Meine Meinung: Diese ganzen Uni-Rankings sind total willkürlich

Felix Klingel

Es gibt wieder mal ein Uni-Ranking und die Uni Freiburg schneidet dabei ganz ordentlich ab. Doch unser Autor hält nicht viel von diesen Rankings. Er meint:Hochschulen sind komplexe Gebilde, die sich nicht in einer Art Bundesligatabelle messen lassen.

Und jährlich grüßt das Murmeltier: Wieder einmal ist ein neues Uni Ranking herausgekommen und wieder einmal ist Freiburg unter den Spitzenuniversitäten. Tolle Studienbedingungen, exzellente Forschung, ein hochkarätiger Standort. Ja, sowas schreiben sich Uni und Stadt natürlich gerne auf die Fahnen.


Blöd nur, dass diese ganzen Hochschul-Rankings ziemlich willkürlich ablaufen. Über die Vorgehensweise der Rankings halten sich die Macher teilweise bedeckt, die Daten und die genauen Methoden sind manchmal nicht öffentlich.

Kritikpunkte an den Rankings gibt es zuhauf

Das bekannteste Ranking kommt vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Das veröffentlicht zwar seine Methodik, doch auch hier gibt es Kritik: Die Stichproben seien zu klein, es gebe erhebliche Datenlücken oder externe Professoren bewerten eine ihnen fremde Uni. In Deutschland enthielten sich deswegen schon mehrfach einige Fächer oder Standorte dem Ranking.

So entschloss sich die Uni Bonn im Jahr 2009, nicht mehr dabei zu sein – wegen Zweifel an der Methodik (Inzwischen machen sie wieder mit). 2010 fehlten über ein Dutzend Standorte im Fach Geschichte, weil diese sich weigerten, mitzumachen. Im Jahr 2012 gab es in der deutschsprachigen Soziologie eine große Diskussion über das Ranking – am Ende empfahl die Deutsche Gesellschaft für Soziologie nicht mehr daran teilzunehmen. Die Freiburger Soziologen folgten der Empfehlung.

Ein Ranking nutzloser als das andere

So viel also über ein Ranking, zu der die Vereinigung Europäischer Hochschulen laut einem Zitat von der ZEIT einmal sagte: "Das vom CHE benutzte System zur Bewertung von Hochschulen ist vermutlich das beste verfügbare Modell in der Welt der Hochschulbildung." Das ist das beste Modell? Wie sieht es dann bei den anderen aus?

Richtig: nicht besser. Beim aktuell veröffentlichten Ranking, dem sogenannten "Shanghai-Ranking" von der Jiaotong-Universität aus Shanghai werden die Unis an gerade einmal sechs Indikatoren gemessen. Dazu zählt etwa, wie viele Forscher von einer Uni schon einen Nobelpreis bekommen haben. Dabei zählen Nobelpreise bis zum Jahr 1911 zurück. Hat eine Uni vor 100 Jahren also einige Nobelpreisträger bei sich beheimatet und seitdem für die Forschung keinen Finger krumm gemacht, stehen sie immer noch recht passabel da. Es gab ja mal Nobelpreisträger. Vor 100 Jahren!

Die Universität ist kein Unternehmen

Doch bevor wir uns hier im Klein-Klein der Methodik verlieren: Es geht doch um etwas ganz anderes. Hochschulen sind komplexe Gebilde, deren Leistungen in Forschung und Lehre sich nicht in einer Art Bundesligatabelle abbilden lassen. Eine Hochschule ist eben kein Unternehmen, bei dem mit Controlling und Zahlenvergleicherei der Erfolg gemessen werden kann. Das ist auch nicht die Idee, die hinter der Universität stecken sollte, auch wenn mit der Bologna-Reform die Uni immer weiter hin zu einer Wettbewerbs-Ökonomie gedrängt wird.

Übrigens: Die Gesellschafter des CHE-Ranking sind die Hochschulrektorenkonferenz und die Bertelsmann-Stiftung. Die gibt sich zwar politisch neutral, ist aber immer mal wieder durch Wirtschaftsnähe und Neoliberalität aufgefallen. Just sayin'.

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