Ballon d’Or

Meine Meinung: Es reicht mit dem Sexismus im Fußball

Tamara Keller

Ada Hegerberg hat, was noch keine Frau vor ihr hatte: den Ballon d’Or, eine der höchsten Auszeichnungen im Profifußball. Doch bei der Preisverleihung am Montag wurde sie auf der Bühne von DJ Martin Solveig sexistisch beleidigt.

Stell dir vor, du bist Profifußballerin. Nein nicht nur Profifußballerin, du bist eine der Besten auf der Welt. Und dann wird dein großer Moment deiner Karriere von einem Mann mit einem sexistischen Kommentar zerstört. Genau das ist Ada Hegerberg passiert.


Am Montagabend bekam die Spielerin der Norwegischen Fußballnationalmannschaft und des französischen Clubs Olympique Lyon eine der höchsten Trophäen im Fußball verliehen: den Ballon d'Or. Und es reicht nicht, dass diese Auszeichnung wirklich eine große Ehrung ist. Nein, sie ist die erste Frau der Welt, die das französische Fußball-Magazin "France Football" mit diesem Preis auszeichnet. Den Ballon d' Or gabs zuvor nur für die besten des Männerfußballs.



Nachdem die 23-Jährige in ihrer Siegerrede davon sprach, was für ein Fortschritt diese Auszeichnung für den Frauenfußball sei und ihre Rede mit den Schlussworten "An alle jungen Mädchen auf der Welt. Bitte glaubt an euch selbst!" endete – zerstörte der Moderator und französische DJ Martin Solveig den Moment, der einzig und allein der Top-Stürmerin gehören sollte: "Weißt du wie man twerked?" Beim Twerk handelt es sich um eine spezielle Tanzart, bei dem schnell mit dem Po hin und her gewackelt wird. Hegerberg reagierte souverän und antwortete mit "Nein!" und wendete sich von dem Moderator ab. Ihr Moment vor laufender Kamera, war trotzdem zerstört.

Gleichberechtigung im Sport im Jahr 2018? Pustekuchen! Auch hier gilt #metoo und #aufschrei. Die Bedingungen für Frauen im Fußball sind erbärmlich. Wer will sie noch hören diese Stimmen, die einem erzählen wollen, Frauen im Fußball seien nicht wichtig? Ihr braucht es nicht sagen, wir sehen es. Ungleichheit herrscht in diesem Sport überall: Das gilt sowohl für weibliche Fans als auch für Spielerinnen. Am vergangenen Wochenende hoben die Fans von Dynamo Dresden beim Zweitliga-Spiel gegen den FC St. Pauli ein Banner hoch mit der Aufschrift: "Ihr müsst heute Abend Hungern. Weil Eure Fotzen mit Euch im Block rumlungern."Sexismus auf dem Silbertablett serviert.

Erst kürzlich musste die erste Frauenmannschaft des FC Basel beim 125-jährigen Jubiläum des Vereins Tombola-Lose verkaufen.Während die Männermannschaft ein Dreigänge-Menü zum Anlass genossen – die Frauen wurden in den Nebenraum gebeten und mit belegten Brötchen versorgt. Oder die Frauen des VfL Wolfsburg: Die mussten in der Saison 2016/2017 zu Liebe der Männer ihre wohlverdiente Meisterfeier absagen – weil diese sich im Abstiegskampf befanden. Man stelle sich vor, es wäre andersrum. Dieses Gedankenspiel ist unmöglich, denn das ist reine Utopie!



Wie sollen junge Mädchen in unserer Gesellschaft an sich glauben, wenn uns die Männer bei jedem möglichen Anlass folgendes vermitteln: Du kannst so gut sein wie du willst. Du kannst so hart arbeiten für deinen Erfolg, wie du willst. Du kannst mit deinem Club im Jahr 2018 die Champions League gewinnen, die französische Meisterschaft holen und 31 Tore für deinen Verein erzielen. Du kannst die Beste sein – wie Ada Hegerberg – aber am Ende bist du nur eine Frau, die mit dem Arsch wackeln soll.
Ada Hegerbergs Danksagung

Bevor Ada Hegerberg bei der Preisverleihung des Ballon d'Or sexistisch beleidigt wurde – hat sie eine Rede gehalten, in dem sie junge Mädchen dazu aufrief, an sich selbst zu glauben. Wir veröffentlichen sie, damit Hegerbergs Erfolg im Mittelpunkt steht – und nicht Sexismus.

"Ich habe keine Worte dafür. Das ist unglaublich. Das ist ein großer Moment für mich. Ich möchte damit beginnen, mich bei meinen Mannschaftskolleginnen zu bedanken, weil das hier, wäre ohne euch niemals möglich gewesen. Danke! Vielen Dank an die Mitarbeiter von meinem Club Olympique Lyon. Vielen Dank auch an einen bestimmten Mann: unseren Präsidenten Jean-Michel Aulas. […] Danke an alle, Danke für alles was sie was sie für den Frauenfußball tun. Sie sind ein Beispiel für alle. Jetzt möchte ich meinem Verlobten Danke sagen, der mich unterstützt. Ich möchte mich bei meiner ganzen Familie bedanken, die hier ist. Danke euch, meine Mama, mein Papa, meine Schwester und mein Bruder – ich liebe euch so sehr. Ich will euch so sehr danken für die Unterstützung, die ihr mir gebt. Und dann möchte ich dem französischen Fußball danken, diese Möglichkeit und Unterstützung zu haben. Das ist eine große Auszeichnung für den Frauenfußball. Das ist so wichtig für den Frauenfußball und zusammen werden wir einen Unterschied machen. Ich würde gerne diese Rede mit folgenden Worten beenden: An alle jungen Mädchen auf der Welt. Bitte glaubt an euch selbst!"