Meine Meinung: Benutz bei Facebook Deinen echten Namen!

Konstantin Görlich

Facebook schaltet mal wieder Profile ab, die keinen echten Namen haben. Dafür steht der Konzern mal wieder in Deutschland in der Kritik. Zu Unrecht, findet fudder-Autor Konstantin Görlich. Warum die neue Klarnamensdebatte Augenwischerei ist:



Facebook schaltet zurzeit mal wieder verstärkt Profile mit Fake-Namen ab. Das berichten die Netzpiloten. Die Nutzer sollen gefälligst ihre echten Klar- (oder Künstler-)namen verwenden. So steht es in den Nutzungsbedingungen, so ist es mit irischem Datenschutzrecht (der Europa-Sitz von Facebook ist in Irland) vereinbar.


Und so ergibt es auch absolut Sinn. Wer glaubt, durch einen (meist nichtmal übermäßig witzigen) Fake-Namen oder einen hässlich zerstückelten Vornamen - eine Praxis, die sich besonders im fake-paranoiden Deutschland unerklärlicher Beliebtheit erfreut - irgendwie anonym unterwegs zu sein, irrt gewaltig - und lockt womöglich andere in dieselbe Falle. Die Illusion: gegenüber Facebook anonym sein, gegenüber den eigenen Freunden dort aber nicht. Was für ein Unfug!

Als ob ein Daten-Koloss wie Facebook sofort ins Wanken geriete und nicht mehr wüßte, wer hinter “Kon Stantin” steckte, sobald ich mich in selbigen umbenannte! Anhand der E-Mailadresse und vieler anderer Datenpunkte, nicht zuletzt der eigenen Position in den Verknüpfungen des eigenen Freundes-Netzwerks weiß Facebook doch ganz genau, welches Individuum hinter welchem Fake-Namen steckt.

Diese Fake-Maskerade sieht kacke aus!

Zur Abwehr Dritter (“Ich will aber nicht von jedem gefunden werden!”) sind die Privatsphäre-Einstellungen von Facebook nicht nur gedacht sondern auch viel besser geeignet. Da lässt sich ganz genau einstellen, welche Nutzer welche Profildetails sehen können. Funfact: Ich habe bisher noch jedes Account mit Fake-Namen zuordnen können. Andersherum habe ich über Personen mit Klarnamenprofil schon des Öfteren nicht mehr herausgefunden, als dass diese Person ein Facebookprofil besitzt - und zwar ein gut gesichertes. Datensparsamkeit, beispielsweise was Fotos angeht, statt Fake-Maskerade!

Wer wirklich darauf angewiesen ist, Facebook geschützt zu verwenden, beispielsweise weil er sich in einem Land befindet, in dem Facebooknutzung nicht nur besser passende Werbung, sondern Gefängnis oder schlimmeres zur Folge haben kann, für den gibt es seit 2014 https://facebookcorewwwi.onion - das ist Facebook als "hidden service" im Anonymisierungsnetzwerk Tor.

Ganz abgesehen davon, dass Facebook nun wirklich nicht die ideale Adresse ist, um Kommunikation zu betreiben, die gegen staatliche Zugriffe gesichert sein sollte. Nimmt Facebook das ernst? Es hat zumindest den Anschein, denn seit Juni unterstützt Facebook den E-Mailverschlüsselungsstandard OpenPGP. E-Mails von Facebook erhalte ich damit verschlüsselt und mein eigener öffentlicher Schlüssel steht in meinem Facebookprofil. Wer selbst diese einfache Funktion nicht nutzt, soll mir gefälligst nicht mit Fake-Namen irgendeine Anonymitätsvermutung vorgaukeln.

Und dann ist da noch das Ästhetik-Argument gegen die Leute, die nicht nur glauben, dass man in einem Sozialen Netzwerk anonym sein könnte, sondern auch, dass das ihnen irgendeinen Vorteil brächte: Mit Fake-Namen zeigt ihr nicht nur, wie leicht ihr datenschutztechnisch zu verarschen seid - es sieht auch noch kacke aus!

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[Foto: nadezhda1906/Fotolia.com]