Mein Smartphone und ich: Vier Jugendliche diskutieren

Merlin Gröber

Sie sind unzertrennlich: Jugendliche und ihre Smartphones. Eltern verstehen nicht warum, Jugendliche verstehen nicht, warum nicht. Zeit, Jugendliche selbst zu fragen. Wir haben mit vier Schülerinnen und Schülern über ihre Smartphones gesprochen – und über schöne Bilder, abgeschriebene Hausaufgaben in WhatsApp-Gruppen, Cybermobbing und das Wort "Multi-Tasting".



Vier Teenager und ihre Smartphones: Elliot Schramm (16), Lea Bär (14), Mirko Kniebühler (13) und Lea Rockel (15).

Wann habt ihr euer Smartphone bekommen und warum?


Lea R.:
Ich habe mein Smartphone mit 13 bekommen. Meine Mutter musste ich erst überreden. Aber es erleichtert den Kontakt sehr, vor allem, wenn man auch Freunde hat, die nicht in die selbe Schule gehen.

Elliot: Ich war auch 13 Jahre alt, als ich ein Smartphone bekommen habe. Ich habe längere Zeit in den USA gelebt und habe einen guten Freund dort. Über Snapchat kann ich einfach und günstig mit ihm in Kontakt bleiben. WhatsApp benutzt in den USA kaum jemand.

Lea: Ich war 12 als ich mein Handy bekommen habe. Meine ältere Schwester musste meine Eltern erst noch überreden. Ich bin sehr froh, dass ich ein Smartphone bekommen habe. Eine Freundin ist zurzeit in Neuseeland, über WhatsApp kann man ganz einfach in Kontakt bleiben.

Mirko: Ich war auch 12, als ich ein Smartphone bekommen habe. Mein bester Kumpel hatte schon länger eins und ich wollte mit ihm schreiben können. Meine Eltern waren strikt dagegen, aber als mein Bruder sich ein neues gekauft hat, habe ich sein altes bekommen.

Wie lange täglich benutzt ihr euer Smartphone?


Mirko:
Alles in allem circa sechs Stunden

Lea: Das ist schwer einzuschätzen, aber vier Stunden sind es schon.

Elliot: Bei mir auch. Vier Stunden sollten hinkommen.

Lea R: Bei mir sind es mehr. Fünf bis sechs Stunden benutze ich es schon.

Fudder: Was macht ihr in dieser Zeit auf dem Smartphone?

Elliot: Meistens benutze ich WhatsApp, Snapchat und Instagram. Das braucht viel Zeit.

Lea: Ich habe WhatsApp und Instagram auf dem Handy installiert. Die beiden Apps benutze ich am meisten.

Mirko:
Bei mir auch. WhatsApp und Instagram benutze ich am häufigsten.

Lea R.: Ich habe WhatsApp, Instagram, Snapchat und Facebook. Deswegen verbringe ich auch so viel Zeit im Internet.

Wie viele WhatsApp-Nachrichten habt ihr heute bekommen?


Mirko:
120

Lea R.: 100

Lea: 150

Elliot: 150

Lest ihr das alles durch?


Lea:
Das kommt darauf an, wer schreibt. Bei Gruppenchats scrollt man häufig einfach durch. Mit Freunden schreibt man aber hin und her. Wie in einem normalen Gespräch.

Mirko: So ist es bei mir auch. Wirkliche Gespräche führt man nur mit wenigen. Meistens schickt man nur ein paar Smileys hin und her, mehr nicht.

Ist es nicht einfacher den Freund oder die Freundin kurz anzurufen?


Elliot:
Angerufen wird nur, wenn etwas wirklich wichtig ist.

Lea R.: Nur wenn mein Handy kaputt ist, steige ich auf alte Methoden um und benutze das Haustelefon um Freunde anzurufen.

Mirko: Wenn man über WhatsApp schreibt, kann man nebenher noch etwas anderes machen, zum Beispiel auf Instagram Bilder anschauen oder Fernsehen.

Lea R.: Multi-Tasting nennt sich das. Zusammengestellt aus Multi und Tasten.

Lea: So etwas finde ich sehr anstrengend. Ich mache lieber eine Sache, also entweder Fernsehen oder etwas auf dem Handy.

Ihr hattet gerade von Gruppenchats gesprochen. Was meint ihr damit?


Le
a: Die meisten Gruppenchats sind Klassengruppen. Da sind etwa 20 Leute drin, also fast die ganze Klasse. Dann gibt es noch kleinere Gruppen mit Freunden oder Familie.

Lea R.: Vor allem in den Klassengruppen kommt es immer wieder zu Streit.

Wie kann man sich so einen Gruppenstreit vorstellen?

Lea R.: Wie Cybermobbing - nur eben auf WhatsApp. Meistens sind das Mädchen, die sich gegenseitig beleidigen. „Warum hast du mich heute dumm angemacht? Warum machst du mir alles nach?“ Typisch Mädchen eben.

Mirko: Der Streit fängt meistens in der Schule an und geht dann in der Chatgruppe weiter. Meistens hört der Streit auf, wenn einer den anderen aus der Gruppe rausschmeißt. Manchmal fügt aber jemand die Person wieder hinzu, dann geht das ganze wieder von vorne los.

Lea R.:
Häufig verlagert sich der Streit nach einer Weile auch in den privaten Chat, dann bekommt man nichts mehr mit. Am nächsten Tag merkt man dann aber in der Schule, dass die Stimmung sehr angespannt ist. Solche Streits passieren aber auch nicht täglich, das passiert alle paar Wochen.

Eskalieren solche Streitigkeiten auch manchmal?


Lea R.:
In meiner alten Klasse war es krass. Da ging es oft tagelang hin- und her. Dann mischen sich die anderen ein und dann streitet sich die halbe Klasse.

Elliot: Bei mir wurde jemand aus der alten Schule gemobbt. Zuerst wurde er auf WhatsApp geärgert und dann wurde er auch noch angerufen. Das ging so weit, dass er die Schule verlassen hat.

Schreitet bei so etwas niemand ein?

Mirko: Bei Gruppenchats ist es schwer zu erkennen. Hier beleidigt man sich auch nicht so stark. Das Mobbing findet viel extremer außerhalb der Chats statt. Wegen WhatsApp wechselt doch niemand die Schule.

Lea:
Das mit dem Schulwechsel in deiner Schule ist wirklich extrem. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Die Klassengruppen haben ja auch Vorteile.

Welche Vorteile haben die Gruppen?

Mirko: Wenn einer die Hausaufgaben nicht versteht, kann er nachfragen ob es ihm jemand erklären kann.

Lea: So ist es bei mir auch. In den Gruppenchats kann man schreiben, wenn man Hilfe bei den Hausaufgaben braucht und jemanden bitten es zu erklären.

Mirko: Manche nutzen die Gruppe aber einfach aus und fragen ob jemand die Hausaufgaben hochladen kann, damit sie selber nichts machen müssen.

Elliot: Das war bei mir früher so. Dort wurden viele Hausaufgaben im Chat rumgeschickt, heute macht das kaum noch jemand, weil einige einfach nur noch abgeschrieben haben.

Lea R.: Wegen Hausaufgaben frage ich selten im Gruppenchat nach. Wenn ich etwas nicht verstehe, schreibe ich mit einer Freundin, die mir dann hilft. Aber der Gruppenchat kann hilfreich sein, wenn gar nichts mehr geht.

Neben WhatsApp habt ihr alle Instagram. Wie entscheidet ihr, was ihr postet?

Lea R.: Wenn man nach ewig langer Zeit hübsches Bild hinbekommen hat, möchte man das posten, damit anderen Freude haben. Damit die anderen sich an meinem Leben beteiligen können.

Lea: Wenn ich etwas poste, dann schöne Dinge, wie Sonnenuntergänge. Damit die anderen auch sehen, was ich gerade sehe. Ich möchte, dass sie sich daran erfreuen können.

Mirko:
Ich poste selten Bilder von mir. Häufig poste ich Fotos von meiner Katze. Ich selber habe nichts davon, ich freue mich aber es den anderen zeigen zu können. Selfies poste ich nicht, weil ich es nicht mag, dass die im Internet herumschwirren.

Elliot:
Auf Instagram poste ich, weil andere das auch machen. Es ist ein Drang, irgendetwas zu posten, weil die anderen es auch tun. Dann können die anderen sehen, was man tolles macht. Das gibt man ungerne zu, aber das ist der Grund ein schönes Bild zu posten. Man will, dass andere sehen was man tolles macht.

Wie seht ihr das? Postet ihr, damit andere sehen, was ihr tolles macht?

Lea R.: Nein, nicht wirklich. Meistens poste ich nur bei Snapchat, das ist kurzlebiger, die Bilder bleiben nur wenige Sekunden erhalten. Selfies schicke ich auch nur an Freunde. Bei Instagram schaue ich vor allem was andere posten.

Mirko: Ich benutze Snapchat und Instagram vor allem zum Zeitvertreib und schaue mir lustige Videos auf der Busfahrt an oder bevor ich ins Bett gehe.

Lea: Meistens schaue eher was andere mache, messe mich daran aber nicht. Selfies poste ich ohnehin nicht. Das möchten meine Eltern auch nicht.

Was beachtet ihr, wenn ihr euch in sozialen Netzwerken anmeldet?

Elliot: Ich melde mich immer unter anderen Namen an. Zwar gibt es Gesetze und Regeln, man weiß aber nie genau, was die Firmen mit den eigenen Daten machen. Aus Vorsicht melde ich mich daher wenigstens unter einem anderen Namen an.

Lea R.:
Früher habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Deswegen bin ich teilweise unter meinem richtigen Namen angemeldet. Heute bin ich da aber wie Elliot etwas vorsichtiger geworden.

Lea:
Ich melde mich nur unter meinem Vornamen oder einem Kürzel an. Ich möchte nicht, dass ich sofort gefunden werde. Lea ist ein häufiger Vorname wie man sehen kann. Bevor ich mich bei Instagram angemeldet habe, habe ich auch meinen Vater gefragt ob das in Ordnung ist. Er ist Anwalt und hat mir alles erklärt.

Mirko:
Ich mache mir nicht so viele Gedanken um den Datenschutz. Trotzdem melde ich mich nur unter meinem Vornamen. Was ich nicht mache, ist Selfies posten. Das habe ich meinen Eltern versprochen, da halte ich mich auch dran.



Außer Lea R. ist keiner von euch auf Facebook. Warum nicht?

Elliot: Meine Freunde haben kein Facebook, deswegen brauche ich es auch nicht. Ich möchte mich dort auch nicht anmelden, da ich nicht möchte, dass hier meine Daten gesammelt werden. WhatsApp reicht mir, um mit meinen Freunden in Kontakt zu bleiben.

Lea: Bei mir in der Klasse hat es kaum jemand Facebook, daher habe ich auch nicht vor, mich dort anzumelden.

Mirko: Facebook wollte ich noch nie haben. Mir reicht Instagram. Dort kann ich auch Bilder und Videos anschauen. Die brauche ich nicht ein zweites Mal auf Facebook sehen.

Wir haben uns eine Stunde und acht Minuten unterhalten. Wie viele Nachrichten habt ihr in dieser Zeit bekommen?

Elliot: 30 Nachrichten aufs WhatsApp.

Lea R.: Instagram sind ein paar und drei WhatsApp-Nachrichten.

Mirko: 20 WhatsApp-Nachrichten.

Lea: Vier Nachrichten auf WhatsApp und zwei verpasste Anrufe.

 

Es diskutierten:

  • Mirko Kniebühler, 13, geht auf das Sozialpädagogische Gymnasium Emmendingen. Seine Hobbys: Turnen, Tennis und Akkordeon.
  • Lea Bär, 14, geht aufs Goethe-Gymnasium in Freiburg. Ihre Hobbys:  Lesen und Cello spielen.
  • Lea Rockel, 15, geht auf die Pestalozzi-Realschule in Freiburg. Ihre Hobbys: Kickboxen und Lesen.
  • Elliot Schramm, 16, geht aufs Friedrich-Gymnasium in Freiburg. Seine Hobbys: Klettern und Tauchen.

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      [Bild 1: Michael Bamberger, Bild 2: dpa]