Meine-Bundeswehr.de: Social-Network für Soldaten

Aljoscha Harmsen

Wo hast du gedient? Wie lange warst du dabei, wie war es damals? Und was sind deine Erfahrungen aus dem Einsatz? Das sind Fragen, die User auf Meine-Bundeswehr.de sich gegenseitig stellen. Reden über die Zeit bei der Bundeswehr mit Leuten, die verstehen, was es heißen kann, gedient zu haben – oder einfach die guten alten Sprüche austauschen. Dafür ist vor kurzem eine neue BW-Community ins Netz gegangen.



Seit Anfang August gibt es die Seite und auf die Idee gekommen ist Michael Blauig, zusammen mit David und Phillip Steinbiss:

“Wir waren im Kosovo und wollten Erfahrungen austauschen. Aber das geht schwer mit Menschen, die nichts mit der Bundeswehr zu tun haben“, sagt Michael. Er war von 1998 bis 2000 Sanitäter.

“Bisher haben wir sehr gute Erfahrungen mit der Seite gemacht. Viel läuft über persönliche Nachrichten“, erklärt der Ex-Soldat. „Einige haben im Einsatz ernste Dinge erlebt. Dinge, die andere nie erleben, und wollen einfach mit Leuten sprechen, die sie verstehen können.“

Neben ernsten Themen finden sich auf den Seiten natürlich auch Bilder aus Einsätzen, aktuelle Bundeswehrnachrichten und die üblichen Sprüche, die jeder Soldat im Laufe seiner Dienstzeit irgendwie mitbekommt.
Gerne auch aus der Dienstvorschrift:
"Ab einem Wasserstand von 1.20 m beginnt der Soldat selbständig mit Schwimmbewegungen. Die Grußpflicht entfällt hierbei." Oder auch: „Bei Einbruch der Dämmerung ist mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen.“



Bundeswehrpolitik, Musterungs- und Grundausbildungserlebnisse, Kriegsfilme und PC-Spiele, oder auch das Thema „Uniform beim Zugfahren“ – es gibt eine Menge Gesprächsbedarf.

Die noch junge Community zählt bislang etwa 300 User und nutzt die Community-Now-Software von Data Becker. „Bisher fühlen wir uns wie Beta-Tester. Der Web 2.0 Markt gibt noch nicht so viel her, aber wir haben vor,
noch einiges hinzuzufügen, wie etwa einen Blog für Gäste“, sagt Michael.

Um die User zur Aktivität zu ermuntern, haben sich die Macher von Meine-Bundeswehr.de ein besonderes Beförderungssystem ausgedacht: Für Foreneinträge, Kommentare und andere Aktivitäten werden Punkte vergeben, mit denen man entsprechend der Bundeswehrdienstgrade befördert werden kann. Vom Gefreiten zum Obergefreiten, zum Hauptgefreiten, usw. Theoretisch kann man sogar bis zum Oberst aufsteigen.



“Wir werden noch einige User zu Moderatoren machen. Die werden dann Feldjäger. Es soll später ein großes Netzwerk aus Kameraden entstehen.“

Die Community versteht sich nicht als Konkurrenz zu den offiziellen BW-Seiten. „Wir führen kein Rekrutierungsgerede durch. Wir wollen uns über die Vergangenheit und den aktuellen Zustand der Bundeswehr austauschen und ihn objektiv beurteilen.“

Obwohl es bislang keine Probleme mit Rechtsextremismus gab, sind die Macher von vornherein aufmerksam für solche Ansätze: „Es gibt bestimmte Erkennungszeichen, auf die wir achten. Solche Ansätze wollen wir von vornherein unterbinden.“

Besonders auch über damals wie heute aktuelle Probleme tauschen sich die User aus, wie zum Beispiel exzessives Biertrinken oder den schwierigen Berufseinstieg nach Ende der Dienstzeit.

Die Mitgliederprofile reichen von Reservisten bis hin zu weiblichen BW-Fans. Zum Beispiel schreibt „Soldier-Girl“:
“Ich liebe alles was mit BW zutun hat, habe mit Tarnnetzen mir ein Himmelbett gemacht, habe sehr viele Bücher, Filme und Kleidungen. War letztes Jahr bei der Musterung hab aber diese nicht bestanden da mir ein Punkt beim Standsprung fehlte.“ Ihr Verlobter ist Fallschirmjäger.

Verglichen mit größeren Communitys wie Soldatentreff.de, die über 18.000 User versammelt, ist Meine-Bundeswehr.de noch keine wirkliche Konkurrenz. Es wird darauf ankommen, ob Meine-Bundeswehr.de es schafft, ein eigenes Profil zu entwickeln und die User besser an sich zu binden als Soldatentreff.de.

Eines hat die junge Community allerdings den großen voraus: Die Orientierung ist intuitiver, die Seite ist schöner, übersichtlicher und das Beförderungssystem weckt den spielerischen Ehrgeiz, in Ränge aufzusteigen, die in der Dienstzeit allenfalls ein netter Gedanke waren.



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