Meine Meinung: "Äpfel und Birnen - der CSD hat nichts mit veganer Ernährung zu tun"

Tom Lissy

Endlich gibt es wieder einen CSD in Freiburg. Alle könnten sich freuen. Stattdessen gibt es Ärger: Der CSD hat nämlich beschlossen, ausschließlich veganes Essen zu verkaufen. Tom Lissy gefällt das nicht. Er findet: Tierrechte haben mit den Rechten der LGBT Community nichts zu tun:



An diesem Wochenende will Freiburg für Toleranz, Akzeptanz und Einheit der LGBT Community protestieren, feiern und Gesicht zeigen. Dank des Engagements des ehrenamtlich arbeitenden CSD Vereins ist das auch möglich. Friede, Freude, Eierkuchen eigentlich. Nur, dass Eierkuchen jetzt nicht mehr erwünscht ist.


Mitte der Woche gab der Christopher Street Day Freiburg e.V. bekannt, dass das Catering auf dem diesjährigen CSD rein vegan sein wird. Auf seiner Seite begründete der Verein die Entscheidung wie folgt: „Weil wir Herrschaft grundsätzlich ablehnen, bekämpfen wir auch die Unterdrückung bzw. Ausbeutung von Tieren. Einen veganen CSD sehen wir hierfür als Mindestbeitrag und als politisches Statement.“

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Hitzige Debatten, ob Tierrechte mit den Anliegen der LGBT-Community zusammen hängen und wer für wen Toleranz zeigen soll, spalten die Gemüter. Friede? Freude? Pustekuchen!

Die ewigen Klischees des ignoranten, empathiefreien Fleischessers und des engstirnigen, ewig missionierenden Veganers krachten aufeinander ein und erzeugten auf der facebook Seite des Vereins Stilblüten, die dem eigentlichen Anliegen der Veranstaltung ein Schlag ins Gesicht sein dürften. Ging es nicht eigentlich um Toleranz und Einheit zeigen?

Um was ging es nochmal bei den Stonewall-Riots?

Viele, darunter ich selbst, sind der Meinung, dass die Einbringung tierrechtlicher Themen nicht nur über das Ziel hinaus schießt, sondern einfach gar nichts mit den Forderungen eines CSD zu tun hat. Bei den „Stonewall Riots“ ging es schließlich nicht darum, dass Schwulen, Lesben und Drag Queens die Misshandlung der Tiere nicht mehr hinnehmen wollten.

Die Diskussion dazu wurde leider auf beiden Seiten teilweise sehr hässlich, unsachgemäß und in einigen Fällen auch beleidigend geführt. Billige Witze wie „Wer schwul ist, sollte auch mal eine Wurst in den Mund nehmen“ und hanebüchene Märchen von „Kindersklaven, die in einem dunklen Verschlag Regenbogenfahnen häkeln müssen“ trugen dabei wenig zu einer Deeskalation bei. Einlenken oder abwägen war hüben wie drüben keine Option.

Die schwule Lederszene fühlt sich durch einen veganen CSD vor den Kopf gestoßen. Die Freundinnen und Freunde des Schnitzelwecks ebenso. Diejenigen, die sich daran stören, dass eine Veranstaltung, bei der es eigentlich um Menschenrechte, Akzeptanz und Toleranz gehen sollte, als Transportmittel für komplett andere Anliegen (so ehrenhaft sie auch sein mögen) benutzt wird, fühlen sich vom Veranstalter als intolerant und kleingeistig abgestempelt.

Was tun bei der nächsten Tierrechtsdemo?

Für die Pro-Vegan-Fraktion sind beide Themen aber unmittelbar miteinander verbunden. Der Vorschlag, dass dann bei der nächsten Tierrecht-Demo auch alle gleichgeschlechtlich lieben müssen, wo es doch genau das selbe sei, halfen nicht, die Absurdität der Idee zu verdeutlichen. „Toleranz und Akzeptanz nur für diejenigen, die vegan leben, kann nicht im Interesse eines CSD sein", schreibt ein wütender Facebook-User.

Hätte der CSD-Verein bekannt gegeben, dass beim Catering neben der regionalen Bio-Bratwurst (so viel Freiburg muss sein) auch viele, meinetwegen auch hauptsächlich vegane Optionen angeboten werden, wäre der Jubel wohl kaum zu stoppen gewesen. Da nun aber ausschließlich vegane Speisen gibt, fühlen sich die meisten, die gerne Milch in ihrem Kaffee haben und vegane Kuchen nicht wirklich lecker finden, moralisch verurteilt und bevormundet. Manche wollen auf Grund dieser Haltung dem Event sogar ganz fern bleiben, weil sie sich so nicht repräsentiert fühlen.
Und wer befürchtet, ohne tierische Produkte verenden zu müssen, kann sich ja im Vorfeld ein paar Wurstbrote schmieren und zur Parade mitnehmen.

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[Foto: dpa picture alliance/Montage]