Meine Meinung: E-Sports sollte in Deutschland als Sport anerkannt werden

Moritz Kraus

Fifa, Dota, WoW: E-Sports wird immer populärer, selbst in Deutschland füllen große Veranstaltungen schon Fußballstadien. fudder-Autor Moritz Kraus ist das aber nicht genug. Er fordert: Professionelles Zocken muss genau wie Schach endlich als Sportart anerkannt werden.



Kreischende Mädchen brechen hysterisch zusammen, Jungs springen von ihren Sitzen auf und jubeln. Eine Laola-Welle geht durchs Stadion. Sprechchöre erhallen aus den Fankurven und Klatschschläuche werden aneinandergeschlagen. Die Rede ist hier nicht von einem Bundesligaderby, sondern von der Starcraft-Weltmeisterschaft in Südkorea. In Asien ist das eben ganz normal: E-Sports-Events ziehen Millionen Menschen an, Online-Matches laufen im Fernsehen und Profi-Gamer werden wie Superstars behandelt. So einen Hype gibt es in Deutschland höchstens bei einer Fußballweltmeisterschaft.


Ich frage mich, warum das so ist. Fehlt den Deutschen einfach diese gewisse Akzeptanz für Technologie? Oder warum fällt in der Öffentlichkeit, wenn von Gaming die Rede ist, immer das Wort "Killerspiel"? Ich finde, dass man E-Sports auch in Deutschland ernst nehmen sollte. Oder wenigstens sollte man es als Sportart anerkennen. Der Deutsche Olympische Sportbund hat allerdings etwas dagegen. Laut einem offiziellen Statement fehle dem Gegeneinander-Gamen die "eigenmotorische Aktivität". Da fragt man sich doch: warum ist Schach dann eine anerkannte Sportart? Die Begründung: Es ist Tradition. Wenn zwei Menschen im Digitalzeitalter vor einem Brett sitzen und gegeneinander spielen, wird das respektiert. Wenn sie es mit Computern tun, aber nicht?

Vielleicht muss sich e-Sports in unserer Gesellschaft erst noch durchsetzen. Meiner Ansicht nach hat es das aber schon. Bei einem Teil zumindest. Denn wer im Alter von 12-30 hat denn noch nie Fifa, Battlefield oder League of Legends gespielt? Fast niemand. Mir ist klar, dass stundenlanges Computerspielen schädlich für die Augen und den Rücken sein kann, aber täglich sitzen Millionen Menschen in deutschen Büros vor Bildschirmen.

Ich bin der Meinung, dass in Zeiten, in denen die Kanzlerin Facebook nutzt und man politische Themen mittels Hashtag diskutiert, taugen Maus und Tastatur auch als Sportgerät. Gaming interessiert viele Menschen und Gaming auf hohem Niveau sollte man deshalb erst recht den nötigen Respekt zollen. Denn auch ein E-Sportler muss an seinen Skills feilen und diszipliniert trainieren. Koordination, Reaktionsschnelligkeit und Kommunikation sind gefragt - wie bei allen Teamsportarten. Wer das nicht glauben will, sollte sich die Dokumentation "Free to Play" von Valve ansehen.

Mich regt es auf, dass die Öffentlichkeit diese Szene und ihre Mitglieder ins negative Licht rückt, anstatt sich zum Beispiel darüber zu freuen, dass in Deutschland mit der Gamescom die weltgrößte Messe für Unterhaltungselektronik stattfindet. Ich kann es nicht verstehen, wie sich Teile der Gesellschaft derartig vor diesem Phänomen verschließen. In über 60 Ländern wird e-Sports schon als echte Sportart anerkannt, die USA haben sogar vor kurzem einem Pro-Gamer ein Spitzensportler-Visum erteilt. Jetzt ist so langsam auch mal Deutschland am Zug. Wenn doch so viele Menschen für eine Sache schwärmen und ihre Freizeit damit verbringen, anderen Leuten beim Zocken statt beim Kicken zuzuschauen, warum sagt dann nicht endlich mal ein Politiker: "Ja, das hat auch seine Berechtigung." Ich hoffe sehr, dass es bald dazu kommt. Veranstaltungen wie die ESL One im Juni in Frankfurt wären perfekt dafür. Vor über 50.000 Leuten werden zehn Leute Dota gegeneinander spielen - auch in einem Fußballstadion.

Die Gamer-Community wächst und wächst. Bis es aber soweit ist, dass in deutschen Kinderzimmern Poster von "Fatal1ty", "johnnyR" oder "Dendi" anstatt von Schweini oder Poldi hängen, wird es wohl noch eine Weile dauern. Ich möchte hiermit einfach sagen: Setzt euch endlich mal damit auseinander. Es müssen ja nicht gleich Gaming-Events ins Fernsehen übertragen werden, aber ein wenig mehr Respekt für diesen Sport wäre schön. Kkthxbye.

Zur Person



Moritz Kraus, 23, studiert Geschichte und Germanistik an der Uni Freiburg. Er war Praktikant bei fudder und der Badischen Zeitung. In seiner Freizeit treibt er mit Bodybuilding, Basketball und Dota sowohl körperlichen, als auch virtuellen Sport. Von 2007 bis 2010 bis hat er selbst professionell World of Warcraft gespielt und ist E-Sports seitdem als Zuschauer treu geblieben.

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[Foto 1: dpa, Foto 2: privat]