Meine Meinung: Die UB soll ihren nächtlichen Betrieb einstellen

Laura Wolfert

Der nächtliche Betrieb der UB kostet eine Menge Geld – und zwar 290.000 Euro pro Jahr. Das Geld kann man sparen, findet fudder-Autorin Laura Wolfert. Denn: Keiner lernt nachts wirklich in der UB.

Ein Uhr nachts, vierter Stock UB, Klausurenphase: Durch den Körper fließt eine Mischung aus Kaffee und Energie-Drinks. Die Karteikarten gleiten durch die Finger. Der Kopf pocht. Der Gesprächspartner: eine Tischlampe. "Ich schaffe das nicht, ich schaffe das nicht!", zischt man ihr zu. Und dann im Hintergrund diese Geräusche. Knutscht da etwa jemand zwischen den Bücherregalen von Hegel und Heidegger?


Keiner lernt nachts in der Universitätsbibliothek. Damit ist gemeint: Keiner lernt wirklich etwas. Denn die Körper von Studierenden sind dazu konzipiert, nachts durch die Bars zu ziehen und sich Joster im Überfluss zu gönnen. Oder auf Netflix die nächste Serie anzufangen. Nachts sollte man den Kopf abschalten. Wer nicht feiert, der ruht sich aus, oder schläft. Wer seine Zeit dann noch in der UB verbringt, macht sich nur verrückt. Oder – so glaubt man den Jodel-Posts - versucht ein heimlichen Techtelmechtel.

Nur 30 bis 90 Studierende

Der Tag hat 24 Stunden. Jeder Studierende hat somit mehr als genügend Zeit, die Nase in Bücher zu stecken, Karteikarten zu schreiben und Lernvideos anzuschauen. Doch lernt niemand 24 Stunden. Man schläft, isst und duscht zwischendurch. Somit muss auch die UB keine 24 Stunden geöffnet haben. Nachts, wenn am wenigsten los ist, sollte sie für wenige Stunden ihre Drehtüren schließen. Denn nach Mitternacht halten sich in der UB je nach Prüfungs- und Semesterzeit nur noch zwischen 30 und 90 Studierende auf.

Ich höre sie meckern: "Wir können nachts aber besser lernen!" Ich sage: Lernt in eurem Zimmer! Denn nach Mitternacht wird man – egal ob WG oder Eigenheim – nicht abgelenkt. Die UB als Zufluchtsort vor nervigen Mitbewohner oder Krach ist demnach überflüssig. Die Karteikarten kann man auch leise in seinem Zimmer aufsagen – die Mitbewohner schlafen sowieso. Und sollte es ausnahmsweise doch lauter werden: Kopfhörer auf, oder redet mit ihnen.

Andere Studierende überleben ohne nächtliche Öffnungszeiten

Wer meint, dass in der UB aber die Bücher sind, die man unbedingt für das Lernen braucht, der soll sich die jeweiligen Seiten kopieren. Oder er hat die Möglichkeit, zu einer anderen Zeit die UB zu besuchen. Es gibt weitere Möglichkeiten zu lernen, wenn die UB geschlossen ist. Wer etwas anderes behauptet, sucht lediglich eine Ausrede. Schließlich haben in Baden-Württemberg außer der UB Freiburg nur zwei Unibibliotheken durchgehend geöffnet: die in Karlsruhe und Konstanz. Andere Studierende überleben ihre Nächte demnach auch ohne ihre geliebte UB.

Fakt ist: Für gerade mal 30 bis 90 Studierende ist es zu teuer, extra nachts zu öffnen. Außerdem ist die Frage, wer davon wirklich effektiv lernt. Wer sich einbildet, Geknutsche zu hören, oder anfängt, mit seiner Lampe zu reden, der sollte auf Kaffee und Energy-Drinks verzichten. Oder schlafen gehen. Lange.

Mehr zum Thema: