Meine Meinung: Freiburg braucht das neue SC-Stadion

Ralf Fees

Der Sportclub braucht ein neues Stadion - allein schon, um konkurrenzfähig zu bleiben, findet fudder-Autor Ralf Fees. Warum er etlichen Stadion-Gegnern Doppelmoral und Verlogenheit vorwirft:



Ich habe mein Kreuzchen schon gemacht. Im Wahlamt am Fahnenbergplatz habe ich für ein neues Stadion gestimmt. Denn es ist höchste Zeit, dass dieses Stadion gebaut wird. Ich bin es fast schön müde, die ganzen Argumente aufzuzählen.


Das Dreisamstadion ist schlicht und einfach marode. Das Spielfeld ist zu klein und entspricht nicht den DFB-Regularien. Die Spielgenehmigung wird seit Jahren nur als Ausnahme erteilt - das verdankt der SC Freiburg mit ziemlicher Sicherheit der Tatsache, dass der Verein topseriös geführt wird und schuldenfrei ist; jemanden, der sich so vorbildlich verhält, will man ja nicht wegen ein paar fehlenden Spielfeldmetern verstoßen.

Dabei es ist ja nicht nur das Spielfeld. Die Sicht für die Fans wird durch Stützen beeinträchtigt, darunter leidet auch das Fernsehen. Und vom sprichwörtlichen Käfig für die Gästefans will ich gar nicht erst anfangen, denn der ist unwürdig und peinlich. Die Fluchtwege sind eng, die Toiletten sind garstig.

Die Verkehrssituation ist eine Katastrophe. Die Straßenbahnen vor einem Match sind hoffnungslos überfüllt – auch wenn die Freiburger Verkehrs AG sich alle Mühe gibt dem Ansturm Herr zu werden. Der Straßenverkehr Richtung Osten bricht schon bei der Einfahrt FR-Mitte zusammen, am Dreisamufer kollidieren Radler, Jogger und Fußgänger.

Im Stadion selbst ist die Infrastruktur so bescheiden, dass man es ganz genau timen muss, wann und wo man sich mit Speis und Trank versorgt oder wie viele Stunden vor Anpfiff man auf den Rängen sein muss, damit auch die Tochter, die zwei Köpfe kleiner ist, etwas vom Spiel sehen kann. Es macht wirklich keinen großen Spaß seine Zeit dort zu verbringen und nur die Liebe zum Verein und zur Fußballtradition lässt den Fan dorthin pilgern.

Die Stadiongegner verbreiten Lügen

Dem Verein selbst fehlt im alten Stadion jegliche professionelle Vermarktungsmöglichkeit – angefangen von miserabler Arbeitsmöglichkeit für die Medien bis hin zu Einnahmemöglichkeiten im höheren Preissegment wie Businesslogen, Merchandising, gehobenes Catering und so weiter. Also fehlen dem Verein dadurch Umsätze, die man brauchen könnte um das Gehaltsverfüge der Spieler so anzupassen, dass man sie nach einer guten Saison auch mal im Verein halten kann und sie nicht abgeben muss. Konkurrenzfähigkeit!

Dieser Stadionneubau wird in Freiburg so dringend gebraucht, dass auch Anhänger anderer Sportarten wie zum Beispiel Eishockeyfans, Hand- und Basketballer sowie Tennisspieler et cetera die Notwendigkeit sehen und unterstützen, obwohl in ihren eigenen Sportarten auch nicht alles golden glänzt. Es geht um ein zeitgemäßes, modernes Fußballstadion, in dem ein bundesweit beliebter, anerkannter und attraktiver Bundesligist seiner Tätigkeit nachgehen kann.

Wer von einem goldenen Tempel oder einer Luxusarena spricht, hat entweder keine Ahnung von der Materie oder ist ein entschiedener Gegner des Neubaus. Von denen argumentieren mittlerweile etliche weit unter der Gürtellinie. Das Ausspielen diverser Sportarten gegeneinander ist da noch das Wenigste.

Beim Verbreiten von Unwahrheiten und Lügen sieht die Sache dann schon ganz anders aus. Es ist davon die Rede, dass die Rettungshubschrauber nicht mehr landen könnten – eine infame Lüge. Das Pleitegespenst wird in allen Farben ausgemalt, dass man denken könnte, es müssten Kindergärten und Schulen geschlossen werden um das neue Stadion zu finanzieren.

SC und Flieger werden sich arrangieren

Sogar Missstände an der Universität werden ins Feld geführt – dabei ist dafür das Land zuständig und nicht die Stadt. Aber wer sieht da im Eifer des Gefechtes schon so genau hin. Und ganz bitter wird es, wenn die Mooswälder um ihre Ruhe und intakte Umwelt fürchten. Zum Shoppen und unterhalten kann man ganz prima in die Stadt fahren, aber ganz sicher nicht mit Bus und Bahn.

Warum auch? Es stehen doch zu einem Großteil zwei schöne, große Autos in der Garage. Da passen dann die ganzen Einkäufe gleich gut hinein. Ach, das bisschen Umwelt! Nein, das ist alles doppelmoralisch und verlogen und soll die Bürger, die nicht mit der Materie vertraut sind, verunsichern.

Pfui Teufel, sag‘ ich da. Die einzigen, die sich wirklich mit konkreten Veränderungen auseinandersetzen müssen, sind die Flieger. Und diese werden sich mit dem Sportclub arrangieren – da bin ich mir sicher. Genauso wie ich mir sicher bin, dass der SC in Zusammenarbeit mit der Universität und der Green City Freiburg ein Klimaneutrales, ästhetisches Stadion bauen wird, welches diverse ökologische Gesichtspunkte berücksichtigen wird!

Zur Person



Ralf Fees betreibt in Freiburg Studio für Body-Modification. Der 48-Jährige ist Fan des SC Freiburg.


Mehr dazu:

  • Badische Zeitung: Warum der Sportclub (k)ein neues Stadion am Flugplatz braucht
[Fotos: Ingo Schneider, Michael Bamberger]