Matthias Rotzler kandidiert für Gemeinderat

David Weigend

Viele sind gestern überrascht gewesen, als bekannt wurde, dass ausgerechnet Beat Bar-Mann Matthias Rotzler (24) für die neue Liste "Für Freiburg" (FFR) kandidiert. Eine Liste, die mit "Politik aus christlicher Verantwortung" wirbt. Wir haben mit ihm gesprochen.



Matthias, du stehst in der Liste "Für Freiburg" immerhin auf Platz 5. Wie kam es dazu?

Ich bin kein Initiator der Liste. Holger Schindler, freier Journalist, auch für die Badische Zeitung, hat mich angesprochen, ob ich nicht kandidieren wolle.

Ein Journalist als Strippenzieher der Partei?

Holger Schindler selbst ist nicht auf der Liste, weil das unvereinbar ist mit seinen journalistischen Tätigkeiten. Aber er hat bei der Organisation mitgeholfen. Wir kennen uns schon lange.

"Für Freiburg" wirbt mit "Christlichen Wertvorstellungen". Was soll das genau sein?

Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Daher sind christliche Werte für mich auch Lebensinhalt. Das bedeutet: Gegenseitiger Respekt. Eine gewisse Art von Nächstenliebe. Sich zu überlegen, ob das, was man tut, nicht rein egoistisch ist; zu hinterfragen, ob das eigene Handeln im Einklang mit der Natur und mit der Gesellschaft steht.

Welcher Religion gehörst du an?

Gar keiner. Ich bin kein Kirchengänger, in keiner Gemeinde aktiv. Christliche Werte sind etwas sehr Persönliches. Sie können bei jedem unterschiedlich gewichtet sein. Jeder hat seine eigene Lebensvorstellung. Das hat für mich nichts mit Kirche zu tun.

In der Badischen Zeitung stand gestern, dass die Liste "Für Freiburg" auf Betreiben der "evangelischen Allianz" zustande gekommen sei.

Ehrlichgesagt, ich habe keine Ahnung, was das sein soll.

Eure prominentesten Listenvertreter sind Hans Lienhart und Heinrich Schwär. Kennst du die beiden persönlich?

Bei der Wahl haben sich die beiden kurz vorgestellt. Darüberhinaus gab es noch keine persönlichen Gespräche.



Warst du schon mal politisch aktiv?

Ich war für ein halbes Jahr als Nachrücker im Freiburger Jugendrat. In Schulzeiten war ich Klassensprecher, Schulsprecher und so weiter. Ich trage schon gern Verantwortung. Mich interessiert die Freiburger Politik und das, was in der Stadt passiert. Ich will die Möglichkeit haben, dabeizusein. Nicht unbedingt als Initiator von Politik, das ist für mich ja auch Neuland. Aber ich will zumindest fragen können: "Was passiert hier?" Ich will meinen Senf dazugeben und in bestimmten Fällen auch sagen: "Nach meiner Weltanschauung wird das nicht funktionieren. Das kann ich nicht mittragen." Ich will meiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden.

Welche Themen liegen dir am Herzen?

Fünf meiner sieben Geschwister haben schon Kinder. Da bekomme ich mit, wie problematisch das Thema Kinderbetreuung gehandhabt wird. Auch die Vereinbarung von Familie und Beruf finde ich ein wichtiges Thema. Außerdem gilt es, die Probleme mit dem städtischen Wohnbau zu lösen. Und natürlich Jugendpolitik: Wie können Jugendliche in Freiburg Fuß fassen und sich gesellschaftlich integriert fühlen?

Da gibt es schon Überschneidungen zu den Anliegen von "Junges Freiburg", oder?

Damit werde ich mich noch eingehend befassen.

Die Arbeit rund um "Beat Bar" und "Räng Teng Teng" haben ja größtenteils deine Geschwister Christian und Rahel übernommen, du bist hauptsächlich als Versicherungsmakler tätig. Es könnte dennoch einen recht vollen Terminkalender ergeben, falls du in den Gemeinderat gewählt wirst.

Ja, das stimmt. Aber in erster Linie geht es mir um die Unterstützung dieser Liste und nicht um die Mitgliedschaft im Gemeinderat. Falls es dennoch klappen sollte, werde ich mir die Zeit schon nehmen.

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