist hier, so mein Eindruck, bisher immer nur einseitig angegangen worden – und zwar immer zu Gunsten der Anwohner. Zum Beispiel ist da das Ruefetto, in dem Tanzveranstaltungen mit Livemusik oder Discjockeys nicht mehr erlaubt sind. Oder die Polizeiverordnung, die verbietet, elektronisch verstärkte Musikinstrumente und -geräte und Lautsprecheranlagen im Wald und auf der Wiese zu benutzen. Setzt sich jemand über dieses Verbot hinweg, muss er mit einer Buße von 2.500 bis zu 10.000 Euro rechnen. Eine spontane Party im öffentlichen Raum ist dadurch nahezu Utopie.

Diese Einseitigkeit erweckt den Anschein, als würde eine Stadt wie Freiburg die Bedürfnisse von jungen Menschen und leidenschaftlichen Partygängern nicht ernst nehmen. Denn jede Fasnachtsveranstaltung, jeder Dorfhock und jedes Weinfest im Stadtinneren erhält doch wesentlich einfacher eine Genehmigung als eine Party im Wald, weit ab vom Schuss. Alles scheint genehmigungsfähiger zu sein als Partys im Freien, Subkultur oder Bars und Clubs, in denen es auch mal zu später Stunde laut werden kann. Freiburg gibt jungen Menschen keinen Raum. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

Der Weg in Lörrach ist immerhin ein Anfang

Obwohl der Ortschaftsrat Brombach, dessen Anwohner die Partys am meisten betreffen, sich einstimmig gegen die Erlaubnis aussprachen, sprach sich der Gemeinderat Lörrach schlussendlich dafür aus.

Der Kompromissweg in Lörrach ist zwar sehr beschränkt, denn auch hier gibt es viele Auflagen, aber immerhin ist es ein Anfang: Zwischen den Veranstaltungen an einem Ort müssen mindestens vier Wochen liegen. Für die Sicherheit und die Infrastruktur müssen die Veranstalter sorgen. Die Musik muss immer zu einer bestimmten Zeit abgestellt werden und deren Lautstärke richtet sich nach den allgemeinen Bestimmungen der Freizeitmusik.




Beide Parteien bemüht, aufeinander zuzugehen

Am vergangenen Samstag durfte sie somit den Pegel von 70 Dezibel nicht überschreiten, was einem Schrei oder den Geräuschen eines Fernsehers entspricht. Zudem müssen zwei mobile Toiletten aufgestellt und die Anwohner rechtzeitig informiert werden.

Die IG Musikkultur, die am vergangenen Samstag die Technoparty unter der Autobahnbrücke organisierte, fügte beim Informationsflyer sogar eine Telefonnummer hinzu, unter der sie die Anwohner jederzeit erreichen konnten. Ein weiteres Zeichen, dass beide Parteien bemüht, sind aufeinander zuzugehen.

Freiburg: Zieh’ nach!

Auch wurden in diesem Jahr die Lautsprecher so aufgestellt, dass die Musik nicht in die Richtung der Anwohner, sondern gen Gewerbepark schallte. Ein Anwohner nutzte die Telefonnummer am nächsten Tag, um die Veranstalter für ihre Rücksichtnahme zu loben.

Lörrach macht vor, dass alles mit Kompromissen funktionieren kann – wenn die Erwachsenen, die die Lokalpolitik stemmen, darauf einlassen. Freiburg es ist Zeit, dass du nachziehst und auf beide Seiten zugehst.

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