Medizinstudenten protestieren: "Rettet das Wahltertial!"

Maria-Xenia Hardt

Hunderte Medizinstudenten haben heute den Kegel auf dem Uniklik-Gelände mit bunten Zetteln beklebt. Darauf: Ihr Wunschbereich für das Wahltertial ihres Praktischen Jahres (PJ). Damit protestieren sie gegen das Vorhaben des Gesundheitsministeriums, das PJ in Quartale zu teilen und die Allgemeinmedizin zur Pflichtstation zu machen.



Die bunten Zettel finden Anklang und sorgen für Aufsehen: Am frühen Nachmittag haben schon gut und gerne 500 Medizinstudenten einen Zettel beschrieben und aufgehängt, auch die Unterschriftenlisten füllen sich. Nicht nur Studierende unterschreiben, sondern auch Patienten und Ärzte. Immer wieder bleiben Passanten stehen, die Medizin-Fachschaftler überzeugen einige von ihren Argumente. „Wir haben sowieso nicht viele Wahlmöglichkeiten im Studium“, sagt Janine Günther (23), „dadurch können wir nur schwer eigene Schwerpunkte setzen.“


Auch im PJ gibt es bereits zwei Pflichttertiale, in der Chururgie und der Inneren Medizin, so steht es in der Ärztlichen Approbationsordnung, die die Zulassung zu sämtlichen Arztberufen regelt. Selbige soll nun in einigen Punkten geändert werden. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen alle Änderungen“, sagt Matthias Alexa (25), „im Gegenteil, einige Vorschläge befürworten wir. Zum Beispiel soll es einfacher werden, PJ-Abschnitte in anderen deutschen Städten zu absolvieren, das ist momentan weitaus schwieriger, als für ein Tertial ins Ausland zu gehen.“



Mit einer verpflichtenden PJ-Station in der Allgemeinmedizin will die Politik gegen den Hausarzt-Schwund vorgehen, der vor allem ländliche Gebiete fest im Griff hat. Zunächst sollte einfach das dritte Tertial ein Pflichttertial in diesem Bereich werden, dann kam der Vorschlag auf, das Jahr zu vierteln und so die Wahlmöglichkeit aufrecht zu erhalten. „Beide Aspekte gefallen uns nicht“, sagt Janine. „Ein Quartal ist viel zu kurz, um sich in einen Bereich einzuarbeiten, das ist schon jetzt mitunter schwer. Und die Allgemeinmedizin auf diese Art stärken zu wollen, ist unserer Ansicht nach politisch motiviert.“

Das finden nicht nur die Studierenden aus Freiburg, sondern auch ihre Kollegen aus anderen Unistädten wie Jena, Düsseldorf, Heidelberg, Greifswald, Leipzig oder Köln. An allen Unis haben heute Aktionen stattgefunden, die Unterschriften und die bunten Wunschzettel werden heute Abend per Eilbote an den Bundesrat in Berlin geschickt, der morgen über eine mögliche Änderung der Ärztlichen Approbationsordnung entscheiden wird.



Um den vor allem im ländlichen Raum herrschenden Hausarztmangel zu beheben, müsse man den Hebel anderstwo ansetzen, bei den Arbeitsbedingungen, nicht aber in der Ausbildung. „In Freiburg ist die Allgemeinmedizin während des Studiums sowieso schon stark vertreten, was auch gut so ist“, sagt Janine. „Statt der Mindestdauer von einer Woche machen wir drei Wochen Praktikum in diesem Bereich.“

Es ist auch keinesfalls so, dass sich niemand für die Allgemeinmedizin interessiert, an der Säule hängen einige Zettel, die diesen Bereich als Wunsch für das Wahltertial angeben. Von den zehn PJ-Stellen in Lehrpraxen der Uni Freiburg sind derzeit drei besetzt. „Das sind aber Leute, die es wirklich machen wollen“, sagt Matthias, „und auch die Praxen machen das freiwillig, sind motiviert, wodurch die Ausbildung dort sehr gut ist. Wenn das ganze zur Pflicht wird, könnte das eine Verschlechterung der Lehre insgesamt bedeuten.“



Viele Studierende, die später als niedergelassene Ärzte arbeiten wollen, wählen auch bewusst einen anderen Bereich, sagt Janine: „Viele absolvieren ihr Wahltertial zum Beispiel in der Kinderheilkunde, weil sie diesen Bereich für ihre spätere Tätigkeit wichtig finden.“

Statt Verpflichtungen sollte es Anreize geben, wie zum Beispiel das monatliche Stipendium von 500 Euro, das baden-würrtembergische Studenten derzeit während eines PJ-Tertials in einer Hausarztpraxis bekommen.

Die Änderung würde zwar erst Studenten betreffen, die sich zum Wintersemester 2013/14 für Medizin einschreiben, trotzdem ist den aktuellen Meidzinstudenten wichtig, dass das Wahltertial erhalten bleibt. „Wir hatten das Gefühl, dass wir nochmal ein Zeichen setzen müssen“, sagt Janine, „der Impuls dazu kam am Montag aus Jena. Es war zwar alles sehr kurzfristig, aber wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“

Morgen wollen die Berliner Kollegen mit einer Demo vor dem Bundesrat die bundesweite Aktion dann abrunden.