Mein Parteibuch: Piratenpartei

André Martens

Warum wird man eigentlich Mitglied in einer Partei? Gute Frage. In der heutigen Folge unserer fudder-Serie "Mein Parteibuch" erklärt André Martens, 38, aus Denzlingen, warum er Mitglied bei der Piratenpartei ist.


Manchmal könnte ich meinen, Teile meines Lebens seien vorherbestimmt. Vor meinem Studium zum Informatiker bin ich 2 Jahre lang als Navigator bei der Marine zur See gefahren und habe Deutschland verteidigt. Zeitweise war ich dort auf einem Versorger namens "Freiburg". Ironischerweise hat es mich Jahre später in genau diese schöne Stadt verschlagen.


Das Navigieren hat durchweg mein Leben bestimmt. In den 90ern habe ich einige Platten unter dem Pseudonym "Navigate" veröffentlicht und nun bin ich (38 Jahre und Familienvater) als "Navigator" bei den Piraten unterwegs und verteidige Deutschland erneut – gegen die, die das Grundgesetz aushöhlen und unsere Bürgerrechte einschränken wollen. Früher war ich eher unpolitisch, habe mir aber schon immer genau überlegt, wen ich wähle. Dabei war mein Anliegen hauptsächlich der Umweltschutz. Den kann ich mir aber kaufen, indem ich mich an Erneuerbaren Energien finanziell beteilige. Bürgerrechte sind dagegen nicht käuflich.

Mir selbst fiel die zunehmende Einschränkung von Bürgerrechten erst bei der Einführung der Vorratsdatenspeicherung auf und als Informatiker kamen mir viele Ideen, was man mit solchen Daten anstellen kann. Entsetzt musste ich dann mit ansehen, dass viele Politiker aufgrund des Fraktionszwangs für das Gesetz stimmten, obwohl sie genau wussten, dass es höchstwahrscheinlich grundgesetzwidrig ist. Ich schloss mich daher der Verfassungsklage gegen die VDS an. Ebenso war mir klar, dass ich nicht wollte, dass das BKA in geheimen Listen Webseiten führt, die man nicht mehr erreichen können soll. Das ist Zensur.

Dass ich aber vom Wirtschaftsminister als potentieller Pädophiler bezeichnet und von der Familienministerin als kleines Licht unter 134000, die die bisher größte Petition in der Geschichte der Bundesrepublik auf die Beine stellten, nur belächelt wurde, hat mich zur aktiven Parteiarbeit bei den Piraten gebracht.



Dort habe ich viele engagierte und intelligente Leute getroffen. Und ja, es war plötzlich weg – dieses dumpfe Gefühl der Passivität. Unsere Piratennatur ist, dass alle wunderbar digital vernetzt sind und die Dinge sehr strukturiert angehen.

Überall sehe ich leuchtende Augen, wenn wir neue Aktionen planen. Sofort werden die Ärmel hochgekrempelt oder die Netbooks aufgeklappt. Viel Zeit verbringe ich derzeit mit meinen Piraten-Kollegen an unserem Info-Stand in der Kajo, an dem wir mit Passanten sehr interessante Diskussionen führen. Schön ist, dass sich neben ITlern mittlerweile auch Handwerker, Fotografen und Musiker zur Partei gesellen – ganz zu schweigen von dem Zulauf aus anderen Parteien, wodurch wir auch Fachwissen außerhalb unserer Kernthemen bekommen. Jeder kann mitmachen und das ist schön.

Wir Piraten sind alle aus denselben Gründen hier und wollen etwas bewegen. Endlich ist sie da: die Politisierung einer ganzen Generation, die endlich das schaffen kann, was die Grünen schon damals wollten, aber denen die Technik dafür fehlte: echte Basisdemokratie. Das Internet ist dafür das Werkzeug und wir lassen uns das von denen, die aus purer Unwissenheit davor Angst haben, nicht kaputt machen. Es ist eine riesige Chance für uns alle – und für die Demokratie!

Ihr seid alle herzlich eingeladen mitzumachen, an einem der zahlreichen Stammtische teilzunehmen oder mit uns am Info-Stand zu diskutieren.

[André Martens, 38, kommt ursprünglich aus Wilhelmshaven, wohnt in Denzlingen, arbeitet seit 12 Jahren als Informatiker bei einem Freiburger Halbleiterunternehmen, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Mehr zu seiner Person  unter http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Navigator]



[Fotos: (cc) Luckyshot.de / fudder-User Whitestar]

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