Jazzfestival Freiburg

Mehr als Hintergrund-Gedudel: So war’s bei De-Phazz im Jazzhaus

Felix Klingel

Lounge Musik hat einen schlechten Ruf: Zu flach, zu kitschig, zu viel Gedudel. Am Sonntag spielten De-Phazz, die Créme de la Créme des deutschen Chill-Out, in Freiburg - es war ein überraschend vielfältiges Konzert.

De-Wer? De-Phazz! Kennst Du nicht? Kein Angst: Die Heidelberger Formation bezeichnet sich sogar selbst als die "unbekannteste bekannte Band Deutschlands". Ganz unrecht hat sie damit nicht.


Vor 20 Jahren wurde sie vom Soundbastler Pit Baumgärtner gegründet. Während die ersten Alben sich noch in experimentelleren Gefilden wie TripHop und Drum ’n’ Bass abspielen, veränderte sich der Sound spätestens mit dem 2001 erschienenen "Death by Chocolate" zu dem, was De-Phazz heute ausmacht: Lounge-Musik oder auch Easy Listening, mit vielen Anleihen aus Jazz, Soul, Latin und Dub.

Viel Energie und Soul, wenig Kitsch

Mit dieser entspannten Melange schaffte es De-Phazz auf stilprägende House- und Chill-out-Sampler wie "Café Del Mar" oder "Buddha Bar". Fluch und Segen zugleich: Denn so läuft die Musik der Band auf der ganzen Welt, doch mit dem Namen De-Phazz kann angeblich niemand etwas anfangen.

Nun gut, das ist ein wenig überspitzt und kokettierend, das beweist auch das Konzert in Freiburg, denn das Jazzhaus ist voll. Und De-Phazz grooven ab der ersten Sekunde. Die Jazz- und Funk-Nummern haben die nötige Energie, die Soul und Latin-Balladen die richtige Portion Gefühl, ohne ins allzu Kitschige abzutreiben.

Jeder Song wird gleich gefeiert

Gespielt wird alles aus 20 Jahren De-Phazz, natürlich darf auch der größte Hit nicht fehlen: "The Mambo Craze". Sagt Dir auch nichts? Kennst Du bestimmt. Ein Ohrwurm, der auch 17 Jahre nach Erscheinen in der Rotation vieler Radio-Sendungen läuft und zum Pflichtprogramm jeder Lounge-Bar gehört.

Bemerkenswert: Das sonst übliche Jubel des Publikums bei den ersten Takten des großen Hits einer Band bleiben bei "The Mambo Craze" aus. Sänger Karl Frierson ist sichtlich verwirrt. Es soll ja Menschen geben, die kommen genau wegen diesem einem Hit zum Konzert– bei De-Phazz scheint das nicht der Fall zu sein. Jeder Song wird gleich gefeiert.

Laid-Back-Gefühl

Zurecht, denn die Live-Qualität von De-Phazz überzeugt. Jeder in der Band scheint seine Rolle gefunden zu haben, die stellvertretend für eines der Genre-Elemente steht. Bandgründer Pit Baumgärtner bleibt im Hintergrund und feuert vom Sampler mit der nötigen Coolness die elektronischen Versatzstücke des Downtempo ab. Sängerin Pat Appelton und Sänger Karl Frierson verkörpern mit ihrem expressiven Stil die Energie und die Kraft der Soul-Musik. Die Band spielt dagegen locker und entspannt – und sorgt so für das nötige Laid-Back-Gefühl der Lounge-Musik.

Denn De-Phazz im Studio und live auf der Bühne – das sind zwei Paar Stiefel: Auf den Alben stammt die Musik vor allem vom Computer von Pit Baumgärtner, außerdem gehören Sängerin Pat Appelton und Sänger Karl Frierson zum festen Ensemble. Auf die Bühne kommt De-Phazz dagegen mit einer Band, deren Besetzung sich hin und wieder ändert. In Freiburg dabei: Bernd Windisch (Bass), Marcus Bartelt (Saxophon, Flöte), Oli Rubow (Schlagzeug) und Ulf Kleiner (Rhodes Piano, Klavier).

Eine sinnvolle Abzweigung des Jazz

Kritiker haben dem Sound von De-Phazz vorgeworfen, dass er zu oberflächlich ist, keine Disharmonien und Improvisiertes zulässt, die gerade beim Jazz das Salz in der Suppe sind. Und der Name De-Phazz steht immerhin für "Destination Future Jazz". Doch was die Heidelberger Band seit 20 Jahren abliefert, ist vielleicht nicht die Zukunft des Jazz, aber eine sinnvolle Abzweigung. Das hat die Formation am Sonntag in Freiburg bewiesen.

Ihre Musik kann mehr, als Caipirinha-benebelte Pauschaltouristen in einer Bar auf Ibiza zu besänftigen – vor allem in Konzertform. Dann ist sie mehr als nur Hintergrund-Gedudel. Denn live haben die Songs plötzlich eine ganz andere Energie, eine neue Dimension, die der auf Platte gepressten Musik manchmal fehlt. Das liegt sicher auch an der hervorragenden Performance von Sängerin Pat Appelton und Sänger Karl Frierson. Der rezensierte das Konzert im sehr heißen Jazzhaus gleich selbst: "Es ist warm, aber schön". Das könnte auch eine Antwort auf die ewigen Kritiker der Lounge-Musik sein.

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