Meine Meinung: 4 Gedanken zur Bafög-Erhöhung

Lisa Petrich

Wer als Student in Freiburg ein Zimmer bezahlen muss und zufällig keine sehr gut verdienenden Eltern hat, dem reicht der Bafög-Betrag auch mit geplanten Erhöhungen nicht aus: fudder-Autorin Lisa Petrich findet, dass noch ganz andere Änderungen nötig wären.

Schön und gut, dass der Bafög-Betrag zum nächsten Wintersemester erhöht werden soll, aber in Freiburg können ohne zusätzlichen Nebenjob trotzdem nur wenige Studierende vom Bafög-Geld leben. Meiner Meinung nach sollten beim Bafög noch ganz andere Dinge geändert werden, abgesehen von einer deutlich größeren Erhöhung des Grundbedarfssatzes.


1. Bafög auch für Studierende, deren Eltern "normal" verdienen

Viele Studierende, deren Eltern "normal" gut verdienen, erhalten kein Bafög. Trotzdem bekommen einige studierende Söhne und Töchter nur das Kindergeld von ihren Eltern bereitgestellt, ganz unabhängig davon, ob die Eltern jetzt ein bisschen besser verdienen als Eltern von Bafög-Kindern. Und mit einem Kindergeld von circa 200 Euro kann man beim besten Willen keine Miete zahlen und muss vermutlich den Hungertod sterben, wenn man es nicht schafft, neben dem Studium noch einen 450-Euro-Job (oder mehr) auszuüben.

Die Freibeträge für das Einkommen der Eltern sollen bis 2021 um immerhin 16 Prozent angehoben werden, das ist natürlich besser als gar nichts. Ich finde, dass aber generell eine andere Lösung gefunden werden müsste, um Bafög weniger abhängig vom Einkommen der Eltern zu machen, sodass auch Kinder von Normalverdiener-Eltern eine Chance haben, vom Staat unterstützt zu werden.

2. Wer keinen Nebenjob hat und nicht im Studentenwohnheim wohnt, hat Pech

Dass es in Freiburg schwierig ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist bekannt. Wer keinen Platz mehr im Studentenwohnheim bekommt, muss sich in die gnadenlose Welt der Freiburger Wohnungssuche begeben. Glück und Connections spielen hier eine ausschlaggebende Rolle, um überhaupt etwas zu finden, was nicht überirdisch viel kostet und vielleicht sogar in Uni-Nähe ist. Proportional zu den steigenden Mieten ist es meiner Meinung nach unverschämt, wie wenig Bafög Studierende bekommen.

Ich versuche mal, eine kleine Rechnung aufzustellen:
  • Die Warm-Miete kostet vielleicht ca. 400 Euro im Monat, wenn man nicht im Studentenwohnheim wohnt oder ganz viel Glück hat.
  • Für den Lebensmittel-Einkauf benötigt man mindestens 25 Euro die Woche, wenn man sich einigermaßen gesund ernähren will. Wer immer auf Bio-Qualität und Nachhaltigkeit achten möchte, zahlt natürlich mehr. Rechnen wir also mal etwa 100 Euro im Monat (eher mehr) für Lebensmittel.
  • Hinzu kommen noch notwendige andere Einkäufe wie zum Beispiel Bücher für die Uni, Kleidung oder Kosmetik. Man will ja auch mal feiern gehen, Hobbies ausüben und ins Kino oder mit Freunden essen gehen. Also nochmal circa 100 Euro im Monat drauf.
Insgesamt benötigt man also ungefähr 600 Euroim Monat. Das ist natürlich nur grob geschätzt und hat keinen Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit. Vielleicht kann man auch mit deutlich weniger Geld klarkommen, aber eins steht fest: Ohne Nebenjob kann man mit dem Bafög-Geld unmöglich die Grundbedürfnisse bezahlen.
Die Grundpauschale darf also nicht nur von 399 auf 427 Euro steigen, sondern sollte in einem deutlich höheren Bereich liegen, selbst wenn der erhöhte Wohnzuschlag noch obendrauf kommt.

3. Warum gibt’s weniger Bafög, wenn das Geschwisterkind einen Nebenjob hat?

Das konnte ich mir noch nie erklären: Wenn das Geschwisterkind einen Nebenjob ausübt, gibt’s für den Bafög-Antragstellenden automatisch weniger Bafög. In meinem Fall geht meine kleine Schwester noch zur Schule, übt aber nebenher einen kleinen Nebenjob aus. Ganz egal, wie viel sie dort verdient oder ob sie dort regelmäßig arbeitet oder nicht, beeinflusst es den Bafög-Betrag. Ich habe dadurch 100 Euro weniger Bafög erhalten und so erging es auch einigen meiner Freunde.

Was soll das? Ich verstehe den Hintergrund leider gar nicht – als ob meine Eltern mir 100 Euro mehr zur Verfügung stellen würden, nur weil meine Schwester oder mein Bruder einen kleinen Nebenjob hat.

Dasselbe gilt, wenn die Geschwister mit der Schule fertig sind und eine Ausbildung anfangen oder bereits einen festen Job haben. Vielleicht belasten sie die Eltern dann finanziell nicht mehr so stark, aber wieso sollten mir meine Eltern dann dafür mehr Geld geben, als vorher? Wäre das nicht unfair gegenüber meinen Geschwistern? Der Sinn davon bleibt mir noch verborgen.

4. Bafög insgesamt transparenter gestalten

Jeder, der schon einmal versucht hat, einen Bafög-Antrag auszufüllen, weiß, wie schwer das ist. Nicht grundlos kursieren in den Sozialen Netzwerken zahlreiche Memes zu dem Thema, wie beispielsweise: "Für die Bearbeitung Ihres Bafög-Antrags benötigen wir noch folgende Unterlagen: Formblatt 1 bis 47, Unterschrift von Gandalf, das Horn eines Einhorns und ein Foto von Ihnen mit Jesus."

Es würde vieles besser machen, wenn man Bafög einfacher beantragen könnte, ohne die Steuererklärung der Eltern von vor zwei Jahren und tausend verschiedene Ankreuz-Kasten, wo man nicht weiß, ob man das Häkchen setzen soll, oder ob dann etwas ganz Schlimmes passiert. Außerdem fände ich es toll, wenn es transparenter und leichter verständlich gestaltet würde, woraus sich der individuelle Bafög-Betrag eigentlich verrechnet. Ich persönlich verstehe da jedes Mal nur Bahnhof. Auch deshalb, weil der Betrag jedes Semester hoch oder runter schwankt und ich nicht nachvollziehen kann, wieso das so ist.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich es natürlich toll finde, dass es Bafög gibt und dass der Bedarfssatz nun auch endlich wieder erhöht wird. Aber um eine wirkliche Hilfestellung für Studierende zu geben, sollte sich noch einiges ändern und neu gestaltet werden. Vielleicht kommt ja irgendwann der Tag, an dem man Bafög bequem über eine App auf dem Handy beantragen kann, ohne tausende Belege und Steuerbescheinigungen der Eltern zusammenzusuchen und bei jedem Kasten fünfmal überlegen zu müssen, ob man ein Häkchen setzen muss oder nicht. Wie lange wird das noch dauern?
Was denkt Ihr über Bafög und die kommende Erhöhung? Schreibt’s in die Kommentare!



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