Einbruch in Schule

Mathe-Abi muss auch im Südwesten eine halbe Stunde später starten

Joshua Kocher

Nach den umstrittenen Englisch-Aufgaben folgt bei den Abi-Prüfungen die nächste Irritation: Das schriftliche Mathe-Abitur an den Gymnasien ist auch im Südwesten am Mittwoch verspätet gestartet.

Statt wie geplant um 8.30 Uhr, konnten die Schüler in Baden-Württemberg heute erst um 9 Uhr mit der Abiturprüfung im Fach Mathematik beginnen. Der Grund: Nach einem Einbruch in ein Gymnasium in Niedersachsen mussten die Aufgaben des Pflichtteils auch in anderen Bundesländern ausgetauscht werden. Betroffen sind nach derzeitigem Stand neben Baden-Württemberg auch Bayern, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland und Sachsen-Anhalt, wie die Kultusministerium-Sprecherin Christine Sattler mitteilte.


Der Pflichtteil der Prüfung musste ausgetauscht werden

In der Nacht vom 29. auf den 30. April wurde laut einer Pressemitteilung des baden-württembergischen Kultusministeriums in ein Gymnasium in Niedersachsen eingebrochen. Dabei könne nicht ausgeschlossen werden, dass Aufgaben, die auch in Baden-Württemberg im Mathe-Abi gestellt werden sollten, bekannt geworden seien. In einem länderübergreifenden Pool werden Aufgaben, die vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen ausgewählt werden, zwischen den verschiedenen Bundesländern getauscht.



Als Konsequenz des Einbruchs habe das Land Niedersachsen die Aufgaben neu stellen müssen. Auch das baden-württembergische Kultusministerium habe sich zu diesem Schritt entschieden, so Sattler.

Um den Prüfungstermin am heutigen Mittwoch, 2. Mai, dennoch einzuhalten, sei ein Krisenplan umgesetzt worden. Hätte die Prüfung verschoben werden müssen, wäre der gesamte weitere Zeitplan bis zur Zeugnisvergabe in Gefahr. "Das könnten wir den Schülern nicht zumuten", so Sattler.

Die neuen Aufgaben wurden elektronisch übermittelt

Um eine Verschiebung zu verhindern, wurden die Ersatzaufgaben den Schulen zwei Tage vor der Prüfung in verschlüsselter Form elektronisch übermittelt. Normalerweise werden die Prüfungen zentral gedruckt, versiegelt und an die Schulen ausgeliefert. Gegen eine grundsätzliche elektronische Übermittlung gebe es derzeit noch Sicherheitsbedenken, erklärte Sattler.

Am Prüfungstag wurde um 6.30 Uhr ein Passwort zugeschickt, mit dem die Aufgaben geöffnet und ausgedruckt werden konnten. Damit alle Schulen die Aufgaben rechtzeitig ausdrucken konnten, wurde der Beginn der Prüfung um eine halbe Stunde von 8.30 Uhr auf 9 Uhr verschoben. Geschrieben wird ebenfalls eine halbe Stunde länger, bis 13.30 Uhr. Die halbstündige Verschiebung sei verkraftbar, sagte Sattler.

Die Mutter eines Schülers aus Lahr beklagte nach Ende der Prüfungen, dass die Schüler angeblich handschriftlich die Aufgabenstellung nachbessern mussten, da diese fehlerhaft gewesen sei. Auf BZ-Nachfrage bestätigte Sattler, dass je nach Druckertyp eine Aufgabenstellung nicht lesbar war. Die betroffenen Schüler seien darauf aber von ihren Lehrkräften hingewiesen worden.

Die Schüler nehmen es gelassen

Für Schüler und Schülerinnen des Rotteck-Gymnasiums in Freiburg war die halbstündige Verschiebung kein Problem: "Wir haben das erst heute morgen über unsere Whatsapp-Gruppe erfahren", sagt Jana Tenambergen. "Aber nach dem schweren Englisch-Abi hat mich das nicht gestresst." So sieht es auch Felix Friedel: "In der halben Stunde, die wir warten mussten, haben wir uns unterhalten oder noch ein bisschen vorbereitet."

Am Wentzinger-Gymnasium in Freiburg muss derweil die gesamte Mathe-Prüfung wiederholt werden, wie die stellvertretende Schulleiterin, Marianne Jöllenbeck, bestätigte. Während der Prüfung wurde im Gebäude der Feueralarm ausgelöst. Alle Schüler mussten das Gebäude verlassen und werden am offiziellen Nachschreibetermin nochmal zur schriftlichen Matheprüfung antreten.

Das Mathe-Abitur ist die letzte der diesjährigen schriftlichen Abiturprüfungen. Alleine in Baden-Württemberg schreiben am heutigen Mittwoch, 2. Mai, 33.500 Schüler die Prüfung.

Bereits die Abiturprüfung im Fach Englisch hat für Schlagzeilen gesorgt. Viele Schüler haben Aufgaben als viel schwieriger im Vergleich zu den vergangenen Jahren kritisiert. Rund 30.000 unterstützten eine entsprechende Online-Petition – ohne Erfolg. Vom Ministerium in Stuttgart hieß es dazu: Alles in Ordnung. Das Niveau der Aufgaben sei angemessen gewesen.

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