Mein Parteibuch: FDP

Julia Zisgen

Warum wird man eigentlich Mitglied in einer Partei? Gute Frage. In der heutigen Folge unserer fudder-Serie "Mein Parteibuch" erklärt die Freiburger Soziologie-Studentin Julia Zisgen, 24, wie sie zur FDP kam.



Klar, gefragt hab ich mich schon öfter: Wieso tust du dir das an? Da war zum Beispiel dieser Samstagvormittag im Winter, am Abend vorher waren wir lange feiern gewesen und standen dann doch wieder um 10 am Stand, um für die FDP zu werben.


Der anfängliche Schneeregen hatte sich allmählich zum Schneesturm entwickelt, es war kalt und nass und die meisten Leute versuchten, möglichst unbehelligt an unserem Stand vorbeizukommen. Und nicht alle, die schließlich auf uns zukamen, wollten ernsthaft diskutieren: Derbe Sprüche und Pöbeleien, die nicht selten auf die sexuelle Orientierung unseres Parteivorsitzenden abzielen, scheinen für manche ein legitimes Mittel der politischen Meinungsäußerung zu sein; und nicht zu vergessen die Verschwörungstheoretiker, die natürlich die tieferen Einblicke haben und diese unbedingt mit uns teilen wollen.

Also: Wozu das Ganze?

Ich bin jetzt seit mehr als fünf Jahren Mitglied bei der FDP und bei den Jungen Liberalen. Am Anfang stand, wie bei allen Parteimitgliedern wohl, ein grundsätzliches Interesse an der Politik, dann der Wunsch, auch was bewegen zu wollen. Einem Bauchgefühl folgend, schaute ich bei den Jungen Liberalen vorbei, fand es nett und blieb dabei.



Wieso ausgerechnet die Liberalen? Das Image der Steuersenkungspartei hält sich hartnäckig – ich bin jedoch in erster Linie beigetreten, weil ich mich für eine wirklich offene und tolerante Gesellschaft einsetzen will, in der der Staat keine Lebensmodelle vorgibt, sondern lediglich die Rahmenbedingungen schafft, damit jeder sein Leben so gestalten kann, wie er das möchte. Wir Liberale sind der Meinung, dass es dem Staat nicht zusteht, die Privatsphäre seiner Bürger einzuschränken, genauso wenig wie er nur ein gültiges Familienmodell fördern sollte. Auch die herrschende Verbotskultur lehnen wir ab – in der Regel werden gesellschaftliche Probleme dadurch nicht gelöst.

Der Staat sollte viel eher dafür sorgen, dass alle Menschen beispielsweise durch eine gute Bildung die gleichen Chancen im Leben haben – es ihnen dann aber nach Möglichkeit selbst überlassen, wie und ob sie diese Chancen nutzen.

Klar, im politischen Tagesgeschäft geht es nicht immer um die großen Ideale. Da muss man schonmal stundenlang an einer Aktion feilen, um kleinste Formulierungen in Anträgen streiten und seine Samstage am Wahlstand verbringen. Das ist natürlich nicht immer lustig, aber unterm Strich muss ich sagen: Ich bin gerne in der FDP und bei den JuLis aktiv, weil ich hier Gleichgesinnte treffe, jede Menge lerne und vor allem schon enorm viel Spaß hatte.

Und ja, natürlich gibt es auch Dinge, die mich an der FDP stören! Ich würde mir beispielsweise wünschen, dass man mehr Gewicht auf Bürgerrechtsthemen legen würde und dass man dieses extrem wichtige Thema auch bei einer möglichen Regierungsbeteiligung konsequent durchsetzen kann. Ich weiß, dass die FDP viel mehr zu bieten hat als nur ein einfaches Steuerkonzept – aber sie sollte doch auch bitte dafür sorgen, dass das auch bei den Leuten ankommt.

[Julia Zisgen ist 24 Jahre alt. Sie kommt aus Mannheim und wohnt seit fünf Jahren in Freiburg, wo sie im 6. Semester Soziologie studiert.]

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