Mein Parteibuch: Die Linke

Peggy Borchert

Warum wird man eigentlich Mitglied in einer Partei? Gute Frage. In der heutigen Folge unserer fudder-Serie "Mein Parteibuch" erklärt Hebamme Peggy Borchert, 28, aus Winden im Elztal, warum sie Mitglied bei der Linken ist.



"Wenn es eine Partei gäbe, die soziale, menschenwürdige Politik vertritt, DANN würde ich mal wählen gehen." Gesagt - getan. Mit der Gründung der LINKEN sah ich endlich Realität werden, wofür es sich auch für mich zu kämpfen lohnt.


Ich bin Mitglied der LINKEN quasi von ihrer Geburtsstunde an.

Wie bei allen Geburten geht es auch bei einer Partei am Anfang manchmal turbulent zu. Strukturen müssen erarbeitet, Aufgaben zugeordnet, Profil gewonnen werden.

„Jedem Anfang liegt ein Zauber inne“, schreiben Hebammen manchmal auf die Glückwunschkarten der Neuankömmlinge. Ein wenig von dieser Romantik trug mich auch zur Gründungsversammlung, mitten in einen Pulk motivierter Menschen, die endlich wieder Hoffnung schöpften, aus jeder Alters-, Berufs- und Sozial“schicht“. Sie alle wussten, hier wurde etwas angefangen, das großes Potential hat. Weil alle hier ernsthaft einen Politikwechsel wollen, nicht nur „starke Opposition“ anstreben. Weil wir alle keine „politische Heimat“ hatten, spätestens nachdem sich die etablierten Parteien immer mehr einander annäherten, sodass am Ende heute niemand mehr so wirklich weiß, was eigentlich der Unterschied zwischen grün und liberal ist.



In Zeiten, in denen das Gelöbnis unserer Großeltern "Nie wieder Krieg!" aufgrund von Machtinteressen und Geldgier einfach ausgehebelt wird, ist es mehr als nötig, dass sich Menschen in einer politischen Vereinigung verbinden, die das einzige Gegengewicht zur momentanen Kriegsverharmlosung im deutschen Parlament darstellen.

Zeiten, in denen junge Menschen die einzige Alternative zu Billiglöhnen, Hartz IV und/oder sklavenähnlicher Haltung als sogenannte Leiharbeiter darin sehen, "für gutes Geld" im Ausland Befehle zu befolgen und ihr Leben zu riskieren in Kriegen über deren Hintergründe sie die Agentur für Arbeit vorsichtshalber im Halbklaren lässt. Es ist ein Skandal, wie hierzulande für den "Beruf Soldat" geworben wird, sogar vor Schulen machen die Rekrutierer/innen nicht Halt. In einem Europa der Aufrüstung und in einem Deutschland der geleugneten Kriege möchte ich nicht leben.

Deutschland ächzt unter der Wucht der Ungerechtigkeiten und immer größer werdenden Kluft zwischen sozialen „Klassen“: arme, alleingelassene, kranke Senior/innen in einer reichen Gesellschaft; hungernde Menschen in Zeiten, in denen tonnenweise Essen im Müll landet; Kinder, die tagtäglich Gewalt ausgesetzt sind, weil Jugendämter nicht genug Geld und Richter/innen nicht genug Fortbildungen bekommen…

Unser Gesundheits- und Pflegesystem gleicht eher einem bunten und laut quietschenden Kuriositätenmarkt denn einer stabilen Basis mit der sich Menschen gut aufgehoben oder gar abgesichert fühlen können.

Gleichstellung ist immernoch meist eher ein schönes Wort denn politische Realität – sei es im Bereich der Frauenpolitik, der Kinderrechte oder für Menschen mit Behinderungen.

In meinem Beruf habe ich tagtäglich mit Menschen zu tun, die Opfer beabsichtigter Systemlücken sind und muss – für sie und auch berufspolitisch - immer wieder von neuem um die Anerkennung simpelster Grundbedürfnisse kämpfen.

Keine andere Partei sieht sich soviel Häme und Abwehr gegenüber wie wir. Und das aus reiner Unwissenheit und unreflektierter Angst vor „Sozialisten und Kommunisten“.

Deshalb macht Wahlkampf dann noch mehr Spaß, weil es so viel Aufklärungsarbeit zu tun gibt. Direkte Demokratie funktioniert nur mit uns „Normalbürger/innen“, die von der Basis aus mitbestimmen, wie die Gesellschaft sein soll. Und da ist Wahlkampf für die LINKE eigentlich nicht sehr schwer… wer einmal verstanden hat, was in Deutschland und der Welt wirklich passiert, kann gar nicht anders als nach links zu gehen.

Warum die LINKE meine Partei ist? Ich finde, die Tatsachen sprechen für sich. „Das Private ist politisch“ war ein Schlagwort der revoltierenden Generation vor uns. Deshalb ist links persönliche Positionierung und politische Notwendigkeit gleichermaßen.

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