Mein Parteibuch: SPD

Manuel Knapp

Warum wird man eigentlich Mitglied in einer Partei? In den kommenden Wochen werden auf fudder junge Mitglieder aller Parteien in persönlichen Essays über ihre Parteien und die bevorstehende Bundestagswahl schreiben - und so hoffentlich Anstoß zu engagierten Diskussionen geben. Den Anfang macht Manuel Knapp, 22, aus Bad Säckingen. Er ist Mitglied bei den Jusos, der Jugendorganisation der SPD.



Ich bin seit vier Jahren bei den Jusos aktiv und kam über meinen Freundeskreis dazu. Damals waren die Schulhof-CDs der Neonazis im Umlauf. Da konnte ich nicht tatenlos zusehen und gründete kurzerhand eine Arbeitsgemeinschaft der Jusos. Dabei blieb es dann nicht, sodass ich heute Kreisvorsitzender der Jusos Waldshut bin und wir seither mehr und mehr junge Menschen für unsere sozialdemokratischen Ideen von Freiheit, Gleichheit und Solidarität gewinnen konnten.


Das bedeutet jedoch längst nicht, dass ich mit allen Entscheidungen der SPD einverstanden bin, doch es gibt einige Dinge, die mich als Historiker besonders stolz machen. Die SPD ist die älteste Partei Deutschlands. In dieser Zeit wurde Sie oft verfolgt, verhasst, verboten. Doch immer war es die SPD, die Deutschland in und nach Krisenzeiten anhand ihrer Werte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität wieder aufgebaut hat. Denken wir an das Ende des Ersten Weltkrieges und die Etablierung der ersten Demokratie auf deutschem Boden 1918/19 und das damit verbundene Frauenwahlrecht. Oder an die mutigen Reichstagsabgeordneten die als einzige gegen Hitlers Ermächtigungsgesetzt stimmten. Nicht zu vergessen Willy Brandt der mit seiner neuen Ostpolitik in den 1970er Jahren mit „Wandel durch Annährung“ das Ende des Eisernen Vorhangs einläutete.

Auch in den vergangenen Jahren hat die Partei in ihrem Programm und in ihrer Regierungszeit einige grundlegende Entscheidungen getroffen, die ich sehr begrüße. Dazu zähle ich den Ausstieg aus der Atomenergie, den ich allerdings stark gefährdet sehe, wenn eine schwarz-gelbe Mehrheit zustande käme. Die Einführung von Mindestlöhnen, weil ich es unverantwortlich finde, wenn man von seiner Arbeit nicht leben kann. Dabei ist längst nicht alles umgesetzt. Vehement fordert die SPD eine intelligente Bildungspolitik ein, die nicht von der Herkunft oder dem Geldbeutel der Eltern bestimmt werden darf.

Kanzlerkandidat Steinmeier hat in seiner Funktion als Außenminister sehr überzeugt. Für mich hat er das Zeug zum Kanzler. Seine internationale Erfahrung, sein bestimmtes Auftreten und Seriosität wird in den kommenden Jahren wichtig sein, um die Herausforderungen Klimawandel, Bildungsoffensive und Wirtschaftsaufschwung anzupacken.

Jetzt ist die Zeit gekommen sich aufzustellen für das neue Jahrzehnt und das Mögliche zu erreichen. Möglich ist auch Steinmeiers Deutschlandplan. Während andere Parteien sich noch über Sommerlöcher aus Spanien freuen, ist es die SPD die klare Konzepte auf den Tisch legt wie es mit der Wirtschaft, der Bildung – mit Deutschland im Allgemeinen weitergehen soll.



Oft wurde der Kanzlerin vorgeworfen sie sei zu sehr sozialdemokratisch. Das liegt zum großen Teil daran, dass sie kein eigenes Konzept besaß. Zum Glück kann man sagen, gab es die SPD als Koalitionspartnerin. Eine Schwarz-gelbe Koalition hätte Merkel wohl dazu veranlasst Gift mit Gift zu bekämpfen, sprich der Wirtschaftskrise mit einer noch freieren Marktwirtschaft zu begegnen.

Das führt mich unweigerlich zur bevorstehenden Wahl. Die Wahl wird für die SPD besser ausgehen, als die Prognosen es uns momentan zeigen. Die Wahl ist eine richtungsweisende. Konzepte aus dem letzten Jahrhundert müssen überdacht werden.

Für das neue Jahrzehnt sehe ich dringenden Bedarf in den zukunftsfähige Investitionen wie Bildung, erneuerbare Energien und ich glaube gerade junge Menschen sehen dies auch so. Deshalb erhoffe ich mir von den Wählern, dass sie möglichst jeden Bekannten mit zur Wahlurne nehmen und dann ein eindeutiges Wahlergebnis für die kommenden vier Jahre vorliegt mit der SPD weiterhin an der Regierung.

[Manuel Knapp, 22, kommt aus Bad Säckingen und studiert in Basel Geschichte und Wirtschaftswissenschaften.]

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