"Mein Herz schlägt fürs Kiez57": 340 Postkarten an das Ordnungsamt

Daniel Laufer

Egal wie gut die Stimmung ist: Spätestens um 24 Uhr muss das Kiez57 schließen, unter der Woche sogar schon früher. Vor über einem Jahr hat die Stadt Freiburg die Sperrzeiten der Kneipe vorverlegt. Jetzt wehren sich die Gäste und schicken 340 Postkarten ans Ordnungsamt. fudder veröffentlicht sie:



1. Mein Herz schlägt fürs Kiez57, weil ich hier meine Frau kennengelernt habe

2. Mein Herz schlägt fürs Kiez57, weil ich nicht möchte, dass meine Stadt immer weiter in langweiligem Durchschnitt versinkt


3. Wer dieser Kneipe Steine in den Weg legt, frisst auch kleine Kinder!

4. Das Kiez die einzige Kneipe in Freiburg ist, in der man ganz entspannt Tatort schauen und dabei mitgebrachtes Essen verzehren kann

5. Ein Hauch Hamburg im Herzen des Schwarzwalds!

6. Mein Herz schlägt fürs Kiez57, weil ich hier meinen Traummann getroffen habe. Er saß an der Bar und wir haben zusammen Tatort geschaut. Jetzt sind wir verheiratet.

7. Ich arbeite in einer Fabrik und nach einem harten Arbeitstag stelle ich mir gerne mal zehn Bier rein – am liebsten im Kiez57!

8. Mein Herz schlägt fürs Kiez57 weil ich als Tourist extra aus Leipzig angereist bin und auch im schönen Freiburg länger feiern will!

9. Mein Herz schlägt fürs Kiez57 weil ich nebenan wohne und es zu unserem Kiez gehört!

10. In anderen Städten – ich komme aus Stuttgart – wäre es eine Schande, so eine Location diesen unfairen Regeln zu unterwerfen!

Diese Sätze stehen auf Postkarten, die ans Ordnungsamt adressiert sind – beschriftet von Gästen des Kiez57. In den vergangenen drei Monaten sind 340 Stück zusammengekommen. "Wir wollen so zeigen, was das Kiez dem ein oder anderen bedeutet", sagt Wirtin Rebecca Lägeler.

Die Kneipe in der Belfortstraße  kämpft weiter gegen die Auflagen der Stadtverwaltung. Seit einem Gerichtsurteil im April 2014 sind die Sperrzeiten vorverlegt: Unter der Woche ist um 23 Uhr Schluss, am Wochenende eine Stunde später. Es ging um Lärm, der damalige Betreiber hatte sich nicht an Vorgaben gehalten und so den Zorn des Bürgerforums Sedanquartier auf sich gezogen.

"Der Vorbetreiber hat sicherlich gegen einige Auflagen verstoßen, aber gleich so durchzugreifen? Ich weiß ich nicht, ob man das so stehenlassen sollte", so Lägeler. Im September des vergangenen Jahres hat sie das Kiez57 übernommen und neueröffnet. "Wir haben die Schnewlinstraße vor der Tür, die recht laut ist. In unserem Viertel gibt es außerdem das Crash, das Drifter‘s, das Jazzhaus und den Eimer. Man kann nicht mitten in die Stadt ziehen, wenn man die Ruhe vom Land erwartet."

Zuletzt hat Lägeler im Frühjahr einen Antrag bei der Stadt gestellt. "Am liebsten wäre es der Stadt wahrscheinlich, würden wir ganz zumachen," sagt sie. Jetzt will sie den Sommer noch abwarten – dann, fürchtet sie, könnte es eng werden. "Wenn die Stadt nicht bereit ist, unsere Öffnungszeiten zu ändern, wird sich zeigen, wie lange wir uns noch halten können."'



Mehr dazu:

[Fotos: fudder/Archiv]

Postkarten:

Anmerkung: Aus technischen Gründen können wir leider nur die 200 besten anzeigen. In einigen Fällen wurden Namen und Adressen für die Veröffentlichung nachträglich entfernt.

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