Mehrheit im Gemeinderat stimmt für den Freiburger Booking Fonds

Valentin Heneka & Anika Maldacker

Wer innovative Bands und DJs nach Freiburg holt, soll gefördert werden: Das ist die Idee hinter dem Freiburger-Booking-Fonds, die mit dem Gemeinderatsbeschluss am Dienstag Realität wird.

Ein Topf zur Förderung Freiburger Konzert- und Party-Veranstalter, deren Programm eine Jury für förderungswürdig erachtet: Mit dieser Idee trat der Freiburger Student und Veranstalter Deniz Binay Ende 2018 an die Öffentlichkeit. Am Dienstag stimmte der Freiburger Gemeinderat im Rahmen der Abstimmung zum Doppelhaushalt 2019/2020 für das Konzept.


45.000 Euro für Freiburgs Pop- und Clubkultur

JPG-Fraktion, Grüne und die Unabhängigen Listen (UL), brachten das Thema mit jeweils eigenen Änderungsanträgen am Haushaltsentwurf der Stadtverwaltung in die Verhandlungen ein. Die Stimmen von CDU und FDP verhalfen in zweiter Lesung dem Antrag der Grünen zum Erfolg, der 15.000 Euro für 2019 sowie 30.000 Euro für 2020 vorsieht. Die SPD hielt sich bei diesem Antrag zurück, befürwortet den Booking-Fonds aber ebenfalls und hätte bei einem der anderen Anträge abgestimmt.

Der ursprüngliche Antrag der JPG-Fraktion über jeweils 25.000 Euro fand keine Mehrheit – und wurde deshalb zurückgezogen. Die Stimmung von Simon Waldenspuhl (JPG), mit Timothy Simms (Grüne) einer der ersten Unterstützer der Initiative im Gemeinderat, trübt das nicht. "Ich freue mich wahnsinnig, dass der Rat den Booking-Fonds unterstützt. Das Geld kommt dem Nachtleben in seiner ganzen Breite zu Gute und Freiburg wird zum bundesweiten Vorreiter hinsichtlich der Verbindung von Kulturförderung und Digitalisierung", so Waldenspuhl.

Digitalisierte Kulturförderung

Damit meint Waldenspuhl die Online-Plattform, über die laut Konzeptpapier des Booking-Fonds die Antragstellung erfolgen soll, digital und unbürokratisch. Auch die zu bildende Jury soll über die Plattform gewählt werden, ihre Beschlüsse für Antragsstellende und Öffentlichkeit in Echtzeit einsehbar sein. Initiator Deniz Binay, der den Erfolg am Abend mit Unterstützerinnen und Unterstützern feiert, ist ebenfalls glücklich: "Bei uns herrscht Aufbruchstimmung, wir haben mehr bekommen, als erträumt."

Die nächsten Schritte sind laut Binay die Eintragung des Booking-Fonds-Vereins, die bisher noch nicht erfolgt ist – obwohl der Gemeinderat mit der Entscheidung vom Dienstag die Förderung vorsieht. Weitere Gelder, etwa Spenden von Firmen und Privatpersonen, müssen ebenfalls gesammelt und die Online-Plattform entwickelt werden. Anfang 2020 könnten erste Zuschüsse an Freiburger Veranstalterinnen und Veranstalter fließen.

Dass der Gemeinderat Geld für ein Projekt vorsieht, dass noch in den Anfangsschuhen steckt, ist zulässig, aber nicht der übliche Weg. "Das Geld wird erst ausgezahlt, wenn der Verein eingetragen ist", sagt Rathaussprecher Toni Klein. Würde das Projekt nicht zustande kommen, gäbe es kein Geld. Im Kulturbereich sei so ein Ablauf nicht ungewöhnlich. Grünen-Stadtrat Timothy Simms verweist auf die anstehende Abstimmung im städtischen Kulturausschuss, der dem Konzept noch zustimmen muss. "Dort wird das Konzept an ein paar Stellen sicher nachgebessert werden", sagt Simms. Über die Zusammensetzung der Jury und die Funktionsweise der Software, die bei der Vergabe helfen soll, müsse noch diskutiert werden, erklärt Simms. "Aber wir unterstützen die Idee, etwas Neues für das Nachtleben auszuprobieren", sagt Simms.



Wie funktioniert der Fonds?

Grundsätzlich soll eine Förderung für alle popkulturellen Bookings beantragt werden können. Eine auf zwei Jahre gewählte Jury aus Fachleuten aus Musik- und Veranstaltungsbranche vergibt Punkte entlang eines Bewertungsleitfaden. Das Konzept des Fonds berücksichtigt dabei wirtschaftliche, musikalische und ideelle Kriterien. Besonders gute Chancen haben demnach Bookings, die ohne Zuschüsse nicht durchführbar wären und die bedeutsame Künstlerinnen oder Künstler nach Freiburg holen, die sonst selten in der Region auftreten. Auch wer auf ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis und internationalen Austausch achtet, hat bessere Chancen.

Die Fördersumme ist dabei gedeckelt: Pro Antrag bekommt niemand mehr als 2,5 Prozent der jährlich im Fonds verfügbaren Summe, mehr als 20 Prozent des durchschnittlichen deutschen Bruttojahreseinkommen oder mehr als 50 Prozent der gesamten Gage. Business- oder Erste-Klasse-Flüge werden nicht gefördert, Kosten zu Gagen, Reise, Unterbringung, Catering, Agenturprovisionen oder spezielle Technik hingegen schon. Pro Jahr können Antragsteller für höchstens zwei Partys oder Konzerte Förderung beantragen.

Zuschüsse für weitere Nachtleben-Institutionen

Neben dem Booking-Fonds können sich weitere Institutionen des Nachtlebens und der Kulturszene über Zuschüsse freuen: Die Vereine Multicore und Bretterbude, die sich im ersten Fall für Livemusik und ein Musikzentrum am Güterbahnhof, im zweiten für Vielfalt in der elektronischen Musik einsetzen, werden neu in die institutionelle Kulturförderung der Stadt aufgenommen. Multicore bekommt insgesamt 30.000, die Bretterbude 14.000 Euro.

Kulturaggregat und Slow Club, die seit dem letzten Doppelhaushalt gefördert werden, erhalten durch erfolgreiche Anträge der Gemeinderatsfraktionen jeweils mehr, als im Haushaltsentwurf der Stadtverwaltung vorgesehen: das Kulturaggregat insgesamt 35.000 Euro, der Slow Club 20.000 Euro. Auch das Jazzhaus bekommt mehr Geld als ursprünglich vorgesehen.

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