Meine Meinung: Auch Jugendliche sollten bei der Europawahl abstimmen dürfen!

Samuel Große

Samuel Große hat es satt: In zig Facebook-Kommentaren muss er lesen, dass Jugendliche nicht reif für die Europawahl wären. Er findet: Das stimmt nicht! Warum er findet, dass auch Jugendliche bei der Europawahl abstimmen dürfen sollten.



Überall lese ich im Internet in den Kommentaren dass Jugendliche nicht reif wären für eine Wahl.

Ähm bitte? Welche Argumente muss ich da lesen? Sie kennen sich nicht aus, sie würden sich zu leicht beeinflussen, sie wären kurzsichtig, die Wahlbeteiligung wäre zu gering und am Ende wäre Bushido Kanzler.


Kennst du Lewandowski? Also den Polen mit Schnauzbart? Vermutlich nicht. Wenn du über 18 Jahre alt bist, darfst du aber dennoch Einfluss darauf nehmen, ob er in Europa - sozusagen in der Champions League - eine große Rolle spielen darf.

Ja, dir schwant es vermutlich schon: Er spielt nicht bei Bayern, er spielt auch im Herbst nicht bei den Bayern. Er spielt schon jetzt beim FC Brüssel und SV Straßburg a.k.a. Europäische Kommission.

Ich könnte eine Straßenumfrage machen und die Erwachsenen fragen, wer nun der Herr Lewandowski ist. Genauso gut könnte ich eine Umfrage unter Jugendlichen machen und fragen, wer Frau Stuchlik ist. Es käme aufs Gleiche raus.

Erwachsene müssen keinen Plan haben von der Politik

Das Argument, "Jugendliche kennen sich nicht aus", nervt mich langsam tierisch. Es ist definitiv KEINE Voraussetzung in unserem Land, dass man sich auskennen muss, um zu wählen! Und dieses Kriterium jetzt an die Jugend zu legen, ist lächerlich. Erwachsene müssen keinerlei Plan von der Politik haben und dürfen nach Gefühl wählen. Dann sollten wir das auch Jugendlichen ermöglichen.

Jugendliche ließen sich viel zu einfach mit Wahlgeschenken und politischen Parolen ködern … Ach, komm! Diesen Satz kann ich leicht verändert aufstellen, und er funktioniert trotzdem noch - soll ich? Okay - voilà: Ärzte und Rechtsanwälte lassen sich viel zu einfach mit Wahlgeschenken und politischen Parolen der FDP ködern.

Als dann die Wahlgeschenke nicht ausreichend erfüllt wurden, sanken die Zustimmungswerte dieser Partei von einst 14,6 Prozent der Stimmen unter 5 Prozent. Okay, ich gebe es zu, es gab auch noch den ein oder anderen Grund, der diesen Stimmenschwund verursachte, aber der Kern bleibt bestehen: Die FDP ist eine Partei, die sich nicht dem Allgemeinwohl, sondern einem Klientelwohl verschrieben hat.
Behauptung 1: Die Jugend ist kurzsichtig.

Als müsste man in seiner Jugend keine weitreichende Entscheidungen treffen. Die Wahl des Ausbildungsplatzes ist eine schwere Entscheidung, die sorgsam mit Freunden, Verwandten und in der Schule besprochen wird.

Behauptung 2: Die Wahlbeteiligung ist zu gering.

Dazu stelle ich fest: Es dauert seine Zeit, bis sich eine Kultur des Wählens bei Jugendlichen etabliert hat. Und, in der Tat, nicht jeder hat Lust zu wählen: Aber das muss ich euch Erwachsenen ja nicht erzählen, wo doch die Hälfte von euch an Wahlen wie am Sonntag zu Hause bleibt.

Behauptung 3: Bushido wäre auch bei einer U18 Wahl kein Kanzler geworden.

Bei der bundesweiten (inoffiziellen) U18 Bundestagswahl wäre auch Merkel aller Wahrscheinlichkeit nach Kanzlerin geblieben - hat doch die Union als stärkste Kraft 27,1 Prozent der jungen Wählerstimmen bekommen.

Die Jugend muss sich sorgen

Über Jugendliche wird bestimmt, und daher sollten sie auch mitbestimmen dürfen.

Dazu kommt, dass die Babyboomer nicht genügend Nachnachwuchs produzierten, sodass sie schon bei der nächsten Bundestagswahl eine Übermacht darstellen, die nicht mal eine Wahl ab 16 Jahren auffangen könnte. Bei der Bundestagswahl 2013 waren die über 60 Jahre alten Wähler schon doppelt so viele wie die Unter-30-Jährigen.

Die Politik wird sich also schon noch genügend um die Bedürfnisse der älteren Bürger kümmern. Keine Sorge. Im Gegenteil: Die Jugend muss sich sorgen.

Politik vorbei an Jugendlichen muss vorbei sein!

Zur Person

F. Samuel Große, 24, studiert an der Uni Freiburg BWL im vierten Semester. Beruflich ist er im künstlerischen Bereich tätig und möchte im Internet hauptsächlich auch darüber wahrgenommen werden. Er publiziert hier daher unter seinem Zweitnamen.



"Meine Meinung"

Mit "Meine Meinung" will fudder Menschen eine Plattform bieten, um ihre Meinung zu einem Thema, das in Freiburg debattiert wird, dazulegen. Es handelt sich bei dem Beitrag um die Meinung des jeweiligen Autors, nicht um die der Redaktion.

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