Welt-Aids-Tag 2018

Medikamente ermöglichen HIV-Positiven ein normal langes Leben

Frank Zimmermann

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Die Aids-Hilfe Freiburg informiert in der Innenstadt – und sammelt Spenden. 34 neue Klienten sind für die Beratungsstelle in diesem Jahr dazugekommen.

Zurzeit läuft in den Kinos der Film "Bohemian Rhapsody" über Queen-Frontmann Freddie Mercury. Als der Sänger 1991 an Aids starb, reihte er sich ein in eine Reihe von Promis, die öffentlich machten, an der Immunschwächekrankheit erkrankt zu sein. Die Aids-Hilfe (AH) geben nie explizit den Rat, sich als HIV-positiv zu outen, jeder müsse seinen eigenen Weg finden, sagt Robert Sandermann von der AH Freiburg. Nach wie vor sei es nötig, mit Kampagnen gegen Diskriminierung anzugehen.


In Freiburg werden rund 1000 Menschen mit einer antiretroviralen Therapie behandelt

1988 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO erstmals den Welt-Aids-Tag ausgerufen, er findet jedes Jahr am 1. Dezember statt. Auch in Freiburg informiert die Aids-Hilfe an diesem Tag zusätzlich zum normalen Angebot mit Sprechstunden und Onlineangeboten in der Innenstadt über HIV, sammelt Spenden und veranstaltet Aktionen. Immerhin: Die Zahl der Neudiagnosen ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts und der Deutschen Aids-Hilfe im vergangenen Jahr zurückgegangen, das sind knapp 13 Prozent weniger als im Jahr davor. Bundesweit leben 86100 Menschen mit HIV (minus 1,6 Prozent), davon sind geschätzte 11 400 noch nicht diagnostiziert, heißt es in einer Pressemitteilung der AH Freiburg. Und: "Von den Diagnostizierten sind 92 Prozent in Therapie."

In Freiburg werden rund 1000 Menschen mit einer antiretroviralen Therapie behandelt – in der Universitätsklinik und drei Schwerpunktpraxen. Wer therapiert wird, kann im Normalfall niemanden mit HIV infizieren.



Aktionen der Aids-Hilfe-Freiburg

Anlässlich des Welt-Aids-Tags zeigt sich die Aids-Hilfe am Samstag, 1. Dezember, in der Stadt:
  • 10 Uhr bis zirka 18 Uhr: Infostand in der Schwarzwald-City (Erdgeschoss, bei den Aufzügen) in Kooperation mit dem SkF-Treff (Sozialdienst katholischer Frauen) und dem Gesundheitsamt
  • ab 22 Uhr "Red Ribbon Party" im Rahmen der Schwu-Les-Dance-Reihe im Gasthaus Waldsee mit DJ Robert Sun und DJ Larry X
Weitere Termine:
  • Dienstag, 4., bis Samstag, 15. Dezember: Info- und Sammelaktion im Großen und Kleinen Haus des Theater Freiburg
  • Donnerstag, 13. Dezember, 19.30 Uhr, Jos-Fritz-Café, Wilhelmstraße 15/1, "Safer Sex 3.0": mit Jörn Valldorf (PrEP-Aktivist) und Hans Berlin (Pornostar, HIV-positiv).

Das Medikament zur HIV-Vorbeugung kostet zwischen 40 und 60 Euro im Monat

Zudem gibt es in Deutschland seit 2016 die Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) – gesunde Männer mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern können unter ärztlicher Betreuung vorsorglich täglich ein HIV-Medikament einnehmen. Waren die PrEP-Medikamente anfangs immens teuer (800 Euro monatlich), liegen die Kosten inzwischen bei 50 bis 60 Euro pro Monat. Dadurch ist die Zahl der PrEP-Nutzer stetig angestiegen. Für das kommende Jahr, sagt Ulrike Hoffmeister, Geschäftsführerin der AH Freiburg, sei geplant, dass die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Denn man gehe davon aus, dass durch die PrEP Neuinfektionen verhindert werden können.

Die Aids-Hilfe hat in den ersten elf Monaten dieses Jahres 34 neue Kunden beraten – 15 Frauen und 19 Männer. Insgesamt betreut sie derzeit 216 Menschen (vor einem Jahr: 246) aus Freiburg und dem südbadischen Raum, rund 72 Prozent sind Männer. Als großes Problem nimmt die Aids-Hilfe immer noch Formen der Diskriminierung wahr. Bei Bekanntwerden werde sofort "dieses Schubladendenken bedient", sagt Hoffmeister. Es gelte, weiter aufzuklären und Ängste abzubauen. "Stigmatisierung hat immer mit fehlender Wissensvermittlung zu tun", so Sandermann. Die Immunschwäche ist zwar nach wie vor nicht heilbar, aber neben Schutzmöglichkeiten ist dank Therapien ein normal langes Leben möglich.