Meine Meinung: Am Veggie-Day würde ich hungrig bleiben

Saskia Scherer

Dass Die Grünen einen "Veggie-Day" - einen vegetarischen oder veganen Tag pro Woche - in deutschen Kantinen einführen möchten, um Gesundheit, Klima- und Tierschutz zu verbessern, ist nichts Neues. Die aktuelle Debatte brachte fudder-Autorin Saskia Scherer jedoch abermals zum Nachdenken. Als Gemüseablehnerin ist sie gegen Zwangs-Vegetarismus:



Die Absicht, den Fleischkonsum zu senken und die Deutschen ausprobieren zu lassen, wie man sich ohne Fleisch ernähren kann, ist ja schön und gut. Aber für mich wäre das überhaupt nichts. Denn ich lebe im wahrsten Sinne des Wortes nach der Devise „Fleisch ist mein Gemüse“. Schließlich mag ich außer Karotten und Spinat nichts von dem Grünzeug. Ich esse zwar nicht regelmäßig in einer Mensa, allerdings bin ich jedes Mal froh, wenn ich überhaupt ein Gericht auf dem Speiseplan finde, das ich mag.


Ein vegetarischer Tag würde das Mittagessen dort für mich also fast unmöglich machen. Denn was würde sich dann noch auf meinem Teller befinden? Nudeln (natürlich ohne Eier hergestellt) mit Soße? Das ist mir zu langweilig. Klar, einmal die Woche kann ich schon Abstriche machen. Aber was, wenn ich ausgerechnet an diesem Tag Heißhunger auf was „Richtiges“ habe? Und ja, man stirbt nicht dran. Aber soll ich meine Mittagspause nicht länger genießen dürfen?

Ich muss auch nicht ausprobieren, wie das Leben ohne Fleisch auf dem Teller funktioniert oder mich Schritt für Schritt dorthin wagen. Dass es funktioniert, weiß ich rein theoretisch schon, aber es macht sicher um Längen weniger Spaß – zumindest wenn man, wie ich, leidenschaftlich gerne isst (vor allem Schnitzel, Schweinelendchen, Chicken Nuggets, Fischstäbchen und Co.) und Aussagen der eigenen Mutter wie „Wenn du Hunger hast, bist du unerträglich!“ oder folgende Bestellung im Restaurant "Ein Schnitzel mit Pommes - aber ohne Salat!" für einen nichts Ungewöhnliches sind.

Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass es in Mensen und Caféterien täglich vegetarische oder vegane Alternativen zu den fleischhaltigen Hauptgerichten gibt - und bin der Meinung, dass dies völlig ausreicht. So hat doch jeder, was er will und keiner wird irgendwie eingeschränkt. Ich habe auch überhaupt nichts gegen Vegetarier und Veganer an sich – jeder soll für sich selbst bestimmen können und das bitte, ohne den jeweils anderen zu verurteilen.

Vor allem aber bin ich gegen Bevormundung. Es gibt ja auch keinen „Meat-Day“, an dem die Vegetarier oder Veganer dann in die Röhre gucken würden. Sicher, es herrscht keinerlei Zwang, denn wer in der Kantine nichts findet, kann auch einfach woanders essen gehen. Aber manche Menschen sind zeitlich bedingt an die betriebseigene Kantine oder schuleigene Mensa gebunden, wo das Essen zusätzlich meist auch noch für kleines Geld zu haben ist. Für Menschen, die also keine Zeit, kein Geld oder allgemein keine Lust haben, sich Gedanken darüber zu machen, was sie essen, würde der „Veggie-Day“ sowieso keinen tieferen Sinn erbringen.

Übrigens: Ich bin eine sehr große Tierfreundin. Meiner Meinung nach hat das nämlich nichts mit dem Fleischkonsum zu tun – das eine schließt das andere nicht aus.  

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