Meine Meinung: Amazon sollte auch frische Lebensmittel liefern

Konstantin Görlich

Amazon will in Deutschland frische Lebensmittel liefern: zu den Kunden nach Hause, zur Wunschzeit, zuerst in Berlin. Supermärkte macht das sehr nervös - unseren Autor Konstantin Görlich auch: Er will das Angebot auch für Freiburg!



Seien wir mal ehrlich: Einkaufen nervt. Die Hinfahrt nervt, die Rückfahrt nervt, und die Zeit dazwischen ist die Hölle. Habe ich noch Butter im Kühlschrank? Kann ich vom Supermarkt aus nicht sehen. Gibt es das exotische Gewürz für das Abendessen im Supermarkt? Kann ich von zu Hause aus nicht sehen. Kann oder will ich überhaupt eine Stunde meines Feierabends für den Einkauf opfern? Natürlich nicht.


Es wäre doch total praktisch, wäre der Einkauf in dem Moment erledigt, in dem der Einkaufszettel fertig ist. Genau das ist das Konzept von Amazon - und anderen, beispielsweise Rewe, die ihre Supermärkte mit einem Lieferservice ergänzen. Allerdings bis jetzt nur in Ballungsräumen. Im Rest des Landes nutzen sie Paketdienste - und bieten deshalb keine frischen Lebensmittel an.

Dabei ist das Konzept, frische Lebensmittel nach Hause geliefert zu bekommen, weder neu und noch eine urbane Technikphantasie: Gemüsekisten vom örtlichen Bauernhof, ergänzt mit dem einen oder anderen Bio-Produkt, und mit riesigen Fahrradanhängern klimaneutral ausgeliefert - das gibt es nicht nur in Freiburg bereits seit vielen Jahren.

Das Klima würde sich freuen

Überhaupt, das Klima-Argument: Die meisten fahren - Green City hin oder her - mit dem Auto zum Supermarkt und wieder zurück. Wieviel CO2 könnte vermieden werden, würden viele dieser Fahrten zu einer Lieferfahrt zusammengefasst? Heutzutage erfolgte die mit einem Elektro-Transporter, natürlich mit Ökostrom geladen - das Klima würde es freuen, und die Kunden auch.

Warum ist das Prinzip Gemüsekiste noch nicht im Supermarkt und im Deutschland des 21. Jahrhunderts angekommen? Es liegt am Preis. Die Deutschen knausern bei Lebensmitteln so sehr, wie kaum ein anderes Volk. Da bleibt den etablierten Supermärkten eine so geringe Gewinnspanne, dass sich ein Lieferservice kaum rechnet - und genau darum haben sie auch solche Angst vor Amazon. Und genau darum sind die Gemüsekisten Nischenangebote geblieben, mit Kunden, die bereit sind, für ordentliche Lebensmittel ordentliche Preise zu zahlen - Lieferung inklusive.

Der digitale Fortschritt in Deutschland sieht mal wieder so aus: Die Etablierten beobachten ganz genau jeden einzelnen Schritt des US-Riesen Amazon - anstatt selbst innovativ voranzuschreiten. Also bitte, Amazon, besorg Dir eine riesige Flotte rußender Diesel-Transporter und liefere bundesweit mit unterbezahlten Fahrern alles, was es auch im Supermarkt gibt. Anders bekommen wir unseren Einzelhandel einfach nicht dazu, es besser zu machen.

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