Mehr als 35.000 virtuelle Unterschriften: Mountainbiker fordern Abschaffung der 2-Meter-Regel

Corinna Mühlbeyer

Mit dem Mountainbike durch den herbstlich verfärbten Wald fahren - das ist für Radler jetzt ein Genuß. Was viele Mountainbiker wahrscheinlich nicht wissen: In den Wäldern Baden-Württembergs ist es Mountainbikern nur erlaubt, auf Wegen zu fahren, die breiter als zwei Meter sind. Jetzt fordern sie die Abschaffung dieses Gesetzes:



2-Meter-Regel - so nennen die Radfahrer das, was in §37 Abs.3 Satz 2 des Landeswaldgesetz Baden-Württemberg geregelt wird: "[...] Das Radfahren [...ist] nur auf Straßen und hierfür geeigneten Wegen gestattet", heißt es dort. "Auf Fußgänger ist Rücksicht zu nehmen. Nicht gestattet [...ist] das Radfahren auf Wegen unter 2 m Breite [...]." Dabei sind es doch genau die schmalen Waldwege, auf denen Mountainbiken besonders viel Spaß macht.


Die Mountainbiker im Ländle sind seit Jahren bemüht, diese Gesetz abzuschaffen, wie es in anderen Bundesländern bereits passiert ist. Aktuell sammeln Aktivisten bereits seit Ende August mit der Petition „Streichung der '2-Meter-Regel!'“ virtuell Unterschriften gegen das Gesetz. Initiiert wurde die Petition von einer Reihe von Radfahr-Interessengemeinschaften, unter anderem von der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB), dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), dem Badische Radsportverband (BRV) und dem Württembergische Radsportverband (WRSV).

Ihre Begründung für die Abschaffung: Die 2-Meter-Regel schaffe erst überhaupt erst Konflikte, weil Mountainbiker durch das Gesetz auf breitere Wege gezwungen würden, auf denen Spaziergänger und Wanderer unterwegs seien. Außerdem sei es im Gelände schwer abzuschätzen,  welche Wege denn genau breiter als zwei Meter seien. Johannes Bruns ist Vorsitzender des ADFC in Freiburg und hält das Gesetz für überflüssig. "Die Regel wird überhaupt nicht gelebt. Sie ist längst überholt." Mit dieser Einschätzung steht er nicht alleine da: Für eine Abschaffung der Regelung haben sich aktuell schon mehr als 35.400 Menschen auf der Petitionswebsite ausgesprochen (Stand: 8. Oktober 2013); 21.159 Stimmen davon sind aus Baden-Württemberg. 

Konflikte zwischen Wanderern und Mountainbiker

Beim Zusammentreffen im Wald kommt es zwischen Wanderern und Mountainbikern auf schmalen Wegen immer wieder zu Konflikten. Um Mountainbiker von attraktiven schmalen Wegen fernzuhalten, auf denen sie dem Gesetz nach ohnehin nicht fahren dürfen, hätten Wanderer vereinzelt sogar zu kriminellen Methoden gegriffen.

Im schwäbischen Albstadt sowie im Raum Kirchzarten hätten Unbekannte an Konfliktstellen Drähte über Wege gespannt, so Bruns. Taten, die seiner Meinung nach eindeutig Wanderern zugeordnet werden können: "Es waren Stellen, an denen es schon zu Konflikten zwischen Wanderern und Mountainbiker kam, oder etwa eine Rennveranstaltung geplant war." Die Fälle wurden nicht aufgeklärt. Dem Forstamt Freiburg sind solche kriminellen Handlungen nicht bekannt.

Mehr Pfade für Mountainbiker – das wollen auch die Wanderer

"Von solchen Vorfällen wie etwa in Albstadt distanzieren wir uns ganz klar", sagt Stephan Seyl, Pressesprecher des Schwarzwaldvereins. "Ich hoffe, dass für diese kriminellen Handlungen kein Wanderer verantwortlich war." Der Schwarzwaldverein ist der zweitgrößte Wanderverband in Deutschland und gilt mit seinen 70.000 Mitgliedern als Vertreter der Wanderer. Naturschutz, Heimatpflege, Familien- und Jugendarbeit sind weitere Schwerpunkte des Vereins.

Seyl ist der Ansicht, dass Schwarzwaldverein und Wanderer zu Unrecht als Mountainbike-Feinde dargestellt würden, die den Wald für sich alleine haben wollten. "In unserem Verein gibt es sicher keine Stimmung gegen Mountainbiker. Im Gegenteil, wir haben ja auch in verschiedenen Orten selbst Moutainbike-Gruppen.“ Die Abschaffung der 2-Meter-Regel hält der Verein aktuell nicht für notwendig. "Das ist einfach Gesetz", sagt Seyl. "Bei uns im Verein gibt es keine Stimmen, die dieses Regelung abschaffen möchten."

Der Schwarzwaldverein arbeite aber daran, das Verhältnis von Wanderern und Mountainbikern zu verbessern. "Unser Entgegenkommen war das diesjährige Positionspapier 'Mehr Schwarzwaldpfade für Biker'.“ Zusammen mit Vertretern des Forstes, Tourismus und Naturparke wurde darin die Entscheidung festgehalten, für Mountainbiker mehr Strecken auszuweisen.

Seyl sieht die Mountainbiker in der Bringschuld, sie seien nicht für Verhandlungen offen. "Die DIMP möchte keinen Kompromiss und sieht unser Positionspapier eher als Stolperstein auf dem Weg zur Abschaffung der 2-Meter-Regel", sagt er.  



Das Forstamt Freiburg sieht keinen Grund zur Abschaffung der Regel

In Freiburg ist die Lage nach Ansicht des Forstamt Freiburg ohnehin entspannt. Im Freiburger Stadtwald herrsche ein überwiegend friedliches Miteinander zwischen Mountainbikern und Wanderern. „In Freiburg wurde in den 90er Jahren ein Konzept entwickelt, das auf die Trennung von Wanderern und Mountainbikern setzt. Eben auf diesen schmalen Wegen unter 2 Metern“, sagt Nicole Schmahlfuß, stellvertretende Amstleiterin im Fortamt.

Obwohl es vereinzelte Beschwerden von Fußgängern und Wanderern gebe, die sich über rücksichtslose Mountainbiker ärgerten, habe sich das Konzept bewährt. „Die Rückmeldung von beiden Gruppen ist bisher ausschließlich positiv. Das spricht für uns gegen eine Abschaffung der 2-Meter-Regelung.“

Seyl vom Schwarzwaldverein fordert unabhängig von der 2-Meter-Regelung vor allem eine gegenseitige Rücksichtsnahme von allen Waldbesuchern. „Der überwiegende Teil der Begegnungen läuft unproblematisch und auch freundlich ab", sagt er. "Die Grenze verläuft eben auch nicht zwischen Wanderer und Mountainbiker, sondern zwischen Rüpel und verantwortungsvollem Mitmensch.“

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