Meine Meinung: Das Freiburger Frauennachttaxi ist eine Fehlkonzeption

Laura Wolfert

Nach 20 Jahren wurde am 10. Dezember 2017 das Frauennachttaxi wiedereingeführt – und mit 60.000 Euro von der Stadt unterstützt. Doch im ersten halben Jahr wurde das Angebot nur knapp 40 Mal genutzt. Denn genau dann, wenn man das Taxi braucht, fährt es nicht.

Warum das Frauennachttaxi aktuell nicht genutzt wird – ein hypothetisches Beispiel

Mittwochnacht, drei Uhr. Eine junge Frau geht aus dem TIK, ehemals StuSie, bei dem Studentenwohnheim am Seepark. Wie fast jeden Dienstagabend findet hier die Dejavu-Party statt. Das Problem: Die Bahnen fahren unter der Woche erst ab 5.30 Uhr, die Frau wohnt im Stadtteil Landwasser und ihr Fahrrad ist gerade in der Werkstatt. Zu Fuß muss sie über eine halbe Stunde laufen. Jetzt ist sie auf das Frauennachttaxi angewiesen. Doch das fährt nur "Auf der Zinnen" nahe des Siegesdenkmals ab. Bis dahin sind es 42 Minuten Fußweg – noch länger als ihr eigentlicher Heimweg. Nachts nach Hause zu laufen ist ihr aber zu unsicher, deshalb bestellt sich die junge Frau ein normales Taxi für 13 Euro – fünf Euro teurer, als das Frauennachttaxi.

Was sind die Probleme?

Das hypothetische Beispiel zeigt: Das gut gemeinte Angebot verfehlt seinen Zweck – nämlich den, Frauen günstig und sicher nach Hause zu bringen. Das Frauennachttaxi fährt lediglich Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag jede Stunde von 0 bis 4 Uhr, zusätzlich an Feiertagen. Am Wochenende fahren die Straßenbahnen nachts aber jede halbe Stunde – nur unter der Woche nicht. Genau dann wäre das Frauennachttaxi sinnvoll. Zudem fährt es nur in Freiburger Stadtgebiete. Frauen aus Merzhausen und Gundelfingen können es nicht nutzen.

Die derzeitige Anlaufstelle ist außerdem zu abgelegen, wobei die Taxis demnächst direkt bei der Haltestelle Siegesdenkmal stehen sollen. Der Zweck eines Taxis ist es, den Fahrgast vor Ort abzuholen. Weil man schnell nach Hause möchte, wegen Unwohlsein auf dem Nachhauseweg oder einer akuten Notsituation.

Das Frauennachttaxi ist zudem mit sieben Euro zu teuer. Eine Fahrt mit dem Sammeltaxi, das an Endhaltestellen der Straßenbahnen steht, kostet weit weniger als sieben Euro. Das Problem: hier können wieder männliche Fahrgäste mit einsteigen.

Wie funktioniert das Frauennachttaxi in anderen Städten?

Deutlich besser. So schreiben die Stuttgarter Nachrichten, dass durchschnittlich zehn Frauen am Tag das Frauennachttaxi nutzen würden – Stand 2016. Seit 22 Jahren bieten die Stuttgarter Straßenbahnen das Frauennachttaxi an. Bereits ab 20 Uhr kann es jeden Tag genutzt werden. Dafür muss die Frau beim Straßenbahnfahrer lediglich 15 Minuten vorher Bescheid geben, wann sie aussteigen muss. An 50 Haltestellen holen die Taxis die Frauen dann ab, die Fahrt wird mit fünf Euro von der SSB unterstützt.

In Heidelberg kostet eine Fahrt wie in Freiburg sieben Euro. Der Unterschied: Die gleiche Fahrtrichtung für zwei bis vier Nutzerinnen kostet nur einen Fahrschein. Die Kosten können somit geteilt werden. Die Fahrscheine für das Frauennachttaxi gelten zwischen 22 und 6 Uhr. Frauen ab 60 Jahren können das Angebot bereits schon ab 20 Uhr nutzen. Das Frauennachttaxi kann telefonisch bestellt werden und gilt für Wagen, die der Funktaxi-Zentrale zugehören. Zusteigen kann man entweder direkt an der Straße mit Nachfrage, ob das Frauennachttaxi-Ticket akzeptiert wird – oder an mehreren Halteplätzen.

In beiden Städten können Frauen das Taxi häufiger und einfacher nutzen. Es wird zudem hoher Wert darauf gelegt, Frauen nicht alleine warten oder laufen zu lassen. Doch genau das muss man in Freiburg, um das Frauennachttaxi überhaupt nutzen zu können. Eine Fehlkonzeption.

So kann das Frauennachttaxi funktionieren

Das Frauennachttaxi ist unter der Woche notwendig – weniger am Wochenende, wenn die Straßenbahnen durchfahren. Eine Haltestelle ist zu wenig – zudem liegt diese viel zu abgelegen. Das Taxi sollte abrufbar sein, die Frau sollte nicht erst weit laufen müssen, um das Angebot nutzen zu können. Praktikabler wäre es wie in Stuttgart, die Frauen pauschal zu unterstützen. Dann könnte man auf mehrere Taxidienste zurückgreifen – oder die Stadt müsste mehr Haltestellen anbieten.

Eine weitere Möglichkeit ist es , ein Frauennachttaxi bei Veranstaltungen, die außerhalb des Zentrums liegen, bereitzustellen. So findet während des Semesters jeden Dienstag die Dejavu-Party im TIK statt und im Sommer am Montag die tageins-Party im Waldsee.

Wird das Konzept der Freiburger Frauennachttaxis nicht geändert, wird es auch keine Frau nutzen. Denn der Sinn und Zweck sollte sein, Frauen sicher nach Hause bringen.

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