Max Goldt im E-Werk: Beruf Vorlesen und Lustigsein

Martin Jost

Wie ungefähr jedes Jahr las Max Goldt am Montagabend im Freiburger E-Werk. Goldt-Fans bogen sich vor Lachen, Goldt-Einsteiger ließen sich anstecken. Und Goldts Routiniertheit macht es schwer, irgendetwas Neues über seine Lesung zu schreiben:

Max Goldt schreibt Kolumnen, Glossen, Essays. Abgeschlossene Texte, die sich in drei bis 20 Minuten vorlesen lassen. Viele wurden veröffentlicht in Zeitschriften oder in seinen über 20 Büchern. Bevor Max Goldt die Stücke auf einer Lesung vorträgt, überarbeitet oder „entkernt“ er sie gern noch mal. Wer eifrig Goldt liest, wird auf einer Goldt-Lesung einige Texte wiedererkennen, aber nicht so, wie er sie gelesen hat. Die anderen wird er gar nicht kennen, weil Goldt auch neue Texte am Publikum ausprobiert.


Das Gute an Goldt-Lesungen: Dieser Autor nimmt sein Vorlesen mindestens so ernst wie sein Schreiben. Max Goldts Beruf ist eigentlich das Vorlesen und das Schreiben ist bloß die Vorbereitungsarbeit für seine Lesungen. Am Programm hat er mutmaßlich so lange gefeilt wie an seinen Sätzen. Goldt kennt seine Texte und weiß, wo die Pointen sitzen. Und er liest betont und mit dem richtigen Timing. Wenn es sein muss, singt er sogar – wie in seiner Erinnerung an Blandine Ebinger, der er „in den Siebziger- oder Achtzigerjahren“ eines ihrer Chansons vortragen musste um die Erlaubnis zu erhalten, es elektronisch zu covern. (Ob sie es ihm erlaubt hat, kommt im Text leider nicht vor.)

Montagabend im E-Werk machte Goldt die Routiniertheit selbst zum Thema, mit der er Lesungen abhält: Goldt ohne einen sprachkritischen Beitrag, das ginge ja nicht. Und damit wir es hinter uns haben, lese er seinen Text über die Inflation des Wortes „lecker“ gleich zu Anfang.

Goldt liefert, was Goldt-Fans erwarten, auf verlässlich hohem Niveau. Nach so einer Lesung hat jeder Zuhörer seinen Lieblingstext, aber eingefleischte Goldtianer krümmen sich von Anfang bis Ende vor Lachen. Wer nicht so eingefleischt ist, lässt sich ein bisschen anstecken und freut sich ansonsten über die Qualitätslesung. Auch, wenn ein Abend Goldt ist wie eine Riesenschüssel Nachtisch: Sehr witzig in kleinen Dosen – wenn man dann den ganzen Süßkram aufgegessen hat, schmeckt irgendwie alles zu gleich.

Video: Üble Beläge

Quelle: YouTube
 

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