Meine Meinung: Beziehungen sind Unsinn, hört sofort damit auf!

Johanna Wagner

Der Frühling ist da und die Pärchen kriechen aus ihren Erdlöchern. Sie sitzen zu zweit auf Parkbänken und nehmen Singles die Plätze weg. Zeit für eine Hasstirade:



Neulich diskutierte ich mit meinen Mitbewohnern über Beziehungen. Alle meine Mitbewohner sind in Beziehungen, ich nicht. Warum? Weil ich besser bin. Es ist zu erahnen: Die Diskussion eskalierte, es flogen Bierflaschen und Tische. Ich bin auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Aber recht habe ich trotzdem.


Die Idee, dass man zu zweit glücklicher ist, ist ein törichtes gesellschaftliches Konstrukt. Religion wurde von Menschen erfunden, die Angst vor dem Tod haben. Rassismus wurde von Menschen erfunden, die Angst vor Fremden haben. Beziehungen wurden von Menschen erfunden, die Angst vor sich selbst haben. Ideologien dieser Art wollen geprüft werden. Veganer behaupten schließlich auch, nur Tofu würde glücklich machen.

Der Kombinationszwang

Im Laufe einer Beziehung kommen immer dieselben, abstoßenden Anwandlungen zum Vorschein. Immer. Es ist wie mit Gollum und dem Ring. Egal wie gut eure Vorsätze sind, ihr wollt euren Schatz. Der süße Smeagol macht Platz für den widerwärtigen Gollum.

Und dann diese Monogamie! Wer hat sich das eigentlich ausgedacht? Eure Brüste werden nicht straffer, eure Bärte nicht voller. Ihr werdet immer verbrauchter. Monogam können wir sein, wenn wir alt sind.

Die Kombination von zwei Menschen als Pärchen ist wie Weißwein und Sprudel. Oder Kaffee und Milch. Oder Bier und Limo. Getrennt voneinander hat jedes Getränk eine Existenzberechtigung. Einzeln getrunken machen alle Spaß. Zusammen ist es nur eine Verschwendung von Potential und Ressourcen. Ihre Persönlichkeit geht verloren. Kann man in die Tonne kloppen, macht weder wach, noch betrunken, noch schmeckt das nach irgendwas.

Es lebe die Langeweile!

Pärchen sind wie dicke, alte Katzen. Sie verfallen einer gefährlichen, bequemen Faulheit. Anstatt durch den nächtlichen Regen zu tanzen, sitzen sie auf der Heizung und lecken sich die Pfoten. Alles, was sie leisten, ist eine lebhafte Verkörperung des Begriffs 'Langeweile'.

Wie Hefeteig sind Pärchen übrigens auch. Sie liegen an einem geschützten, dunklen, warmen Ort und lassen sich gehen. Aus zwei Individuen wird ein klebriger Kloß. Sie gehen ungern raus, da ist es gefährlich, hell und kalt. Sie können ja auch keine Nachrichten lesen, sie müssen ihrem Partner beim dick werden zugucken und ihn dabei schön finden. Hände haben sie auch keine frei, sie müssen den ekelhaften Teigklops zusammenhalten.

Alles Weicheier

Weiter in diesem Vergleichsmodus: Eine Beziehung ist wie eine selbstgewählte Laktoseintoleranz. Und mit Verlaub, das ist eine sehr, sehr lustige Krankheit. Man setzt sich einer unnötigen Beschränkung aus. Es gibt viele, leckere Snacks. Alle mit Milch. Als Pärchen verweigert man sich der Auswahl. Man verträgt sie nicht mehr. Alles was beim Anblick einer großen Sahnetorte folgt, ist ein trauriges Abwinken. Probieren sie doch eine Portion Spaß, fangen sie an zu pupsen und müssen ganz schnell heim.

Ja, Pärchen sind auch wie Waldorfschulen. Sie sind verweichlicht. Hatten sie einen schlechten Tag, sagt ihnen der Partner, dass sie toll sind. Pärchen pusten sich ständig Puderzucker in den Po. Nur weil ein Partner findet, der andere mache seinen Job gut, kann er trotzdem gekündigt werden.

Wahrscheinlich hat der eine Partner aber gar keine Ahnung von dem Job des anderen. So werden sie immun gegen konstruktive Kritik. Zusammen tanzen sie ihren Namen um das Feuer ihrer Liebe. Dabei vergessen sie, dass die Welt sie nicht nach der Funktionalität ihrer Beziehung bewertet. Die Welt ist ein Arschloch, sie gibt Noten.

Selbstverständlich unselbstständig

Beziehungen sind wie ein selbstauferlegtes, körperliches Handicap. Pärchen werden auf eine ekelerregende Art unselbstständig. Manchmal gehen sie raus, um an einem Radler oder an einer Weißweinschorle zu riechen. Das können sie aber nicht allein und nicht lange tun, denn der Partner muss morgen früh raus.

Sie können nicht mehr allein heim laufen, nicht mehr allein duschen, sich nicht mehr allein mit Freunden treffen. Sie brauchen ihre Betreuer, die sie füttern, heimtragen, waschen und sie umdrehen, falls sie sich mal wieder wundgelegen haben, in ihrem Sumpf.

Pärchen sind Kleinkinder, sie verlieren auf Dauer ihre Fähigkeit, anständig zu sprechen. Sie hängen Verniedlichungspartikel an jedes Wort. Dann kann man sie nicht ernst nehmen. Sie sprechen miteinander, wie man mit Babys oder Hunden spricht. Das tun sie sogar beim streiten. Das lässt sie sehr, sehr, sehr dumm klingen. Man kann sie selbst in ihren wütendsten Momenten nicht mehr ernst nehmen. Hätte Bush Bin Laden 'Bin Lädchen' genannt, hätte irgendjemand Angst gehabt?

Spieleabend statt Party

Statt Partys veranstalten Pärchen Spieleabende. Dann bringt jeder einen Salat mit. Es wird stimmungsvolle Hintergrundmusik eingespielt und über Rezepte gesprochen. Oder über Babys. Man erzählt vom letzten gemeinsamen Urlaub. Man erzählt, wie gern man die Unterwäsche für den anderen wäscht. Oder wie gern man für den anderen in dieser Stadt bleibt.

Wie gern man für den anderen kein eigenes Leben mehr hat. Man redet über alte Zeiten und darüber, wie wild man damals war. Während sie äußerlich lachen, weinen sie tief in sich drinnen. Sie wünschten, sie könnten sich die Stöcke aus dem Hintern ziehen und damit ein Lagerfeuer machen. Gegen 22 Uhr muss je ein Partner ins Bett und man trägt sich gegenseitig nach Hause. Dort suchen sie ihre verlorene Persönlichkeit unter dem letzten Valentinstagsgeschenk.

Meine Mama sagt, irgendwann kommt jemand, den ich mehr liebe, als mich selbst. Ich bin immer sehr verwirrt, wenn sie das sagt. Geht das überhaupt? Ich persönlich bin vollkommen damit beschäftigt mich selbst zu lieben. Das macht mir Spaß. Es ist auch sehr praktisch, wenn man allein nach Hause gehen kann. Oder sprechen. Noch bin ich jung und fast ein bisschen schön.

Ich finde, man sollte erst ab 30 Beziehungen führen. Mir wurde mal gesagt, dass man dann erwachsen ist. Dann ist man ja eh langweilig. Gegen zu viel Erwachsensein hilft es bestimmt, zu sprechen wie ein Baby. Also genießt eure Schönheit und werdet dabei 30. Oder besser 40. Dann kann man immer noch in die Teigschüssel.

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[Foto: Piotr Marcinski]