Mein erstes Mal: Vom Zehn-Meter-Turm springen

Fabian Thomas

"Bloß nicht runterschauen. Und bloß keinen Bauchklatscher." Das hat sich fudder-Autor Fabian Thomas gesagt, als er auf dem Zehn-Meter-Turm des Freiburger Westbads stand. Wer mitzittern will, liest weiter.

Es sind nur vier Sekunden, die ich ganz oben stehe. Unter mir ist das menschenleere Sprungbecken. Bloß nicht runterschauen. Und bloß keinen Bauchklatscher. Nicht aus zehn Metern. Drei, zwei eins – aber von vorne.


Keine 15 Minuten früher habe ich den Bademeister gefragt, ob ich vom Zehn-Meter-Brett springen darf. Und ob er mir einen Tipp geben kann, weil ich das noch nie gemacht habe.

Drei-Meter-Brett: Easy, oder?

"Arbeite dich ran", hat er gesagt. Also habe ich einfach angefangen: Vom Drei-Meter Brett bin ich schon oft gesprungen. "Easy", denke ich, als ich die Leiter hochklettere. Als ich oben stehe, finde ich es nicht mehr so easy. Das Brett sieht aus wie einer dieser Planken, von denen Piraten ihre Feinde ins Meer stoßen. Ich schaue mich um. Keine Piraten im Westbad heute. Ok cool.

Die drei Meter fühlen sich schon hoch an. Ich sehe durch das Wasser bis zum Boden des Beckens. Fünf Meter ist es tief. Meine Strategie ist sehr einfach. Erstens nicht viel nachdenken. Zweitens mit den Füßen voran springen. Das empfiehlt zumindest Google, wenn man "10 Meter Turm Tipps" eingibt.

Also vergesse ich die Piraten und springe. Es läuft gut. Der Bademeister ist zufrieden. Drei Mal höher wird es jetzt noch. "Kacke, Kacke, Kacke".

Sieben-Meter Turm: Nicht daneben springen!

Auf Reisen lernt der Mensch am meisten? Von wegen! Schon ein Besuch im Westbad um die Ecke kann dich an deine Grenzen bringen. Günstiger als ein Flugticket ist es auch. Drei Euro kostet die Grenzerfahrung Zehn-Meter Brett.

Und von der trennen mich jetzt nur noch drei Meter. Denn ich stehe auf dem Sieben-Meter Turm. Etwa 1,2 Sekunden lang werde ich fallen. Aus zehn Metern sind es schon 1,5 Sekunden. Dabei beschleunigt der Körper auf 50 Kilometer pro Stunde. Ich hoffe sehr, dass ich nicht daneben springe.

"Shit, jetzt habe ich auch noch Zuschauer."

Als ich im Wasser lande weiß ich: Gleich ist es soweit. Jetzt warten die zehn Meter auf mich. Der Bademeister nickt. Er sagt den Mädchen, die vom Dreier springen, dass sie das Becken verlassen sollen. Shit, jetzt habe ich auch noch Zuschauer. Ich klettere die erste Leiter zum Fünf-Meter Brett hoch. Die zweite, auf der ein "Betreten verboten"-Schild hängt. "Einfach drüberklettern", meinte der Bademeister. Und dann die letzte Leiter, die zum Zehn-Meter-Turm führt. Jetzt bin ich oben.

Zehn-Meter-Turm: Nicht viel nachdenken!

It’s lonely at the top. Und still vor allem. Es gibt zwei kleine Podeste, die noch höher sind - zwölf Meter wahrscheinlich. Gott sei Dank springe ich nicht von denen. Die grünen Stahlträger des Westbads sind mir auf einmal ganz nah. Ich will nicht nach vorne gehen. Weil man da sieht, wie tief es geht. Und es geht verdammt tief. Mir wird schwindelig. Ich schaue kurz runter und überlege mir, wie ich gleich springe. Nicht viel nachdenken und mit den Füßen voran – so schwer ist es nicht.

Ich gehe nach vorne. Meine Zehen berühren die Luft. Manchmal muss man einfach ins Unbekannte springen. Beim ersten Vortrag, den man hält, bei der ersten Reise ohne Eltern, beim ersten Kuss. Meistens lohnt es sich danach. Im Westbad kann man das üben. Dann lehne ich mich nach vorne und zähle 3, 2, 1 – Los.

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