Meine Meinung: Das Artik muss in Schmitz Katze ziehen

Simon Waldenspuhl

Schmitz Katze ist insolvent, womöglich muss der Club zum Jahresende schließen. Wie geht es dann weiter? Stadtrat Simon Waldenspuhl erklärt im Gastbeitrag, warum er findet, dass das Jugendkulturzentrum Artik an der Haslacher Straße einziehen sollte.

Eine Frage, die zumindest den Gemeinderat in den letzten Monaten auf Trab gehalten hat, war die Standortsuche für das Artik. Da sich mir bei diesem Thema schon immer der Eindruck aufgedrängt hatte, dass das nur ein gewisser Kreis an Menschen um direkt Betroffene und jugendpolitische Klüngel des Gemeinderats in Freiburg erreicht hat, erstmal eine kleine Rekapitualtion der Ereignisse: Das Artik war ein Versuch, in Freiburg ein nichtkommerzielles Netzwerk für jugendliche KünstlerInnen, VeranstalterInnen, politische Gruppen et cetera zu etablieren. Das Angebot des Artik waren primär Räumlichkeiten unter der Tramhaltestelle Siegesdenkmal, die für kein oder wenig Geld in Anspruch genommen werden konnten.


Nachdem dieses für mehrere Jahre laufende Projekt aufgrund von prestigeträchtigen Stadtumgestaltungsmaßnahmen aus seinen Räumlichkeiten ausziehen mussten, gab es Schwierigkeiten, einen neuen Ort zu finden. Im Zuge dessen versuchte das Artik, Druck aufzubauen und öffnete seine Standortdiskussion für eine Debatte, die schon lange in Freiburg vor sich hinbrodelte und nun endlich breit und öffentlich geführt werden sollte.

Es ging dabei um die Frage, wie und an wen sich eine kommunale Förderung von Kultur richten solle, und um den Kampf um Räume für alternative, nichtkommerzielle Subkultur. Freiburg darf sich glücklich schätzen, eine große, quicklebendige und kreative Szene an Kulturschaffenden zu beherbergen, die auf den unterschiedlichsten Wegen, bei Nacht und am frühen Abend versucht, diese Stadt lebenswerter zu machen. Doch ohne die geeigneten materiellen beziehungsweise immateriellen Räume wird dieses Potential kaum ausgeschöpft.

" Das Artik kann zu einem Ort werden, mit dem man auch als Veranstalter nicht zwingend in einem rein kommerziellen Verhältnis stehen muss."


Denn die zerstörerischen Regeln des freien Marktes, in deren erdrückendes Korsett sich auch die sogenannte Subkultur zwängen muss, wenn sie ihren Fortbestand sichern will, ist schon oft zum Totengräber künstlerischer Freiheit geworden.

Mit dem Artik auf dem Gelände des Schmitz Katze, falls sich die Insolvenz als unabwendbar herausstellt, gäbe es endlich die Möglichkeit, diesen Problemen Paroli zu bieten. Das Artik sollte ein offener Verein sein, in dem sich jeder engagieren kann, der Lust und Zeit dafür hat. Es kann zu einem Ort werden, mit dem man auch als Veranstalter nicht zwingend in einem rein kommerziellen Verhältnis stehen muss, sondern größere Gestaltungsmöglichkeiten hat, und in dem dank städtischem Geld auch mal Austellungen, Konzerte oder Partys veranstaltet werden können, die nicht grundsätzlich übermäßige Profite abwerfen müssen.

Das Artik hatte in seinem letzten Standort diesbezüglich wohl einige Defizite, aus denen aber gelernt werden konnte. Als Fraktion kann ich versichern, dass wir den weiteren Weg des Artik kritisch begleiten werden und alles dafür tun werden, dass das Artik, falls es dort eine neue Heimat findet, auch seiner Aufgabe als Förderer der Sub- und Partykultur gerecht wird.

"Das Artik wird mehr sein als ein reiner Veranstaltungsort."

Ein weiterer kommerzieller Club wäre dem Freiburger Nachtleben sehr zuträglich. Ich wäre gespannt, was Jan Ehret aus einer solchen Chance machen würde. Doch auch er muss in erster Instanz sein finanzielles Überleben sichern. Dieser immanente Charakter der Sache selbst lässt eben nur einen eingeengten Spielraum.

Dennoch wäre ein neuer Club zuallererst auch ein wichtiges Signal im Kampf gegen das Clubsterben. Doch dazu sei eingeworfen, dass das europaweite Phänomen des Clubsterbens das Problem der fehlenden Räume in Freiburg nur verstärkt, nicht aber verursacht.

Des Weiteren wäre noch zu klären, wieso diese Clubs schließen müssen. Ich möchte hier zwei wichtige Aspekte hervorheben. Auf der einen Seite sind die jungen Menschen offenbar nicht mehr bereit, oft auszugehen und dafür Geld zu investieren, was daran liegt, dass die Vermarktung ihres Lebens auf dem Arbeitsmarkt immer komplexer wird, und so kaum noch Zeit für Kontrollverlust und Rausch bleibt. (Auch die in Freiburg hohen Mietpreise, beschränken das eh schon kleine Budget.)

"Das Artik ist die Chance auf einen Luxus, den es so in Freiburg kaum noch gibt."


Auf der anderen Seite stört den Clubbetrieb das lästige Problem der kompromisslosen Anwohnerschaft, die bei einer konservativ denkenden Stadtverwaltung auf offene Ohren trifft. Ob sich diese Probleme lösen lassen, wenn einfach neue Clubs aufmachen, ist fraglich. Ein wichtige Frage übrigens, da der Zuzug junger Menschen die kommunale Kasse der Industriewüste Freiburg maßgeblich mit neuem Kapital versorgt.

Das Artik wird also mehr sein als ein reiner Veranstaltungsort. Dort wird es Raum für Produktion, Vernetzung und Neues geben. Fundamental wird es sich von kommerziellen Etablissements durch eine offene demokratische Organisationsstruktur unterscheiden.

Letztlich ist das Artik die Chance auf einen Luxus, den es so in Freiburg kaum noch gibt: Ein größerer Veranstaltungsort, der sich partiell dem für Kreativität und Subkultur zerstörerischen Markgeschehen entzieht. Diese Chance würde ich mir nicht entgehen lassen wollen.


Zur Person

Simon Waldenspuhl sitzt für die Partei DIE PARTEI im Freiburger Gemeinderat als Teil der JPG-Fraktion. Mit der im Juni gegründeten "Interessensgemeinschaft Subkultur" setzt er sich für das Freiburger Nachtleben ein.