Mein Parteibuch: Bündnis 90/Die Grünen

Katrin Jöllenbeck

Warum wird man eigentlich Mitglied in einer Partei? Gute Frage. In der heutigen Folge unserer fudder-Serie "Mein Parteibuch" erklärt Studentin der Sozialen Arbeit Katrin Jöllenbeck, 26, aus Freiburg, warum sie Mitglied bei den Grünen ist.




"Bündnis 90/Die Grünen unterstützen ein Umsteigen von atomarer auf regenerative, zukunftsträchtige Energie. Die Tatsache, dass die Bündnisgrünen ein Umsatteln nicht nur gutheißen, sondern auch aktiv fördern, gefällt mir sehr.

Als Kind blickte ich von meinem Kinderzimmerfenster aus auf ein Kernkraftwerk. Nachts blinkten dort manchmal rote Lichter und ich fand keine Erklärung dafür. Natürlich empfand ich das als beunruhigend. Das war sicherlich ein Grund, warum ich früh begann, mich mit dem Thema alternative Energieversorgung auseinanderzusetzen.

Spätestens als ich Bilder sah, die nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl dort in der Gegend aufgenommen wurden und ich erkannte wie weitreichend, langanhaltend und tödlich ein solcher Unfall war, konnte ich nicht anders als mich für einen Ausstieg aus der Atomenergie auszusprechen und die Initiation alternativer Energiequellen zu fördern. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man jemanden unterstützen kann, dessen Politik einen Atomausstieg in absehbarer Zeit nicht vorsieht. Wie man ohne mit der Wimper zu zucken eine Politik unterstützen kann, die altersschwache Atommeiler nicht vom Netz nehmen, sondern ausgebessert ans Netz zurücklässt, muss mir jemand erklären. Am Besten eine junge Person, die gerade Mutter oder Vater geworden ist.

In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam ich zum ersten Mal mit dem Thema Gentechnik in Berührung. Schüler der oberen Jahrgangsstufen besetzten Felder im Nachbarort, auf denen zu Versuchszwecken Genmais ausgebracht werden sollte. Wir gründeten eine Projektgruppe, die ihren Fokus auf das Thema genveränderte Lebensmittel haben sollte. Wir trafen uns mit Menschen aus Führungsetagen großer Konzerne, die uns erklären wollten, warum Gentechnik so wertvoll für die Menschheit war. Aber wirklich überzeugen konnten sie uns nicht. Wir waren nicht die unwissenden Schüler, die man abkanzeln konnte, bevor man zum nächsten Meeting ging.

Es ist nicht neu, dass die Spätfolgen der Gentechnik noch nicht so weit bekannt sind, dass man sie unbedenklich einsetzen könnte. Damals wurde uns aber gesagt, dass eine Saat, aus der man garantiert erntete, weil ihre natürlichen Schädlinge tot waren, ein Gewinn für die Menschheit sei. Endlich sei es möglich, Menschen, die Hunger litten, zu versorgen. Das klingt wunderschön, aber da bis heute nicht bekannt ist, was gentechnisch verändertes Saatgut mit uns und unserer Umwelt tut und weil es die Artenvielfalt einschränkt, halte ich es für falsch, Genmanipulation zu fördern. In den Grünen fand ich eine Partei, die sich für die gleichen Dinge stark macht und gleiche Dinge verurteilt wie ich.

Bedingt durch mein Studium setze ich mich mit sozialer Benachteiligung auseinander und muss immer wieder erkennen, dass hier der Zugang zu Bildung eine Schlüsselrolle spielt. Im Beruf angelangt, ist es eine Tatsache, dass die Stellen, in denen man gute Einkünfte hat, denjenigen vorbehalten sind, die eine gute Ausbildung genießen durften. Berufe, die wenig einbringen und einen zwingen, weitere Jobs anzunehmen, um sich über Wasser zu halten, werden heute von sozial Schwachen ausgeführt. Von Migranten, Kranken, Alten, Behinderten, Frauen. Von Menschen die keine (starke) Lobby haben und es einem leicht machen sie zu vergessen. Menschen die sich Gedanken über die Finanzierung des nächsten Tages machen müssen und denen die Frage danach, wohin der nächste Urlaub gehen wird, fremd ist. Es ist nachgewiesen, dass das Aufwachsen eine große Rolle dabei spielt, zu welchen Bildungsressourcen wir Zugang haben.

Es ist nicht richtig, dass Menschen aufgrund von ungleichen Startbedingungen unterschiedliche Ausbildungschancen und somit auch ungleiche Berufschancen haben. Die Grünen wollen, dass die Ausgaben für mehr Chancengleichheit in der Ausbildung aufgestockt werden. Sie stehen ein für ein neues System zur Unterstützung - durch staatliche Leistungen und Eigenfinanzierung. Und setzen sich für eine Stärkung des Grundrechts auf Bildung ein. Zu guter Letzt bin ich davon überzeugt, dass für jedes Kind ein Platz in einer Kindertagesstätte in seiner Nähe zur Verfügung stehen muss. Ich halte das aus verschiedensten Gründen für immanent: Erstens, weil Bildung bereits in jüngsten Jahren beginnt. Sowohl die schulische als auch die Ausbildung eines Sozialverhaltens. Zweitens kann eine zufrieden stellende Betreuung nur dann stattfinden, wenn ausreichend geschultes Personal zur Verfügung steht. Eine Erzieherin oder ein Erzieher kann erst dann angemessen auf individuelle Stärken und Schwächen eines Kindes eingehen, wenn sie oder er sich nicht zusätzlich um eine große Menge anderer Kinder kümmern muss.

Auch müssen pädagogische Fachkräfte eine angemessene Entlohnung für ihren wichtigen Einsatz für die Gesellschaft erhalten. Es ist falsch, dass ein Experte der EDV deutlich mehr verdient als jemand, dem wir unsere Kinder anvertrauen. Momentan erhält ein Drittel aller im pädagogischen Bereich Tätigen durchschnittlich nur 1500 € monatlich. Um diese Ungerechtigkeit zu beenden, ist es den Grünen ein Anliegen, dass in die Kinderbetreuung mehr Geld gesteckt wird.

Es ist falsch, dass jemand, der in eine Teilzeitbeschäftigung wechselt, um einen Angehörigen (z. B. ein Kind) zu betreuen oder (eine alte Person) zu pflegen, dafür ungleich behandelt wird. Solchen Menschen droht aber oft Armut im Alter, da sich der Rentenanspruch durch die kürzeren Arbeitszeiten schmälert. Dieses Problem ist ein vorwiegend weibliches. Über ein Drittel aller Frauen sind EU-weit in Teilzeit beschäftigt, wohingegen es nur 8% der männlichen Beschäftigten sind. Dafür, dass sie einen Teil ihres Verdienstes opfern, um sich Angehörigen anzunehmen, werden sie heute abgestraft, indem sie weniger verdienen.

Der Kinderwunsch eines Paares darf aber nicht von finanziellen Aspekten beeinflusst werden. Es muss die Möglichkeit bestehen, Familie und Beruf zu verbinden. Hierfür ist eine flexiblere Arbeitszeit, ein familienfreundlicheres Betriebsklima und qualifizierte Ganztagesbetreuung von Kindern wichtig..

Alle diese Themen sind mir wichtig und sind auch für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN von Interesse. Meine Visionen decken sich so zu einem großen Teil mit denen der Bündnisgrünen und da ich schon lange wünsche, mich aktiv zu beteiligen, war ein Parteieintritt für mich ein konsequenter Schritt.

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