Meine Maschine und ich

Anna-Lena Zehendner

Für die einen ist es nur ein Mittel zum Zweck, für die anderen ein lang gehegter Traum: motorisierte Zweiräder. Ob Roller, Harley, Super Moto oder Dianas Triumph Tiger (Foto): Fünf junge Freiburger haben uns ihre Maschinen vorgestellt.





Sebastian Böhm (27)

„Die Vespa habe ich 2002 einem Freund abgekauft. Es ist eine alte PX 200 E, Baujahr 1980, mit 208 ccm. Schon als ich mit 16 Jahren das erste Mal eine Vespa gefahren bin, war es mein großer Traum, später eine 200er alleine aufzubauen. Mit 20 habe ich diesen Traum verwirklicht. Dafür habe ich einen Monat lang jeden Tag bei Mercedes Benz am Fließband gearbeitet. Ich habe die Vespa anschließend komplett auseinander genommen und baute sie so auf, wie es 20-jährige Jungs eben tun: mit harten Stoßdämpfern und Hauptsache auf sportlich getrimmt.

Heute würde ich alles etwas komfortabler gestalten, mit anderen Stoßdämpfern und einer anderen Motorzusammenstellung, eben mehr zum Cruisen. Meine Vespa hingegen hängt immer am Gas. Aber es macht auch so viel Spaß. Meine Lieblingsstrecke ist von Gundelfingen nach Heuweiler am Wald entlang. Hier gibt es schöne, lange Rechtskurven und die Linkskurven sind prima einsehbar.“



Sara Goerke (27)

„Den Roller haben die Eltern von meinem Ex-Freund vor sechs Jahren auf eBay günstig ersteigert und er wurde mir quasi überlassen. Es ist eine Aprilia Scarabeo, die gibt es in Deutschland nur ganz, ganz selten. Ich werde oft wegen meinem Roller ausgelacht, weil er ein bisschen peinlich aussieht, mit seinen dünnen Rädern und weil die Farbe nicht sonderlich hübsch ist. Wenn neben mir an einer Ampel ein anderer, cooler Roller steht, dann schauen die Fahrer oft abfällig an meinem Flitzer herunter. Sie denken sicherlich, dass sie mich locker abziehen könnten.

Aber mein Roller gibt ordentlich Gas und ich ziehe damit meist die anderen ab. Ich fahre bei jedem Wetter, auch im Winter, mit dicker Winterjacke und Handschuhen. Am liebsten düse ich von Gundelfingen über die Eichhalde in die Stadt. Dort geht es meist schneller, weil es keine Ampeln gibt. Außerdem hat man dort einen herrlichen Blick über Freiburg.“



Daniel Mattuschek (32)

„Vor sechs Jahren kaufte ich mir meine Harley Davidson Sportster. Damals hatte ich noch nicht mal einen Führerschein. Ich hatte also zuerst das Motorrad und machte erst anschließend den Führerschein. Vorher hatte ich mit Motorrädern so gut wie gar nichts am Hut. Zusammen mit einem Freund habe ich dann vor ein paar Jahren mal darüber geredet: ‚Komm, wir holen uns eine Harley, ist doch total cool.‘

Ich beschäftigte mich immer mehr damit, weil mir Harleys und das ganze Drumherum einfach sehr gefallen. Heute bereue ich es überhaupt nicht und ich würde auch nie wieder etwas anderes fahren wollen. Gerade im Sommer ist es total geil, in der Gruppe einfach loszufahren oder auch mal zu einem Harley-Treffen zu gehen. Da ich kein Auto habe, fahre ich momentan ständig mit der Harley zur Arbeit oder auch ins Training.“



Andreas Schöler (25)

„Ich fahre eine KTM Super Moto, 640 ccm. Sie hat leider ein paar kleinere Macken. Zum Beispiel gibt es nur ‘nen Kickstarter. Das ist ziemlich ätzend. Nachdem sie im Winter lange stand, brauche ich oft einen halben Tag, um sie wieder anzubekommen. Mit nur einem Zylinder geht das eben sehr schwer. In erster Linie ist es für mich ein Sportgerät. Am liebsten fahre ich den Schauinsland hoch. Leider ist diese Strecke auch ziemlich gefährlich. Einmal hat es mich dort bei 80 km/h aus der Kurve geworfen.

Ich hatte riesiges Glück. Bis auf wahnsinnig viele blaue Flecken und einigen Prellungen ist mir nichts passiert. Ich trage aber auch immer meine Schutzkleidung. Meiner Meinung nach ist es tierisch verantwortungslos, wenn Leute nur mit T-Shirt und kurzer Hose auf ihrem Motorrad heizen.“



Diana Hug (36)

„Mein Mann hat mir meine Triumph Tiger, Baujahr 1970, vor ein paar Jahren geschenkt und schick gemacht. Der Tank ist grün Metalflake mit weiß. So ein richtig fieses Bonbon-Glitzer - das war die typische Motorradfarbe der Siebziger. Am liebsten fahre ich mit ihr am Kaiserstuhl entlang oder auch nach Frankreich rüber, um mir die kleinen Dörfer anzuschauen.

Ich liebe besonders die Weite. In den Bergen fahre ich hingegen gar nicht so gerne. Die Route 66 wäre eigentlich ideal für mich. Ich bin eben eine ganz gemütliche Fahrerin. Diesen Geschwindigkeits-Kick brauche ich gar nicht. Die alten Maschinen sind, meiner Meinung nach, auch gar nicht zum Schnellfahren gemacht. Für mich ist das Motorradfahren eher wie Wellness: Drauf sitzen, gemütlich losdüsen und schöne Ziele ansteuern. Dafür braucht man keine Geschwindigkeit.“

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