Mein erstes Mal – auf Langlaufskiern im Schwarzwald

Maike Sommer

Klassisch oder Skating: Das sind die beiden Stile beim Skilanglauf. Was sich eher für Anfänger eignet und wie sich die ersten Kilometer in der Loipe anfühlen, beschreibt unsere Autorin im Selbsttest. Spätestens bei Kilometer Acht bekommst Du Mitleid.

Wintersportarten haben mich schon immer fasziniert: Ski Alpin fahre ich, seit ich acht Jahre alt bin und Biathlon, Nordische Kombination, Skispringen und Co. habe ich mit großer Begeisterung im Fernseher verfolgt. Nur dachte ich bislang immer, Langlaufen sei langweilig, anstrengend und kein Sport für mich. Diesen Winter habe ich beschlossen, diese Sportart selbst auszuprobieren und mir ein Bild zu machen.


Der Schwarzwald ist ein Paradies für Skilangläufer, egal ob klassisch oder Skating. Die Region bietet laut Schwarzwald Tourismus insgesamt rund 2000 Kilometer gespurte Loipen. Auf Rundwegen und Langstrecken können Anfänger wie Profis durch den Schnee gleiten oder die Technik in verschiedenen Schulen lernen. Auch für Wettkämpfe und Weltcups ist der Hochschwarzwald eine beliebte Gegend.

Ausrüstung geliehen

Ausgeliehen habe ich mir die Ausrüstung für 16 Euro im Nordic-Center am Notschrei. Wichtig sind passende Schuhe und die richtige Bindung, aber auch die Länge der Skier und der Stöcke müssen auf die Körpergröße angepasst werden. Ausprobiert habe ich sowohl das klassische Langlaufen als auch Skating.

Ohne Vorerfahrung beginnt man am besten klassisch. Die Stöcke sollten für die klassische Technik bis unter die Achseln reichen. Für die richtige Skilänge sollte man je nach Können auf die eigene Körpergröße 20 Zentimeter aufrechnen, in den Verleihstationen wird man über alles informiert.

Abkürzung genommen

Die Sportkleidung soll wetterangemessen, atmungsaktiv sein und warmhalten. Die 17, 2 Kilometer lange Schauinsland-Loipe habe ich mit der sogenannten Abkürzung 2b auf 8,2 Kilometer verkürzt.

Die klassische Technik wird in gespurten Loipen ausgeführt, es gibt verschiedene Techniken fürs Fahren in unterschiedlichen Intensitäten. Ohne Vorerfahrungen beginnt man am besten mit der Diagonaltechnik. Diese Bewegung ist dem Laufen am ähnlichsten. Nach dem Abdrücken vom Boden folgt eine Gleitphase, Arme und Beine werden im Wechsel diagonal zueinander in die Fahrtrichtung bewegt.

Schuppen gegen den Rückwärtsgang

Am mittleren Laufflächenteil sind auf der Unterseite der Skier Schuppen angebracht, die das Rückwärtsrutschen beim Abdrücken verhindern. Beim Gleiten sollten die Schuppen den Schnee bestenfalls nicht berühren, um nicht zu bremsen, was für Anfänger allerdings häufig schwierig umzusetzen ist. Der Einsatz der Arme ist bei beiden Langlaufstilen genauso wichtig wie die Beinbewegung.

Bei meinen ersten Versuchen bin ich einige Mal gestürzt, was bei den geringen Geschwindigkeiten allerdings ungefährlich ist. Auch war der Sport sehr anstrengend und hat ganzen Körpereinsatz gefordert.

Bewegung wie beim Inlineskating

Fürs Skating benötigt man Stöcke in Kinnlänge und Skier, die 10 Zentimeter länger als die Körpergröße sind. Man hat keine Spur, sondern einen gewalzten Weg. Schwierig ist, sich beim Fahren an kantenlose Skier zu gewöhnen, die anders als beim alpinen Skifahren relativ leicht seitlich wegrutschen. Die Bewegung ähnelt dem Inlineskating oder Schlittschuhlaufen.

Ich finde die Technik beim Skating anspruchsvoller und schwieriger, führt man sie nicht richtig aus, ist der Sport sehr anstrengend. Aber die Grundbewegung des Skatings macht mir persönlich mehr Spaß und begeistert mich auch beim Zuschauen der Leistungssportler im Fernsehen.

Gleiten ist nicht einfach

Auch hierbei kann man zwischen verschiedenen Stilen und Bewegungsabläufen unterscheiden. Man stößt sich seitlich mit den Skikanten und gleichzeitig mit beiden Stöcken nach vorne ab, um ins Gleiten zu kommen. Diese Technik habe ich versucht, aber man kann auch ohne Stöcke oder asymmetrisch skaten. Schwierig war es für mich, ins Gleiten zu kommen, wodurch es anstrengender ist.

Üben kann man dies am besten, indem man ohne Stöcke fährt, ein Ski in der Luft führt und sein ganzes Körpergewicht auf den Bodenski überträgt, um ins Gleiten zu kommen, bevor man das Bein wechselt. Diese Technik habe ich mir vorher im Internet und in YouTube-Tutorials angeschaut. Auch war die Schauinsland-Loipe mit 150 Höhenmetern nicht die beste Übungsloipe. Zum Einsteigen kann ich eine Loipe mit wenig Steigung empfehlen. Finden kann man Loipen in allen Schwierigkeitsstufen auf dem Loipenportal.

Muskelkater am ganzen Körper

Skilanglauf fordert den ganzen Körper und fast alle Muskelgruppen. Beine, Arme, Schultern und auch Bauchmuskeln wurden aktiviert, was sich bei mir am nächsten Tag mit Muskelkater gezeigt hat. Aber aufgrund der Ganzkörperbelastung ist es eine der gesundesten Sportarten und fordert sowohl Kraft als auch Ausdauer.

Traumhafte Ausblicke

Genießen kann man beim Sport wunderschön beschneite Winterlandschaften, ob Märchenwälder, offene Felder oder das Rücklegen von Höhenmetern mit anschließendem Ausblick über die umliegende Landschaft. Es ist eine Sportart, die man sowohl alleine als auch zusammen mit anderen machen kann.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man weniger Schnee braucht, als fürs alpine Ski fahren. Außerdem spart man Geld, da man keine teuren Liftkarten kaufen muss. Persönlich bin ich vom Langlaufen sehr begeistert und kann es nur weiterempfehlen.

Keine Langeweile

Langweilig war es überhaupt nicht und es lohnt sich, Ausdauer und Kraft zu trainieren und an die eigenen Grenzen zu gehen, um zu sehen, was der eigene Körper leisten kann. Besonders, wer beim Joggen Schmerzen in den Knien hat, findet im Langlauf eine gute Methode, Ausdauer gesundheitsschonen zu trainieren und dabei die traumhafte Winterlandschaft zu genießen.

Es ist möglich, sich das Langlaufen selbst beizubringen. Aber besonders beim Skating ist die Technik anspruchsvoll. Wer Langlaufen lieber in einem Kurs lernt, hat im Schwarzwald viele Möglichkeiten.

Es gibt zum Beispiel die Nordic-Schule am Notschrei, die Skischule Hirt in Titisee-Neustadt, die Skischule Bernau und viele andere. Wer sich das Langlaufen selbst beibringen will, braucht Geduld, aber ich finde, das Dranbleiben lohnt sich. Ich hatte viel Spaß und möchte diesen Sport auf jeden Fall lernen und weiterempfehlen.

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