"Mehr als nur Sitzen": Interview mit Stephan Landschütz, dem Erfinder des Sporthockers

Simone Werner

Sportgerät oder Möbelstück: Der Sporthocker ist irgendwie beides. Am Samstag kommt das stylische Teil in den Klub Kamikaze. Und mit ihm Stephan Landschütz, sein Erfinder. Wir haben ihn gefragt, was das Ganze überhaupt soll - und verlosen einen Sporthocker!



fudder: Stephan, du warst drei Jahre in Folge amtierender Hocker-Weltmeister (2007 bis 2009) und hast den Sporthocker sogar erfunden. Wie fühlt es sich an, den Titel auf einmal abgeben zu müssen?


Stephan Landschütz:
Ich hab schon so viele Battles gewonnen und drei Weltmeistertitel. Wenn sich einer meiner Kollegen den Titel holt, dann gönn ich's ihm. Sogar voll gerne - wenn er ihn verdient hat, also die Jury richtig entschieden hat. Wenn ich heute noch ab und zu an Contests teilnehme, dann klappt's auch mit dem Preise absahnen.

Wie würdest du jemandem erklären, was Hockern ist?

Hockern ist eine Mischung aus Skateboarden, Jonglage, Parkour, Breakdance und Sitzen. Die Ursprünge liegen allerdings schon im Zirkus- oder Varieté-Bereich. Auch dort hat man schon mit Möbelstücken experimentiert. Wie genau es aussieht, wenn jemand hockert, kann man sich nur schwer vorstellen, deshalb gibt es Videos. Dort erklärt es sich ziemlich schnell. Hockern ist auf jeden Fall weitaus mehr als nur Sitzen.

Wie bist du zum Hockern gekommen?

Ich hab in Kiel Produktdesign studiert. Kiel ist die einzige deutsche Stadt, in der man einigermaßen Wellenreiten kann, und da ich nicht nur skateboarde, snowboarde, sondern auch surfe, bin ich dort gelandet. Aufgewachsen bin ich aber in Stuttgart. 2006 hat mir mein Mitbewohner dann vom Hocktoberfest in Kiel erzählt. Dort haben zehn Chaoten Tricks mit Möbeln gemacht und mich damit ziemlich begeistert.

Damals hatten die Tricks allerdings noch relativ wenig mit denen zu tun, die man heute aus den Videos kennt. Der Begriff „hockern“ wurde also in Kiel definiert, und da die Stadt ungefähr so groß wie Freiburg ist, bekommt man ziemlich schnell mit, wenn dort irgendwas Außergewöhnliches im Gange ist.

Dadurch dass ich Produktdesign studiert und zusammen mit einem Bruder schon andere Sportgeräte erfunden habe, haben wir zwei direkt angefangen, einen normalen Hocker mit Tape, Alu und Schaumstoff umzubauen, damit er stabiler wird. Alle, die damals gehockert haben, wollten diesen Prototypen dann haben, weil man mit unseren Geräten eben am besten hockern konnte.

Damit sich die Sportart weiter entwickeln konnte, brauchten wir jedoch ein richtiges Sportgerät, nicht nur einen Prototypen. Denn jemand, der nicht aus Kiel, sondern zum Beispiel aus Hamburg kommt, kann den Sport nicht beginnen, ohne das Know-how, das wir damals in den Prototypen gesteckt haben.


[Stephan Landschütz, der Erfinder des Sporthockers]

Und dann wurde aus Spaß Ernst?


Genau, nur dass der Spaß natürlich geblieben ist. Ich hab damals schon meine Diplomarbeit über das Hockern geschrieben. Ich muss dazu sagen, dass es nur ganz wenige Diplomarbeiten gibt, die überhaupt realisiert werden. Die meisten landen als Konzept in der Schublade. Meine eben nicht. Nach dem Studium habe ich mich mit SALZIG Sporthocker direkt selbstständig gemacht. Jetzt besteht mein Alltag daraus, Shows vorzubereiten, Workshops zu geben, Events zu organisieren und das Marketing zu leiten.

In der Öffentlichkeit: Wie reagieren die Leute auf dich und deinen Hocker?

An eine Reaktion auf eines der ersten Hocker-Videos, das wir damals auf dailymotion hochgeladen haben, kann ich mich noch besonders gut erinnern. In dem Video haben wir gezeigt, was man mit dem Hocker so alles machen kann. Die Kommentatoren haben sich dann heftig darum gestritten, ob das Video ein Fake ist oder nicht. Von einem Mädchen kam dann folgender Kommentar: „Ich hab' das gerade mit meinem Hocker zu Hause ausprobiert, der ist dabei kaputt gegangen. Das ist ein Fake.“ Das ist natürlich sehr witzig, weil wir ja genau aus dem Grund, weil es mit normalen Hockern eben nicht geht, den Sporthocker entwickelt haben.

Gab's auch schon Stress mit der Polizei?

Auch da kann ich einen kleine Anekdote erzählen. Wir haben mal auf einer Brücke gehockert, bis einer von meinen Kumpels gesehen hat, dass sich ein Security-Mann näherte. Er hatte die Hocker-Geräusche, dieses bam, bam, bam gehört. Er kam zu uns hoch. Wir saßen alle nur auf unseren Hockern, während er 15 Sekunden lang einfach in unsere Richtung schaute. Man sah förmlich, wie es bei ihm ratter, ratter machte und er sich fragte, woher wohl die Geräusche kamen. Er hat dann wortlos wieder umgedreht. Die meisten kapieren diese neue Sportart noch nicht. Noch gibt es kein Gesetz und auch kein „Hockern verboten“-Schild. Das kann auch gerne noch eine Weile dauern. Und Rumsitzen ist auf jeden Fall total erlaubt.

Wie sieht denn so ein Sporthocker aus?

Den Sporthocker gibt es in vielen verschiedenen Farben und mit unterschiedlichen Grafiken. Der Hocker kostet zwischen 80 und 160 Euro. Das größte Angebot gibt es in unserem Webshop. Während die Größe immer die gleiche ist (Schreibtischstuhlhöhe), gibt es verschiedene Gewichte: 1,8 Kilogramm für Kinder und Jugendliche, zwei für Erwachsene und 2,2 für den Möbelbedarf im Gastronomiebereich.

Ja, die Hocker werden tatsächlich auch von Barbesitzern bestellt und wenn sich jeden Abend ein 140-Kilo-Mensch auf einen 1,8-Kilogramm-Hocker werfen würde, und das mehrmals am Abend, würde das Teil schnell müde werden. Ach ja, die Hocker sind auch „Made in Germany“, worauf wir besonders stolz sind.

Bekommt man den Hocker beim Freiburger Sportladen um die Ecke?

Bisher haben wir in Freiburg leider noch keinen Händler. Dafür haben wir unseren Webshop im Januar internationalisiert und exportieren nun sogar ins Ausland. Es gibt Tage, da packen wir in einem Schwung Lieferungen nach Japan, Australien und in die USA. Das ist natürlich ein schönes Gefühl. Immerhin war das ja mal meine Diplomarbeit und ist nun unser Baby.

Was geht bei der Turntable-Hocker-Party am Samstag im Kamikaze?

Es wird die zweite Turntable-Hocker-Party sein. Die erste war in Frankfurt. Dieses Mal sind wir in Freiburg, da eine Legende des Hockerns, Max Lange, aus Freiburg kommt. Es wird natürlich viele Hocker zum Ausprobieren, Draufsetzen und Rumschmeißen geben. Außerdem werden wir immer mal wieder etwas vorführen, um den Leuten die Sportart zu zeigen. Wir werden versuchen, am Samstag so viel Spaß wie möglich zu haben.

#15 Hola! Hock! - Barcelona - SALZIG Sporthocker

Quelle
: YouTube


Verlosung:

fudder verlost einen stylischen Sporthocker. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen und dem Betreff 'Hockern' an gewinnen@fudder.de.

Der Hocker muss in der fudder-Redaktion abgeholt werden: Bertoldstraße 16, 79098 Freiburg.

Einsendeschluss ist Dienstag, 10. April 2012, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden am selben Tag per E-Mail benachrichtigt.


[fudder verlost diesen Sporthocker]

Mehr dazu:

Was: Turntable Hockern
Wann: Samstag, 31. März 2012, 21 Uhr
Wo: Kamikaze
Eintritt: 6 Euro
[Bild 1: Promo; Bild 2: Privat]